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XSpeed Race auf der Straße des 17. Juni

Det Ding is jeloofen

04.09.2002

– wie der Berliner zu sagen pflegt. Über 300 Anmeldungen, manche davon buchstäblich in allerletzter Minute, 219 Finisher im Ziel. Das XRace rund um die Goldelse, der 1. Inline-Halbmarathon in Berlin hat seine Feuerprobe bestanden. Mehr noch: In letzter Minute holten die Veranstalter, das SCC XSpeed-Team, die Speedskater im Sportclub Charlottenburg (SCC), noch den III. Wertungslauf des Jever-Blade-Challenge 2002 nach Berlin, eine hochkarätige mit den besten Speedskatern der bekanntesten Teams besetzte Marathon-Serie. Zwei Rennen, die sich gut ergänzen. Vorneweg fuhren das Gros der sportlich ambitionierten Speedskater über fünf Runden auf der verkehrsfreien Straße des 17. Juni bis zur Halbmarathon-Distanz. Unmittelbar anschließend starteten dann die Eliteteams zum Marathon, bei dem es um wichtige Wertungspunkte ging.

Das hohe sportliche Niveau der beiden Rennen zeigte sich schon bei den Anmeldezeiten – Klasse statt Masse. Erwartungsgemäß stellten beim XRace Halbmarathon die Speedskater aus Berlin und der direkten Umgebung die größte Gruppe. Das SCC XSpeed-Team mit seinen auffälligen orange-grün-silbernen Trikots rollten mit knapp 60 Aktiven an den Start. Auch der PSV-, der TSC- und der SC Berlin waren teils in Mannschaftsstärke vertreten. Teilnehmer aus Bremen, Celle, Cottbus, Emden, Frankfurt/Oder, Köln und sogar aus Polen, setzten die Berliner Speedskater ebenso wie die bekannten Firmenteams von Mogema, Rexton und Salomon kräftig unter Druck. Auch die hohe Anzahl nicht vereinsgebundener Fahrer, die einige gute Plazierung im vorderen Drittel verbuchen konnten, zeigt, daß die junge Speedskater-Szene Breitensport Charakter hat und noch kräftig in Bewegung ist

Bei strahlendem Wetter am Sonntag morgen rieben sich Jogger, Spaziergänger und frühe Besucher des Kunstmarktes am 17. Juni verdutzt die Augen: Marathonfeeling – vier Wochen vor dem großen Ereignis. Hektischer Betrieb unter der Tiergartenbrücke, unübersehbar die Jever-Start-und Zielbögen. Davor der Tiergarten, verkehrsfrei, vorbildlich geräumt, nur schwarzer Asphalt, wie frisch gefegt für die bunte Truppe von Speedskatern, die sich vor dem Start warm rollten. Über allem thronte die “Goldelse” auf ihrer Siegessäule.

Beim Startschuß in Anwesenheit des SCC Präsidenten Dr. Klaus Henk war es mit der Beschaulichkeit vorbei. Im Stakkatoschritt stürmten die Skater los und schon nach wenigen Meter formten sich die ersten Gruppen. Windschatten fahren war bei teils merklichem Gegenwind angesagt. Die Strecke hatte nicht nur an den Wenden ihre Tücken. Die ausgefahrenen Spurrillen der drei Fahrbahnen forderten die Aufmerksamkeit der Fahrer. Glatter schneller Asphalt bis zur Goldelse, dann das lange etwas rauhere Stück durch den Tiergarten bis zur Wende, kurz vor der Entlastungsstraße. Die wenigen Gefahrenstellen wie Gullydeckel, Löcher und Risse in der Fahrbahn waren, so das Lob vieler, vorbildlich markiert.

