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Swiss Alpine-Marathon Davos

Französin Karine Herry wird Nachfolgerin der Zehnmal-Siegerin Birgit Lennartz - Russe Grigory Murzin schlägt Vorjahressieger Lahcen Ahansal - Zweite Ränge für die Ultra-Läufer Thomas Miksch und Elke Hiebl - Überraschung durch Larissa Kleinmann im K 42-Ren

01.08.2002

Mit einem überaus forschen Starttempo zermürbte der Russe Grigory Murzin seine Gegner bei der 17. Auflage des Swiss Alpine Marathon über die Ultra-Distanz von 78 km bei einer Höhendifferenz von 2 300 m und kam nach seinem Erfolg in 2000 zu seinem zweiten Sieg in der Streckenbestzeit von 5:42:34 Stunden. Während Vorjahressieger Lahcen Ahansal ab dem Kulminationspunkt Keschhütte in 2 632 m merklich abbaute, rückte der Kemptener Thomas Miksch immer stärker in den Vordergrund und schaffte mit einem Rückstand von zehn Minuten mit Rang zwei seine bislang beste Platzierung bei nunmehr neun Starts in Davos.

Bei den Frauen blieb der zehnfachen Siegerin Birgit Lennartz bei anhaltenden Rückenbeschwerden nur die Zuschauerrolle, so dass es einen spannenden Schlagabtausch um die Lennartz-Nachfolge gab: Dank einer starken Schlusspassage setzte sich die Französin Karine Herry, hier zu Lande reichlich unbekannt, aber neben einer Reihe von Ultra-Landschaftslauferfolgen im frankophilen Gebiet auch Fünfte der 100 km-Weltmeisterschaft 1999, mit drei Minuten Vorsprung gegenüber Elke Hiebl durch, die damit zum dritten Male Zweite wurde. „Ich konzentriere mich auf die großen Rennen und lehne die Vielstarterei, die bei uns gang und gäbe ist, ab. Und der Erfolg in Davos gibt mir Recht!“ Für die Bieler 100 km-Siegerin Anke Drescher gab es mit fünfzig Minuten Rückstand nur Rang fünf, die Vielstarterin aus Tübingen hatte noch in der Vorwoche ein Rennen über 120 km (!) bestritten.

Zwischen diesen Läuferinnen sorgte eine junge Läuferin aus Winterthur für enormes Aufsehen: Die frühere 800 m-EM-Teilnehmerin Sonja Knöpfli lief vom Start weg dank ihrer Grundschnelligkeit mit Bestzeiten von 16:14 (5000 m) und 1:15:07 (Halbmarathon) bis Filisur (30 km) an der Spitze, hielt aber in ihrem Ultra-Debüt sensationell lange gegen die kilometererfahrene Konkurrenz mit – und durfte sich mit Recht in Davos als Dritte feiern lassen. „Ich glaube, derartige Läufe sind was für mich“, erklärte die 25jährige nach ihrem Schnupperkurs im hochalpinen Bündner Land, „auf den Kurzdistanzen kann ich nicht mehr übersäuern, deshalb habe ich mich gedanklich mit langen Läufen beschäftigt. Und bin begeistert!“ Für eine große Überraschung sorgte dagegen auf der 42 km-Strecke mit Start in Bergün und den Kulminationspunkten Keschhütte und Scalettapass und dem Ziel in Davos mit einer Höhendifferenz von 1890 m das schwäbische Talent Larissa Kleinmann, die sich während ihres USA-Studiums eher als Hindernisläuferin hervorgetan hatte, nun aber mit einer Klasseleistung beim Hochgebirgsmarathon aufzuwarten wusste. Mit einer Endzeit von 4:15:08 Stunden kam die 24jährige auf Rang vier hinter der hochüberlegenen, erst 20 Jahre alten Äthiopierin Tsige Worku und den Schweizerinnen Eroica Spiess und Carolina Reiber und war vor allem auf dem 16 km langen Schlussstück vom Scalettapass hinab über Dürrboden durch das reizvolle Dischmatal so schnell die gemsengleich über Stock und Stein wirbelnde Äthiopierin. „Ich habe einfach anfangs zu viel Respekt gehabt“ kommentierte Larissa Kleinmann ihr Marathon-Experiment, die kaum wieder zum Atem gekommen ihren Europatrip zusammen mit einigen US-Kommilitonen über Stuttgart in Richtung Paris fortsetzte.

Die männliche Parallele zu Tsige Worku (die übrigens nach ihren Starts auf europäischem Asphalt einen ersten Ausflug ins Hochgebirge wagte) ist Mohamad Ahansal, der jüngere Bruder von Lahcen. Zweiundzwanzig Minuten Vorsprung hatte der 30jährige beim K 42, der mit 1077 Startern inzwischen bereits dem Ultra-Geländelauf K 78 den Rang abgelaufen hat, aber traditionsgemäss diesem untergeordnet bleibt. „Unter drei Stunden sind möglich“, gestand Ahansal, der bereits vor vier Wochen seine Visitenkarte als Sieger beim Osterfelder Berglauf in Garmisch abgegeben hat, „nur muss etwas Konkurrenz am Start sein!“ Der nach eigenen Aussagen „zum Läufer mutierte“ frühere Duathlon-Weltmeister Urs Dellsperger, der schon als Zweiter beim Jungfrau-Marathon eine außergewöhnliche Gelängetauglichkeit bewies, wurde Zweiter – sichtlich gefrustet aber über den großen Rückstand auf den Marokkaner. „Ich werde wieder kommen, dann aber bestvorbereitet!“

