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Editorial Gigathlon 02

von Heinz Frei (SUI) - 14-facher Sieger des BERLIN-MARATHON

13.08.2002

Hatte früher das Wort „Marathon“ etwas magisches, verrücktes und ultimatives als Inhalt, so sind heute längst andere Prädikate gefordert um etwas Vergleichbares darzustellen!

Für viele war es DIE Herausforderung, im Leben einmal etwas besonderes, körperliches zu leisten, indem Sie einen Marathonlauf beenden wollten. Mega- Ultra- oder eben Gigathlon sind die Trends, welche in dieser hektischen Zeit elektrisieren, verzaubern und den „Kick“ auslösen, nach dem viele von uns streben!

Der Gigathlon, welcher Anfang Juli die Schweizer Sportwelt in ihren Bann zog, war einer dieser neuen Events, wo bereits Tausende dabei sein wollten. In verschiedenen Kategorien konnte die Dosis dem Leistungsvermögen angepasst werden. Die Hartgesottensten wagten sich als 7-Tages Singles alleine, jeden Tag, an die 5 Teilabschnitte. Diese bestanden aus Schwimmen, Radfahren, Mountain-Biken, Inline-Skaten und Laufen. Prognosen von Fach-leuten prophezeiten, dass niemand diese Woche alleine überstehen würde! Denkste: ein gutes Drittel beendete diese Tortur, zum Teil in erstaunlicher Frische!

Geradezu phänomenal war die organisatorische Seite dieses Grossanlasses, mit rund 10.000 Beteiligten, gelöst! An jedem Tagesendziel entstand jeweils eine kleine Camping- und Zeltstadt mit der dringend benötigten Infrastruktur wie Verpflegung, Duschen, Toiletten, Waschgelegenheiten und selbst Animation und Chilibetrieb gehörte dazu! Um 4.30 Uhr wurde aufgestanden, die Zelte abgebaut, Gefrühstückt; weil bereits um 6 Uhr, meistens für die Schwimmer, der Startschuss fiel! Es war immer das ganze Team bei diesen Arbeiten gefragt, weil pro Team nur 2 Autos erlaubt waren, welche ebenfalls für Ihre Ablösungen an den Zwischenzielen verantwortlich zeichneten.

Das Wertvollste entstand innerhalb dieser Woche fast von alleine: eine tolle Atmosphäre, ein Zusammenhalt, eine riesige Sportlerfamilie, welche nur selten von übertriebenem Ehrgeiz und falscher Einschätzung des eigenen Leistungsvermögens geprägt war! Dies ist ein grosses Kompliment an die Beteiligten und führte dazu, dass der Anlass von keinen gravierenden Unfällen überschattet war! Es hätte leicht dazu führen können, dem Ereignis das Grossartige abzusprechen.

Am eigenen Leib spürte ich, dass wir Rollstuhlfahrer, uns auf der Inline-Skater-Strecke toll integrieren konnten! Ich war zwar fast immer übervorsichtig in diesem Feld! Aber einmal, zu Beginn einer Abfahrt übernahm ich die Spitze, duckte mich windschlüpfrig nach vorne und ruhte meine rechte Hand auf meinem Rücken aus. Allerdings nicht für lange, denn sofort packte eine fremde Hand die Meine und als ich mich verdutzt umschaute, waren mindestens 20 Skater in Reih und Glied hinter mir am "Windschättelen"! Diese schoben mich in waghalsigem Tempo den Berg hinunter - meine Verantwortung wurde dadurch nicht kleiner! Swiss Olympic, als umsichtiger Organisator, löste mit diesem, an die Expo 02 angelehnten Wettbewerb, eine Welle der Begeisterung aus. Die Allermeisten würden sich freuen, wenn etwas Ähnliches auch in Zukunft zur Austragung gelangen könnte!

Heinz Frei (SUI)
14-facher Sieger des BERLIN-MARATHON


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