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Wo bleibt die Fairness und der Respekt vor der laufenden Frau, Männer ?

Beobachtungen während des 11. City-Nachtlaufes über 10 km am 03. August 2002

12.08.2002

Zum ersten Mal lief der männliche Autor dieser Zeilen vom Start bis zum Ziel mit einer Vereinskollegin mit. Ziel der Laufbegleitung war ein gleichmäßiges Tempo und eine Endzeit um die 38 Minuten. Hauptgrund des Mitlaufens war die Wettkampfvorbereitung mit einem festgefügten Trainingsplan und weniger die physische Nähe zu einer Frau. Die gesammelten Erfahrungen auf dem Kurfürstendamm sind jedoch so ernüchternd, daß ein Appell an die männlichen Läufer zwingend erforderlich erscheint.

Bereits an der Startlinie wird geschubst, gedrängelt und auf die Füße getreten. Eine Frau in der ersten Reihe, die nicht prominent ist, auch wenn sie gut und schnell aussieht ?

Nein, das ruft forsche Kommentare heraus. "Welche Zeit habt Ihr denn vor?!" Zu diesem Zeitpunkt stimmte ich kurz unsere Renntaktik ab, denn meine Begleitung hatte sich viel vorgenommen. Kein Mann würde sich je in eine Diskussion unter zwei Männern einmischen, aber bei einem Laufpaar wird gerne Ablenkung produziert. Ich nahm es mit Achselzucken hin, aber es wäre schon da besser gewesen zu antworten: "Kümmert Euch bitte um Euren eigenen Lauf und Eure Zeit."

Wesentlich schlimmer geht es auf der Strecke zu, denn meine Begleitung wurde gerne in die Zange genommen. Auch wenn es auf den ersten beiden Kilometern allgemein sehr eng ist, und nahezu unmöglich ein gleichmäßiges Tempo zu laufen, wird eine Frau noch heftiger behindert. Für die Herren um sie herum, und das ist meine subjektive Einschätzung, wäre es ein Leichtes gewesen, Abstand zu halten oder leichtfüßig weiter zu kommen.

Impertinenz auf der Laufstrecke seitens der Männer steigert sich vor allem, wenn es ums Überholen geht. Viel zu eng wird an der Frau vorbeigelaufen. Nie würde ein Mann einen anderen Mann touchieren. Bei einer Frau gilt es offensichtlich zum guten Ton, die körperliche Berührung zu suchen. Schlimm wurde es beim City-Nachtlauf nach der 5 km Wende. Einige der um uns herum laufenden Männer konnten es wohl nicht ertragen, von einer Frau überholt zu werden. So reihten sich unschöne Szenen aneinander. Meine Begleitung wurde einmal so derb geschnitten, daß sie fast gestürzt wäre. Ein lauter, schriller Aufschrei von ihr, " Mann, jetzt, paß doch auf!", der mich sogar erschrecken ließ, war die Folge. Dennoch, kaum einer in unserem Umfeld wich von der Seite. Vielleicht waren die Männer ob der schwülen Atmosphäre groggy, vielleicht fanden sie den pittoresken Ausblick während des Laufes anregend. Ich jedenfalls war perplex. Die angepeilte Endzeit konnte wegen der meiner Meinung nach zu großen Behinderungen zu dem Zeitpunkt bereits nicht mehr erreicht werden.

Die Wasseraufnahme – eine weitere Hürde, die sich uns stellte. Leider war ich unvorsichtig und trug mit dazu bei, keine Gasse zum Wasserstand frei gelaufen zu haben. Aber einmal mehr wurde meine Begleitung abgedrängt und bekam wegen ihres hohen Tempos keinen Becher in die Hand.

Zwischenzeitlich waren wir in einem 4-Minuten Schnitt angelangt und da beginnt sich die Läuferschar zu fixieren auf die "unter-40-Minuten Marke". Es ist verständlich, daß jeder Läufer gerne unter diesem Zeitlimit bleiben möchte. Nicht akzeptieren kann ich jedoch die fortgesetzte Behinderung einer Läuferin. Meine Kommentare an die Begleitung waren: "Der ist am Limit, geh vorbei." Das hätte ich vielleicht besser bleiben lassen sollen, denn jetzt weckte sich der unfaire Sportsgeist. Jeder Wettkampfteilnehmer läßt den oder die Bessere ziehen. Nicht so einige Männer um uns herum. Eingekesselt und entkräftet mußte die Vereinskameradin auf die letzten zwei Kilometer warten. Da war die Strecke freier und ein Endspurt noch möglich. Außerdem half ein weiterer Vereinskamerad beim Freihalten der Strecke mit.

Damit keine Mißverständnisse aufkommen wird betont, daß es meine sehr subjektiven Beobachtungen sind. Viele Männer waren sehr sportlich und rücksichtsvoll. Hier geht es allerdings um die zahlreichen negativen Begleiterscheinungen, die Läuferinnen gar nicht gefallen. Mag sein, daß andere Frauen überhaupt keine Behinderungen oder Belästigungen erfahren haben. Ich appelliere an uns Männer, den Respekt vor Läuferinnen und ihrer Leistung zu bewahren.

Behindert nicht, mischt Euch nicht ein und genießt ganz einfach Euren eigenen Lauf.

Haroun Malik
SCC Berlin
Vorsitzender LA


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