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Sebastian Coe sorgt sich um den Rückstand der europäischen Läufer zur Weltspitze

Interview mit Sebastian Coe

13.08.2002

Sebastian Coe (45 Jahre) war einer der größten Läufer. Er wurde Olympiasieger und hielt gut 16 Jahre lang den 800-m-Weltrekord. Bei der EM in München arbeitete der Engländer unter anderem als Co-Kommentator für den Hörfunk der BBC. Sebastian Coe ist in London Mitglied des House of Lords.

Glauben Sie, dass die Europameisterschaften von München der europäischen Leichtathletik einen Aufschwung geben können?

Sebastian Coe: Es waren Europameisterschaften, die sehr gut besucht waren, gut organisiert waren und Atmosphäre hatten. Einige Leistungen waren stark, andere allerdings weniger gut. Wir müssen in Europa aufpassen, dass wir im weltweiten Vergleich in manchen Disziplinen nicht den Anschluss verlieren. Da habe ich ein bisschen Sorge.

An welche Disziplinen denken Sie da besonders?

Sebastian Coe: Der Standard bei einigen Laufwettbewerben ist enttäuschend gewesen. Zum Beispiel die 5000 m, 10.000 m und der 3000-m-Hindernislauf haben gezeigt, dass der Abstand zur Weltspitze recht groß ist. Das gilt natürlich nicht für die Frauen.

Was waren die besten Leistungen dieser Europameisterschaften?

Sebastian Coe: Sicherlich ist an erster Stelle der Europarekord über 10.000 m von Paula Radcliffe zu nennen, aber auch die Leistungen im Speerwurf, eine traditionell starke europäische Disziplin, waren sehr gut. Weltklasse bewiesen auch der französische 400-m-Hürdenläufer Stéphane Diagana und der Grieche Konstantinos Kenteris über 200 m.

Die Griechen haben in München vier Goldmedaillen gewonnen – hat sie dieser Erfolg überrascht?

Sebastian Coe: Nein, das hat mich nicht überrascht. Die Griechen befinden sich in der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2004 in Athen – das hat man in München gemerkt. Es ist für sie daher sehr wichtig, gute Athleten und Erfolge zu haben.

Die Deutschen gewannen nur zweimal Gold.

Sebastian Coe: Vielleicht fehlten der Mannschaft hier die Siegertypen. Die Deutschen spielen in der europäischen Leichtathletik eine wichtige Rolle, insofern ist es eigentlich gut, wenn sie Erfolg haben.

Sie haben bedauert, dass zu wenige Läufer in zwei Disziplinen an den Start gehen – so wie Sie selbst früher über 800 und 1500 Meter.

Sebastian Coe: Ja, denn ich glaube, das wäre sehr gut für die Zuschauer und den Sport – und natürlich auch für den Athleten. Wer in zwei Laufdisziplinen sehr erfolgreich ist, kann sich als wirklich herausragender Athlet etablieren. Und das wäre gut für die Leichtathletik

Wie steht es um Ihre eigene Funktionärs-Karriere – es war schon einiges in britischen Zeitungen zu lesen.

Sebastian Coe: Im nächsten Jahr wird aus dem Council des internationalen Leichtathletik-Verbandes mein Landsmann Robert Stinson ausscheiden. Ich werde mich um seine Nachfolge bewerben. Die Wahl findet im August vor den Weltmeisterschaften in Paris statt. Ich möchte in der IAAF die Interessen der britischen Leichtathletik vertreten. Es ist aber nicht richtig, dass ich die Nachfolge von IAAF-Präsident Lamine Diack anstrebe.


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