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Zurück zu den Anfängen

Die einfachste Sache der Welt: das Laufen

26.09.2002

Keine sportliche Disziplin hatte es so schwer wie der Marathon, sich über den Erdball auszubreiten. Denn er begann mit einem toten Mann, dem Boten eben, der 490 vor Christi den Sieg seiner Athener über die Perser verkündete. Seit den Olympischen Spielen moderner Zeitrechnung 1896 steht der klassisch gewordene Lauf wieder auf der Agenda. Seine ersten Jünger galten als Sonderlinge und Käuze mit einem kleinen Heldenstatus. Wegen der 42,195 km langen Strecke.

Das ist eine verteufelte Länge, wie uns die Vorläufer erzählen. Der Kenianer Moses Tanui sagt, niemand könne vorhersehen, "was zwischen 38 und 41 km mit ihm geschieht". Auf hoher See, vor Gericht und, um ein defätistisches Sprichwort zu verlängern, am Ende eines Marathons ist der Mensch schutzlos höheren Gewalten ausgeliefert.

Es grenzt an Aberwitz, dass ausgerechnet diese um mindestens vier Kilometer zu lange Strapaze einem offensichtlich menschlichen Bedürfnis entgegen kommt. Am Sonntag beginnt die Herbstsaison der Klassiker mit dem Berlin-Marathon, und wenn die Teilnehmerzahl bei 32.752 liegt, dann nur deshalb, weil der Kurs keinen Jogger mehr aufzunehmen vermag. Auf Berlin folgen New York und Chicago mit den gleichen luxuriösen Problemen.

Alles hat einmal mit einem ersten Schritt begonnen. Man hat sich irgendwann nicht mehr wohl in seinem aus dem Leim gehenden Körper gefühlt und nach langem Stillstand das Laufen wieder ausprobiert. Ein Weg, ein Paar Schuhe, ein T-Shirt und eine Hose, mehr bedurfte es als Investition nicht. Ganz langsam ging es los, wie bei Außenminister Joschka Fischer. Vom Deutschen Leichtathletik-Verband wissen wir, dass seine Sportart die Kinder und die Senioren anlockt. Man geht wieder mit 14 und kommt zurück mit 40. Dazwischen dümpelt der Leistungssport.

Ist das dringendste Bewegungsbedürfnis zufrieden gestellt, rührt sich bei den Millionen Joggern zutiefst Erfreuliches: Sie sind zufrieden und stolz auf sich, und den Ehrgeizigeren drängt sich irgendwann ein verwegener Gedanke auf: Marathon. Ihre Zahl wächst seit dreißig Jahren rasant. Sonst hätte die deutsche Ausgabe der Fachzeitschrift "Runners World" keine verkaufte Auflage von zuletzt 62 200 Exemplaren. Dort wird die einfachste Sache der Welt hin und her gewendet: das Laufen. Zurück zu den Anfängen.

Von Robert Hartmann


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