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Ein Quartett kämpft beim ISTAF um Gold: Marion Jones, Ana Guevara, Felix Sanchez und Hicham El Guerrouj siegen auch bei der sechsten IAAF Golden-League-Station in Brüssel

01.09.2002

Es bleibt bei einem Quartett, das am kommenden Freitag beim Berliner ISTAF im Jahn-Stadion um Gold kämpfen wird: 100-m-Sprinterin Marion Jones (USA/10,88), 400-m-Läuferin Ana Guevara (Mexiko/49,69), 400-m-Hürdenläufer Felix Sanchez (Dominikanische Republik/47,99) und 1500-m-Läufer Hicham El Guerrouj (Marokko/3:29,95) siegten auch bei der sechsten Station der IAAF Golden League in Brüssel. Wer von ihnen nun beim Finale der Serie in Berlin gewinnt, partizipiert am mit 50 Kilogramm Gold dotierten Jackpot. Doch es waren nicht unbedingt die Golden-League-Disziplinen, die bei einem einmal mehr insgesamt hochklassigen Memorial van Damme vor rund 45.000 Zuschauern die Highlights bildeten.

Fünf Jahresweltbestzeiten wurden in Brüssel notiert, vier davon bei Läufen. Noch vor dem Hauptprogramm hatten die Brüsseler Veranstalter um Wilfried Meert einen 10.000-m-Lauf ins Programm genommen, der es in sich hatte. Zum ersten Mal überhaupt blieben dabei gleich fünf Läufer unter 27 Minuten. Drei Läufer hatten dies in einem Rennen bisher geschafft. Auch das war in Brüssel, 1996. Damals war der Marokkaner Salah Hissou mit 26:38,08 Minuten Weltrekord gelaufen. In einem sehr gleichmäßigen Rennen siegte nun Sammy Kipketer. Der Kenianer lief 26:49,38 Minuten und stellte damit die erste Jahresweltbestleistung des Abends auf. Damit wurde der erst knapp 21-jährige Sammy Kipketer zum fünftschnellsten 10.000-m-Läufer aller Zeiten. Und es war die neuntschnellste Zeit aller Zeiten.

„Dies war mein erstes ernsthaftes 10.000-m-Rennen, deswegen bin ich überrascht über diese Zeit“, sagte Sammy Kipketer, der in diesem Jahr nur zweimal in seiner Heimat die 25-Runden-Distanz gelaufen war. Brüssel war also fast eine Premiere, allerdings hatte Kipketer in diesem Jahr bereits einen 10-km-Straßenweltrekord in New Orleans (27:11 Minuten) aufgestellt. Der Brüsseler 10.000-m-Lauf machte aber auch deutlich, dass diese Distanz bei den großen Meetings zu Unrecht unterrepräsentiert ist. Durch das Golden-League-Programm mit den 3000 beziehungsweise 5000 Metern ist die längere Strecke fast nicht mehr gefragt.

„Ich hatte mir eine Zeit zwischen 27:10 und 27:20 Minuten ausgerechnet, aber auf dem letzten Kilometer merkte ich, das geht sogar unter 27 Minuten. Da ich ein guter Sprinter bin, wusste ich, dass ich gewinnen kann“, sagte Sammy Kipketer, der in Führung liegend mit seinen vier Konkurrenten in die letzte Runde ging. In einem starken Spurt von der Spitze ließ er dann dem Äthiopier Assefa Mezegebu (26:49,90) keine Chance. Die ersten zwölf Läufer dieses Rennens erzielten persönliche Bestzeiten.

Hochklassig war auch, was Wilson Kipketer zeigte. Der für Dänemark startende Kenianer lief über 800 m mit 1:42,74 Minuten die schnellste Zeit des Jahres. In 50,15 Sekunden hatte Tempomacher David Kiptoo (Kenia) das Feld durch die 400-m-Marke geführt. „Eigentlich ist das, verglichen zu den Zeiten, wo wir schon einmal waren, nicht so schnell“, sagte Weltrekordler Wilson Kipketer (1:41,11 Minuten/1997), „aber für mich war dieses Tempo heute ideal. Ich habe eine für mich zurzeit perfekte Zeit erzielt.“ Für Wilson Kipketer ist damit die Saison beendet. Nach seiner Fußverletzung im vergangenen Jahr merkt er, „dass ich jetzt eine Pause brauche. Denn ich habe zu hart arbeiten müssen, um in diesen Leistungsbereich zurückzukommen.“ Im starken Brüsseler Feld reichten 1:44,38 Minuten übrigens nur zu Platz zehn. Achter wurde Nils Schumann (Creaton Großengottern). Der Olympiasieger verbesserte in 1:44,20 Minuten seine Bestzeit aus 2000 um zwei Hundertstelsekunden und meldete sich damit nach einer Grippe zurück. Mit dem Ergebnis konnte er angesichts der gesundheitlichen Probleme („nach der EM lag ich zwei Tage flach, und ich merke heute noch leichte Halssschmerzen“) zufrieden sein. „Allerdings wäre vielleicht auch eine 43er Zeit drin gewesen“, sagte Nils Schumann, der sich nach 600 Metern noch recht gut fühlte. „Doch dann musste ich in der Kurve etwas nach außen gehen. Da habe ich vielleicht etwas verloren. Aber man sieht auch, dass mir die Tempohärte fehlt“, erklärte der 24-Jährige, der nun nur noch zweimal in dieser Saison startet: beim ISAF am Freitag und in Madrid beim Weltcup.

Während Maria Mutola (Mozambique) den avisierten 1000-m-Weltrekord von Swetlana Masterkowa (2:28,98 Minuten), den die Russin vor sechs Jahren in Brüssel aufgestellt hatte, am Ende in 2:30,12 deutlich verpasste, gab es eine weitere Jahresweltbestzeit über die Mittelstrecke der Frauen. Die türkische Überraschungs-Europameisterin Süreyya Ayhan steigerte ihren nationalen Rekord von München um gut eine Sekunde auf 3:57,75 Minuten. Zwischen der Tempomacherin und dem Feld laufend, rannte die Türkin die schnellste Zeit weltweit seit vier Jahren.

Für die fünfte Saisonbestzeit sorgte Marion Jones, die nach ihrem 100-m-Sieg auch über 200 m gegen Schanna Pintusewitsch-Block gewann. 22,11 Sekunden lief die Weltmeisterin und meinte später: „Es motiviert mich, wenn gute Konkurrenz da ist. Deswegen habe ich mich zu diesem Doppelstart entschlossen.“

Noch drei weitere Laufentscheidungen gab es in Brüssel: Die 3000 m gewann der Marokkaner Abderrahim Goumri (7:35,77 Minuten), über 3000-m-Hindernis gab es nach dem Startverzicht des in der A-Dopingprobe positiv getesteten Weltrekordlers Brahim Boulami (Marokko) wieder einen kenianischen Sieg: Ezekiel Kemboi gewann in 8:06,65 Minuten. Und im 3000-m-Lauf der Frauen hatte Berhane Adere in 8:26,14 Minuten in einem Fotofinish mit einer Hundertstelsekunde die Nase vorne vor Gabriela Szabo (Rumänien), die nach der Ehrenrunde erfuhr, dass sie nur Zweite war. Für die äthiopische Siegerin Berhane Adere war es ein gelungener Test für das ISTAF, wo sie einen Weltrekordversuch über 5000 m anstrebt.


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