Sogar einen Berliner Sieg gab es hochalpinen Gelände! Diesen holte sich bei ihrem Comeback (nach auskuriertem Ermüdungsbruch) das Marathontalent Anja Carlsohn. Beim 30 km langen, in der Tendenz bergabführenden Landwasserlauf von Davos nach Filisur kam die 24jährige nach 2:03:27 Stunden. „Das Ergebnis gibt mir Mut, im Herbst schon wieder einen Marathon-Versuch zu starten!“ freut sich die LG Nike-Athletin über ihren Einstieg, den sie allerdings eher tempodosiert angegangen war, aber die in Davos lebende Jasmin Nunige um nahezu drei Minuten abhängen konnte.

Mit insgesamt 4089 Anmeldungen registrierten die Organisatoren des Swiss Alpine Marathon, übrigens Partnerlauf des real,- BERLIN-MARATHON, eine neue Rekordbeteiligung. Jedoch ungebremst dürfte die Euphorie von Macher Andrea Tuffli trotz großartiger Resonanz auf und neben der Strecke zwischen Davos, Filisur, Bergün, der Keschhütte und dem Scalettapass keineswegs sein, denn die Rekordbeteiligung sicherte der Teamwettbewerb mit einer Fünfer-Mannschaft aus Bikern, Inlinern und Läufern, zu dem sich 120 Teams angemeldet hatten und für viel Belebung auf der Strecke sorgten. Indiz jedoch für den anerkannt hohen Stellenwert des Hochgebirgserlebnisses ist jedoch die stetig steigende Zahl beim Marathonlauf von Bergün nach Davos oder die gleich bleibend große Zahl von Läufern beim K 30, dem Einsteigerlauf. Mehr als eintausend Langstreckenläufer werden es kaum mehr auf dem beschwerlichen K 78 werden, zumal die Ultraszene in der internationalen Laufbegeisterung nur eine Randerscheinung ist. Und die Konkurrenz mit attraktiven Gebirgs-Marathonläufen wie dem Jungfrau-Marathon (heuer sogar mit einer Doppelveranstaltung und rund 7000 Läufern!), dem LGT-Marathon in Liechtenstein oder dem neu hinzu gekommenen Zermatt-Marathon ist außergewöhnlich hoch in einer knappen, schneefreien Dreimonats-Saison. Eines jedenfalls muss man „Mr. Swiss Alpine“ Tuffli lassen, mit dem neuen Sponsor coop weiss man in Davos einen überaus engagierten Partner an der Seite, der kräftig Gas gibt. Zum Wohle des Swiss Alpine Marathon.

Wilfried Raatz

Ergebnisse: 17. Swiss Alpine Marathon Davos (27.7.): K 78 (78,5 km/ HD +/- 2 300 m): Männer: Murzin (RUS) 5:42:34, 2. Miksch (GER/ Kempten) 5:52:54, 3. L. Ahansal (MAR) 6:05:44, 4. Kellenberger (SUI) 6:12:32, 5. Sommer (GER/ Oberstenfeld) 6:17:48, 6. Brenner (SUI) 6:27:14 ... 11. Gunzelmann (GER/ Nürnberg) 6:40:29, 12. Von Witsch (GER/ Siegburg) 6:40:55, 13. Huber (GER/ Kümmersbruck) 6:43:55, 19. Schweitzer (GER/ Michelstadt) 6:52:52, 20. Bremgartner (GER/ Münstertal) 6:56:38. Frauen: 1. Herry (FRA) 6:53:21, 2. Hiebl (GER/ Bodenmais) 6:56:11, 3. Knöpfli (SUI) 7:07:11, 4. Bychkova (RUS) 7:24:22, 5. Drescher (GER/ Tübingen) 7:43:15, 6. Frotschnig (AUT) 7:47:17, 7. Kresse (GER/ Hersbruck) 7:51:29, 8. Wagner (GER/ Reichelsheim) 8:03:03, 9. Hofmann (GER/ Lauda-Königshofen) 8:10:05. K 42 (42,195 km/ HD + 1890/-1710 m): Männer: 1. M. Ahansal (MAR) 3:09:00, 2. Dellsperger 3:21:32, 3. Luchsinger (beide SUI) 3:28:02. Frauen: 1. Worku (ETH) 3:44:16, 2. Spiess 3:55:32, 3. Reiber (beide SUI) 4:03:02, 4. Kleinmann (GER/ Fellbach) 4:15:08. K 30 (30,8 km/ HD +390/ -920 m). Männer: 1. Hafner (SUI) 1:44:19 ... 5. Barber (GER/ Berlin) 1:57:13, Frauen: 1. Carlsohn (GER/ Berlin) 2:03:27 ... 5. Wolf (GER/ Darmstadt) 2:19:16, 6. Rückershäuser (GER/ Neustadt) 2:20:34.


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