Von Anfang an war das Tempo hoch. An der Siegessäule kam es wie erwartet zu spannenden Positionskämpfen, bei denen sich die langen Gruppen immer wieder neu sortierten. Wie beim Radsport entscheidet beim Inline-Rennen die Teamarbeit ganz wesentlich das Ergebnis. Die kräftigen Lokomotiven ziehen das Feld. Im Windschatten lauern die Sprinter, die Ausreißversuche abblocken oder mitsprinten bis die Feldfahrer die Teams wieder herangeführt haben. Geschickte Taktiker nutzen den Windschatten bis zum Schluß, um dann im Zielsprint das Rennen für sich zu entscheiden. Spannende Szenen auch bei der mit Strohballen und Matten vorbildlich abgesicherten Wende am Bahnhof Tiergarten. Bei der ersten Runde drosselten die Teams noch das Tempo, aber schnell war klar, daß gute Kurventechniker hier entscheidende Meter herausfahren können.

Das Berliner Langstreckenass Thomas Langer (SCC/ Team Rexton) setzte sich früh von der Spitzengruppe ab und dominierte das XRace mit deutlichem Vorsprung. Die Siegerzeit von Thomas Langer mit 36:46 Minuten (ca. 35 km/h im Schnitt) bestätigt die Erwartungen. Der Rundkurs auf der Straße des 17. Juni ist schnell und für Jahresbestzeiten noch ausbaufähig.

Die Spitzengruppe, rund einem Dutzend Fahrer, folgte mit 11 Sekunden Rückstand. Joachim Faßbender vom SCC XSpeed Top-Ten-Team erwies sich in einem starken Zielspurt als der bessere Sprinter und landete im Zielkameraentscheid auf Platz zwei vor Piotr Siebert vom S.S.W Malta Pozna. Das Berliner Jungtalent Victor Wilking ( SCC/Saab Salomon Devo Team) rollte mit 36:58 Minuten souverän auf Platz 1 in der Juniorenklasse B, setzte aber mit dem Gesamtplatz 5 auch die Aktivenklasse mächtig unter Druck.

Schnellst Frau im XRace war Yvonne Hommel (Speed Team Bremen) mit 37:01 Minuten. Den wiederum knappen Vorsprung auf dem zweiten Platz fuhr Julia Wies (SC Berlin) in 39:19 Minuten vor Susanne Lösche (39:20 min, Speed Team Elbe) heraus. Auch bei den Damen ist der Abstand zum Speed-Nachwuchs nicht mehr sehr groß. Franziska Ittner (Junioren A) und Patricia Roll (Jugendklasse, beide SCC XSpeed-Team) erzielten neben den Klassensiegen auch ihre persönliche Halbmarathon Jahresbestleistungen in 44:59 Minuten.

Zum Feiern blieb vorerst keine Zeit, denn gleich im Anschluß an das XRace startete der Marathon der Eliteteams, der III. Wertungslauf zum deutschlandweiten Jever-Blade-Challenge (JBC). Am Start die bekannten Firmenteams von Fila, Powerslide, Rexton Rollerblade, Saab-Salomon, Zepto und das SCC XSpeed-Top-Ten-Team. Teammitglieder dieses nicht firmengebundenen Teams sind die leistungsstärksten XSpeed-Team-Fahrer/Innen. Einige Teilnehmer hatten kaum Zeit die Startnummer und den Zeitnehmerchip vom XRace gegen die Startnummer des JBC-Marathons auszutauschen. Die für so einen Doppelstart notwendige Ausdauerkondition ist bei vielen dieser Ausnahmeathleten nicht ungewöhnlich. Das zeigen Langstreckenrennen wie der 84km Doppelmarathon in Prezelle, das 111km Rennen Oneleven in der Schweiz oder der 100 km Kurs “Rund Bornholm”. Von gemütlich aber keine Spur. Bei den Antritten werden Spitzengeschwindigkeiten von 50km/h und mehr erreicht. Die Fahrer des Führungsfahrzeuges, ein Smart gesponsert vom Smart-Center-Berlin, hatten vorsichtshalber schon am Vortag die rasanten Wenden und die schnellen Antritte eingeübt, um nicht von den Speedskatern überholt zu werden.

