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Hindernis-Weltrekordler positiv getestet

Der Epo-Dopingfall Brahim Boulami ist ein Schlag, aber auch eine Chance für die Leichtathletik

01.09.2002

Für Hicham El Guerrouj ist eine Welt zusammengebrochen. Nachdem der Marokkaner in Brüssel zum Abschluss des Golden-League-Meetings am Freitag die 1500 m gewonnen hatte, wurde er zum neuesten Dopingfall befragt: Brahim Boulami. Sein Landsmann hatte in Zürich 14 Tage zuvor einen Weltrekord über 3000 m Hindernis aufgestellt. Schon dort kam der Verdacht auf, dass Boulami das Blutdopingmittel Epo benutzt hat. Denn die Tempomacher standen ihm mehr im Weg, als dass sie ihn führen konnten, und wenn das Rennen noch eine Runde länger gewesen wäre – für Brahim Boulami wäre wohl auch das kein Problem gewesen.

Patrick Sang, früherer kenianischer Weltklasse-Hindernisläufer und heute als Trainer tätig, hatte nach Zürich prophezeit, dass jener Boulami in Brüssel den Weltrekord auf unter 7:50 Minuten drücken könnte – außer Reichweite für alle Kenianer. Dazu kam es zum Glück nicht, weil Brahim Boulami nach dem positiven Epo-Test nicht mehr dabei war. Hicham El Guerrouj schlug zeitweise die Hände vor das Gesicht, als er antwortete. Er fürchtet um den Ruf der marokkanischen Läufer insgesamt. Auch er wäre dann betroffen. Der 1500-m-Weltrekordler fängt an zu erzählen von Marokkos großen Läufern vergangener Tage: Said Aouita oder Khalid Skah. „Wir haben eine gute Reputation aufgebaut. Jetzt habe ich Angst, dass Schatten auf Marokkos Leichtathletik fallen.“

Schließlich ist es erst gut einen Monat her, dass ein anderer prominenter marokkanischer Langstreckler mit Epo im Blut erwischt worden war: Mohammed Mourhit, der allerdings seit 1997 die belgische Staatsbürgerschaft besitzt und daher Europarekorde über 3000 m, 5000 m und 10.000 m aufstellen konnte. Noch am vergangenen Mittwoch war Hicham El Guerrouj in Brüssel dazu befragt worden. „Mourhit war ein guter Freund, wir haben uns geachtet. Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll“, erklärte Hicham El Guerrouj, der sagte: „Ich lehne jedes Doping ab. Ich will nicht gegen ein Laboratorium rennen, wenn ich auf die Bahn gehe.“ Sollte er jemals positiv getestet werden, so soll El Guerrouj zudem erklärt haben, würde er das gesamte Geld zurückzahlen, das er im Sport verdient habe.

Als ihn dann noch am Mittwochabend die neue Doping-Nachricht erreichte, „konnte ich mir das einfach nicht vorstellen“. „Ich habe zwei Tage lang schlecht geschlafen und nur an Boulami gedacht und daran, was mit Marokkos Leichtathletik passieren wird.“ Der Fall Boulami stoppte sogar El Guerrouj in Brüssel. Einen Weltrekordversuch über 1500 m brach der 27-Jährige am Freitag nach einer Runde ab. Er konzentrierte sich nur noch auf den Sieg.

Weltrekorde, die in der Leichtathletik mit Epo in Verbindung gebracht werden, sind vor allen Dingen die Bestmarken der Chinesinnen, die über 1500 m, 3000 m und 10.000 m schon 1993 Fabelzeiten liefen. Nun zählt auch jener Hindernis-Weltrekord von Brahim Boulami dazu, den dieser vor einem Jahr in Brüssel gelaufen war (7:55,28 Minuten).

Im Kampf gegen Epo tappten die Dopingfahnder lange Zeit im Dunkeln. Erst seit rund zwei Jahren gibt es die Möglichkeit, das Mittel nachzuweisen. Nun zeigen die Kontrollen Erfolge. Brahim Boulami wird nicht der letzte Epo-Fall gewesen sein. Auf den ersten Blick schaden diese Fälle natürlich dem Image der Leichtathletik, doch gleichzeitig steigt die Chance, dass es den Betrügern bald zu riskant wird, mit Epo im Blut zu laufen.


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