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BM 02: Weßel und Beckmann Deutsche Meister

Erneute Enttäuschung für Carsten Eich: Ausstieg nach 25 km – Deutsche Meisterschaften im Rahmen des real,- Berlin-Marathon

29.09.2002

Die deutschen Meister 2002 heißen Kathrin Weßel und Martin Beckmann. Angesichts der Weltklassefelder mit einem überzeugenden Erfolg der Olympiasiegerin Naoko Takahashi vor der mexikanischen New York-Siegerin Adriana Fernandez oder des dramatischen Sprintfinales an der Männerspitze mit dem Überraschungscoup von Raymond Kipkoech vor dem Vizeweltmeister Simon Biwott sind die Leistungen der Deutschen eher eine Randnotiz wert. Kathrin Weßel war angesichts der vor Wochenfrist auftretenden Ischiasbeschwerden froh, überhaupt als deutsche Meisterin in 2:36:36 Stunden ins Ziel zu kommen. Martin Beckmann hingegen darf durchaus als ein kleiner Hoffnungsschimmer am stark bewölkten deutschen Marathonhimmel bezeichnet werden, schließlich ist der 25jährige in seinem zweiten Marathonversuch noch längst kein gestandener Marathonmann, der nach den schwachen Auftritten von Carsten Eich und Jirka Arndt die Gunst der Stunde zum persönlichen Triumpf zu nutzen wußte.

Das fünfte Rennen von Carsten Eich auf Berliner Boden endete im Scherbenhaufen. Die Hoffnungen des Fürthers im Dress der LG Braunschweig, auf der schnellen Berliner Strecke zurück zur erweiterten Marathonspitze zurück zu kehren, platzten schon nach 25 Kilometern. Alle Bemühungen, das Comeback im Verbund mit seinem österreichischen Trainingspartner Michael Buchleitner zu starten, waren vergebens. Schon zur Streckenhälfte war das Duo mit 1:06:45 schon deutlich von einer Marschtabelle in Richtung 2:12 abgerückt. Und die nationale Konkurrenz mit Jirka Arndt, Martin Beckmann und Uli Steidl saß im Nacken. Im Frühjahr setzte er sich zwar als Sieger des Leipzig-Marathon an die nationale Spitze, sah sich allerdings nach einer Achillessehnenoperation noch längst nicht wieder in der Lage, auf internationalem Parkett bei den Europameisterschaften in München zu starten. Als Reaktion feuerte ihn der DLV aus seiner Kaderförderung – schon alleine deshalb wäre er gerne in Berlin als Deutscher Meister wieder gekehrt.

Einer der Gewinner des Tages ist deshalb zweifellos Martin Beckmann, der nach überstandenem Pfeifferschem Drüsenfieber nun als Marathonchampion gefeiert werden kann. „Endlich habe ich mein Seuchenjahr abschütteln können!“ freute sich der 25jährige von der LG Leinfelden-Echterdingen. Er hätte gerne auf der anerkannt schnellen Strecke eine 2:15er Endzeit hinlegen wollen, doch so weit ist der Student für Energie- und Recycling-Technik noch nicht. „Dass ich diese verpasst habe, ist bei dem Titelgewinn doch eher nebensächlich!“ Dabei erlebte Beckmann auch ein Wellental der Gefühle, schließlich fühlte er sich auf lange Zeit auf Blickkontakt zum favorisierten Eich etwas „mulmig“, hatte zudem mit Jirka Arndt und Uli Steidl zwei hartnäckige Begleiter zur Seite, die keine taktischen Spielchen zuließen.

Das Männer-Dilemma auf den Punkt gebracht zeigt ein Blick in die Rangfolge im Ziel, denn mit Beckmann, den Medaillengewinnern Uli Steidl und Steffen Benecke sowie Maximilan Bahn gab es gerade vier Deutsche unter 2:20. Bei den Frauen offenbare eine zwischenzeitlich zum Interview abstoppende Sonja Oberem bei ihrem Trainingslauf in 2:40:44 (was bei einer DM-Wertung Rang drei bedeutet hätte) die Schwäche der deutschen zweiten Reihe. Hier hat scheinbar nur die Siegerin recht, auch wenn sich die Berlinerin das Rennen auf heimischem Terrain anders vorgestellt hatte. „Da ich das angeschlagene Tempo nicht halten konnte, war es für mich vor allem wichtig, das Rennen als deutsche Meisterin zu beenden!“

Als DLV-Präsident Clemens Prokop als Last-Minute-Flieger nach seiner Landung im Flughafen Tegel Berliner Boden betrat, waren die deutschen Marathonhoffnungen auf ein Minimum reduziert. Eich bereits ausgestiegen, der hoffnungsvoll gestartete 5000 m-Olympiaachte Jirka Arndt längst von einer annehmbaren Zeit entfernt, Kathrin Weßel auf dem Weg zu einer international unbedeutenden Endzeit. Angesichts dieses Dilemmas ist die besondere Fürsorge des Deutschen Leichtathletik-Verbandes unbedingt zwingend erforderlich. Und wohl auch eine lenkende Hand des DLV-Präsidenten. Marathon ist ein medienträchtiges Spektakel, zudem ein boomendes Geschäft, was auf Berlins Straßen mit total 45 000 Marathonläufern ohne Wenn und Aber festzustellen war. Doch dieses führt derzeit am Leichtathletik-Fachverband vorbei. Und das sollte zu denken geben....

Wilfried Raatz


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