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EM02: Das doppelte Comeback des Dieter Baumann

Eine perfekte Rückkehr bei einem großen Titelkampf

08.08.2002

Das Wort Comeback gefiel Dieter Baumann nicht. "Davon will ich nicht sprechen." Trotzdem war es natürlich eine perfekte Rückkehr bei einem großen Titelkampf. Nach einem atemberaubenden Schlussspurt hatte Dieter Baumann im 10.000-m-Finale der Europameisterschaften von München am Mittwochabend die Silbermedaille gewonnen. Nur der Spanier Jose Manuel Martinez war am Ende in 27:47,65 Minuten noch um 22 Hundertstelsekunden schneller als der 37-jährige Tübinger. Dritter wurde dann mit Jose Rios ein weiterer Spanier. Doch Baumanns Lauf durch den Regen des Münchener Olympiastadion war mehr als nur eine sportliche Rückkehr – es war das Comeback in den Herzen der Fans. "Emotional war es natürlich toll", sagt Dieter Baumann, der das ganze Stadion hinter sich hatte, als es drauf ankam.

Fast nüchtern erklärte der beste deutsche Langstreckenläufer später: „Wenn ich alles in allem betrachte, war dies sicherlich ein besonderes Rennen – aber es gab in meiner Karriere viele besondere Rennen.“ Sein größter Triumph, der 5000-m-Olympiasieg 1992, war gerade gestern auf den Tag genau zehn Jahre her. "Wir leben in einer schnelllebigen Zeit. Manchmal möchte ich gerne auf die Bremse treten, aber das geht leider nicht", erklärte Dieter Baumann am Dienstagabend über den Stadionlautsprecher seinen Fans. Auf diesen Augenblick hatte Dieter Baumann lange warten müssen, und er könnte noch ein paar davon gebrauchen. Seine Dopingaffäre hatte Fans, Medien und Funktionäre zweigeteilt – die einen glaubten Baumann, die anderen glaubten ihm nicht. Im Herbst 1999 positiv getestet, fand man bei Untersuchungen heraus, dass seine Zahnpasta manipuliert worden war. Auf nationaler Ebene freigesprochen, war der Läufer vom internationalen Leichtathletik-Verband IAAF jedoch für zwei Jahre gesperrt worden. Ende Februar dieses Jahres war seine Sperre abgelaufen.

Am Mittwochabend hat Dieter Baumann viele, vielleicht alle Fans zurückgewonnen, weil er toll gelaufen ist. "Die Zuschauer waren super. Ich habe auf den letzten 600 Metern nur noch ein Grollen gehört. Die Fans sind eine Verführung, auch noch über 5000 Meter an den Start zu gehen. Andererseits möchte ich ihnen mit einer tollen Leistung in Erinnerung bleiben. Und wenn ich dann über 5000 Meter wie vor vier Jahren nur Achter werde, dann wird das schnell wieder als schlecht bezeichnet." Es ist also nicht wahrscheinlich, dass Dieter Baumann am Sonntag ein zweites EM-Finale läuft.

Das eine zweideutige Plakat würde dann wohl nicht mehr im Olympiastadion hängen. "Drück auf die Tube, Dieter", stand dort geschrieben. "Das ist sehr kreativ", kommentierte Baumann ironisch.

Eine Genugtuung verspüre er nach diesem Erfolg von München nicht. "Ich brauche niemandem mehr etwas zu beweisen. Den Medien nicht und den Zuschauern auch nicht – sie wollten heute ein Fest feiern, und zum Glück war ich dabei." Die Silbermedaille sei ein tolles Resultat für ihn, "bedenkt man, was passiert ist". Und dann ziegt Dieter Baumann trotz des sensiblen Themas sogar Humor: "Der eine oder andere wird die letzten zwei Jahre miterlebt haben", erklärt er in der Pressekonferenz den Journalisten und fügt hinzu: "Es darf auch mal gelacht werden." Dieter Baumann schloss in München in jeglicher Hinsicht an seine besten Zeiten an.


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