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Haile Gebrselassie läuft nicht in Berlin

Marathon-Zukunft des Äthiopiers ungewiss

23.08.2002

Haile Gebrselassie stand schon so gut wie auf der Startliste des real,- BERLIN-MARATHON am 29. September. Doch im letzten Augenblick zog der Äthiopier, der mit zwei Olympiasiegen über 10.000 m und bisher 15 Weltrekorden zu den besten Langstreckenläufern aller Zeiten gehört, aufgrund von Fußproblemen zurück. Dies bestätigte gestern Gebrselassies holländischer Manager Jos Hermens gegenüber dem Tagesspiegel. Es ist sogar denkbar, dass der 29-jährige Ausnahmeläufer nach seinem Marathondebüt in London im April nie mehr auf die klassische Distanz der 42,195 km zurückkehren wird.

In London war Haile Gebrselassie im Frühjahr mit 2:06:35 Stunden das schnellste Marathondebüt aller Zeiten gelaufen. Doch damit war er nur Dritter. Der Weltrekord laufende Khalid Khannouchi (Marokko/2:05:38) und Paul Tergat (Kenia/2:05:48) waren vor ihm im Ziel, nachdem sie lange von der Tempoarbeit Gebrselassies profitiert hatten. Daraufhin suchte der Äthiopier nach einem Herbstmarathon mit einer flachen Strecke, bei dem das Rennen auf ihn zugeschnitten worden wäre. Berlin kam ins Spiel, und nach entsprechenden Verhandlungen war man sich einig. Haile Gebrselassies Ziel war klar: Weltrekord.

Nun platzte sowohl für die Organisatoren des real,- BERLIN-MARATHON als auch für Haile Gebrselassie ein Traum. „Wenn man den Größten schon so gut wie verpflichtet hat, ist es natürlich eine Enttäuschung, wenn es nicht klappt“, sagte der in Berlin für die Topathleten zuständige Mark Milde, der sich aber immerhin damit trösten kann, die Olympiasiegerin Naoko Takahashi wieder am Start zu haben. Die Japanerin war vor einem Jahr in Berlin als erste Frau unter 2:20 Stunden gelaufen (2:19:46) und will nun versuchen, den zwischenzeitlich verlorenen Weltrekord zurück zu holen. Die Bestzeit steht jetzt bei 2:18:47 Stunden.

Hintergrund der Fußprobleme von Gebrselassie ist, so erklärte Jos Hermens, eine spezielle Gymnastik, die der Serienweltrekordler nicht mehr machte, weil er dachte, er bräuchte diese nur für die schnelleren Bahnrennen. Nach seinem Marathonlauf in London und einem abgebrochenen Stunden-Weltrekordversuch in Hengelo am 2. Juni stellten sich daraufhin Probleme im Fuß und in der Wade ein. „Auf weichem Boden kann er problemlos zweieinhalb Stunden laufen, aber auf der Straße geht es nicht“, erklärt Jos Hermens und fügt hinzu: „In der letzten Woche hat Haile entschieden, dass er nicht in Berlin laufen kann. Es macht keinen Sinn, denn für ihn hätte hier nur der Weltrekord gezählt.“ Haile Gebrselassie traut man aufgrund seiner enormen Grundschnelligkeit ohne weiteres zu, die Marathon-Bestzeit auf unter 2:05 Stunden zu schrauben. „Ende des Jahres“, so Jos Hermens, „wird Haile entscheiden, ob er im nächsten Frühjahr einen Marathon läuft oder im Winter eine Hallensaison – im Moment tendiert er mehr zur Halle. Es kann sogar passieren, dass er nie wieder Marathon läuft.“ Ebenso ist aber auch denkbar, dass er in einem Jahr doch noch nach Berlin kommt, um den Marathon-Weltrekord zu brechen.


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