Nach dem Start ließen es die Profis noch ruhig angehen. Nur Aufpassen, daß keiner vorprescht lautete die Devise. Diverse Ausreisversuche waren nicht von Erfolg gekrönt. Das Feld schloß schnell wieder auf. Andreas Andruleit verpatze durch einen Sturz die Chance auf einen Sieg. Die Spitzengruppe dünnte sich Runde um Runde auf wenige Fahrer aus. Bei den Damen bot sich ein ähnliches Bild. Vorneweg der Salomon-Express , dahinter das kleine aber ebenfalls hochkarätig besetzte Feld.

Das Renngeschehen kommentierte Benno Zschätzsch, Vater und Trainer der derzeit bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Speedskater Benjamin und Christoph Zschätzsch (Team Fila). Für die Zuschauer boten sich über eine Stunde Speedskaten vom feinsten, hautnah in zehn Runden. Fast jeder Antritt, die Positionskämpfe, die ausgefeilte Fahrtechnik und die Gruppenarbeit der Spitzenfahrer konnte mühelos verfolgt werden; und die Nervosität die sich mit jeder Runde steigerte.

Beim Signalpfiff zur letzten Runde waren die Nerven zum Zerreißen gespannt. Wer wagt sich zuerst aus dem Windschatten, um seine Position für den Schlußsprint zu verbessern, wer startet als erster durch und wer blockt das Feld, um seinen Teamkameraden sicher ins Ziel zu bringen. Zum Schluß ging wieder alles blitzschnell. Wenige 100 Meter vor den Zeitnehmermatten zerstob die Gruppe. Innerhalb von fünf Sekunden schossen 14 Fahrer durchs Ziel. Platz eins: Christoph Zschätzsch in 1:12:22 Stunden, Platz 2 ging an Benjamin Zschätzsch, knapp vor Baptist Grandgirard. Ein satter Dreifachsieg für das Team Fila.

Bei den Frauen zog ein Vierertrupp ruhig und präzise wir ein Expreßzug seine Runden und fuhr die Poleposition auch unangefochten ins Ziel. Platz eins: Friederike Gehring in 1:21:56 Stunden (Saab-Salomon), knapp vor ihrer Teamkolleginnen Sabine Clas, Stephanie Pipke und Anne Kroetenheerdt (SCC-XSpeed/ Verducci). Ein besonderer Fall von Frauenpower beobachtenden die Zuschauer mit einem Schmunzeln. Ein sichtlich entspannter XSpeedler ließ sich im Windschatten der zweiten Frauengruppe über die Runden ziehen. Das Rennreglement verbietet, daß die weiblichen Fahrer sich von den Männern ziehen lassen, schweigt sich aber für den umgekehrten Fall bislang noch aus. Und Bonuspunkte gibt es für den Mitfahrer auf dem Rücksitz leider auch nicht.

SCC-Clubpräsident Dr. Klaus Henk zog bei der anschließenden XRace-Siegerehrung ein außerordentlich positives Fazit einer gelungenen Auftaktveranstaltung auf hohem sportlichen und organisatorischem Niveau. Die guten Vorsätze und Wünsche für das XRace 2003: Ein noch größeres Teilnehmerfeld, der Kurs kann es vertragen. Bei der Streckenführung wird den Wenden und dem Zielbereich im nächsten Jahr größte Aufmerksamkeit gelten. Eine größere Beachtung der hohen sportlichen Leistungen der Speedskater in den Medien wünschen sich alle Akteure – und natürlich deutlich mehr Zuschauer, die das spannende Renngeschehen verfolgen und die Speedpiloten zu Höchstleistungen anfeuern. Und noch einige Helfer mehr - damit die Organisation nicht nur auf den Schultern von ein paar wenigen ruht. Der Berliner würde sagen – besser jeloofen als jedacht, wa?

Peter Gurr c2002 SCC-XSpeed-Team


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