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Das etwas andere Marathon-Portrait

Burkhard Swara – die „Marathon-Plaudertasche“ hat ihren Traumjob gefunden

24.07.2002

Seinen Kommentar schätzen viele, von Hamburg bis München, von Düsseldorf bis Berlin. Ob kleiner Dorflauf oder großer Citylauf, der O-Ton Swara steht für Fachkompetenz, Unterhaltung, Witz und Charme. Wenn es nach den Veranstaltern geht, dann wäre Burkhard Swara zumindest jedes Wochenende und noch dazu an diversen Wochenterminen laufend im Einsatz, dies sprichwörtlich genommen. Denn der Düsseldorfer ist ein viel gefragter Straßenlauf-Kommentator, Grund genug für Runners World, den 55jährigen Moderator einmal auf der anderen Seite des Mikrofons stehen zu lassen, im Rede-und-Antwort-Spiel.

Eigentlich ist er gelernter Großhandelskaufmann, seit nunmehr zehn Jahren Besitzer des „Düssel-Runner“, einem gut eingespielten Laufshop in Düsseldorf mit besonderer Prägung, zudem Mitorganisator bei so mancher Laufveranstaltung. Dazwischen liegen bewegte Wanderjahre des gebürtigen Schleswigers. Es fing freilich klassisch an, Anstellung bei der Datenzentrale der Landesregierung in Schleswig-Holstein, Schichtleiter im Rechenzentrum bei großen Industrieunternehmen in Berlin und Düsseldorf – bis Burkhard Swara, über den Einstieg bei Volksläufen und Völksmärschen längst passionierter Marathonläufer geworden, auf die Idee kam, den „geregelten Tagesablauf“ zu schmeißen.


v.l. Burkhard Swara, Wilfried Raatz, Horst Milde, Ronaldo da Costa (Handstand)

Als Verleger, Herausgeber und Schriftsetzer seiner Laufzeitung „Marathon aktuell“ machte er das Hobby zum Beruf. "Zum Leben reichte dies schon, zu mehr aber nicht", bekennt Swara, denn die Läuferpostille wurde zwar gerne von Insidern gelesen, doch die gedruckten 7 000 Exemplare sollten nicht zum Standbein für die Zukunft gereichen. Als letztlich einige Großkunden Ende der 80er Jahre kurzfristig ihre Anzeigenschaltungen zurückzogen, gab Swara in diesem Metier auf, wickelte als "ehrliche Haut" alle finanziellen Verpflichtungen penibel ab ("Schließlich wollte ich in der Szene bleiben und nirgends mir sagen lassen müssen, da kommt der Betrüger!") – und ging nach Berlin. Dort machte er als Geschäftsführer eines vom SCC Berlin aufgekauften, in finanziellen Schwierigkeiten befindlichen Laufshops erste Erfahrungen in einem Metier, das für ihn wegweisend sein sollte. "Das war natürlich nicht der Hit, aber ich hatte Lunte gerochen und wollte mein eigenes Ding machen!"

Gesagt, getan – zusammen mit seiner Partnerin Eva-Maria Lehmann zog in Düsseldorfs Weseler Straße den „Düssel-Runner“ auf. Mit Erfolg, denn der Umzug in die Graf-Recke-Straße in ein 300 m² großes Ladengeschäft und einer Filiale in Hilden ist Lohn und Anerkennung zugleich für die geleistete Beratung am Läufer – für den gelernten Kaufmann Swara („Der Laden läuft gut!“) hätte sich eigentlich der Kreis schließen können.

Eigentlich, wäre da nicht der charmante Plauderer gewesen. Wie zumeist, auch hier stand der Zufall Pate. Beim 10 km-Straßenlauf „Rund um’s Bayerkreuz“ sollte 1986 Burkhard Swara als Clubmitglied bei Bayer 04 Leverkusen dem wenig lauforientierten Sprecher am Mikrofon assistieren. Und durfte selbst ans Mikrofon. Und er tat es mit Bravour, da er die meisten Läufer persönlich durch seine eigenen Laufaktivitäten kannte. „Dir fallen natürlich einige Anekdoten ein, die du mit dem einen oder anderen Läufer erlebt hattest. Das gefiel eben den Leuten!“ erinnert sich Burkhard Swara an die Anfänge als Moderator. Das erste „richtige“ Engagement sollte nicht lange auf sich waren lassen, vor der Haustür, beim „Kö-Lauf“ auf Düsseldorfs Einkaufsmeile. Die seinerzeit schon hoch angesehenen Marathonläufe in Berlin und Frankfurt folgten. Zug um Zug verdichtete sich das Netz der Einsätze. Die „Plaudertasche“ Swara ist seitdem (viel)gefragt. Hier und da auch im Doppelpack mit Wolf-Dieter Poschmann, dem ZDF-Sportchef. „Wir sind ein gutes Team“ weiss Burkhard Swara ohne Übertreibung festzustellen. Die Paderborner Osterläufer jedenfalls danken es dem Gespann Poschmann-Swara Jahr für Jahr....

Früher einer derjenigen, der mit schweissnassem Dress dem Ziel entgegenlief, heute einer, der für seine Laufkollegen am Mikrofon noch einige nette Worte übrig hat. „Natürlich rutscht dir auch hier und da einmal etwas durch, was du besser nicht gesagt hättest. Aber, da ist nichts bösartiges dabei!“ Über die Schoten am Mikrofon schweigt sich Burkhard Swara höflich aus, doch um einen flotten Spruch ist er selten verlegen. „Vielleicht verbindet sich der an sich sture Norddeutsche mit der Berliner Schnauze, denn meine Mutter stammt aus Berlin“, versucht der moderierende Marathonmann mit einer Bestzeit von 2:46 zu ergründen, weshalb ihm auch zum Ende einer drei-, vier- oder fünfstündigen Moderation immer noch etwas Aufmunterndes einfällt, wenn die Abstände der einkommenden Läufer im Minutentakt gemessen werden können. Da wird selbst die kalauernde Bemerkung eines Sieges in einer „höheren Gewichtsklasse“ wird noch zum Kompliment. Und er lernt sogar noch einige Worte der dänische Sprache, damit er die vielen dänischen Läufer beim real,- BERLIN-MARATHON, die an der Spitze „Nationenwertung“ stehen, am Start fachgerecht begrüßen kann. Und wahrscheinlich verstehen die das dann auch ...

Burkhard Swara weiss aus einem schier unerschöpflichen Fundus zu schöpfen, schließlich ist er selbst rund fünfzig Marathonläufe gelaufen, kennt viele Strecken rund um den Globus und kann einfühlsam mit den Marathonläufern leiden. „Ich habe nie einen Sprecher-Lehrgang gemacht!“ eine Aussage, die vielleicht sogar für Swaras Erfolg Garant ist. Und den größten seiner Sprecherkarriere steht kurz bevor: Bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in München ist er als Moderator auf der Strecke. Standesgemäss natürlich beim Marathon, aber auch bei den Gehwettbewerben. Über diese Premiere ist ihm keineswegs bange, „da werde ich mir auch noch etwas einfallen lassen!“

Wilfried Raatz
Runners World 08/2002


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