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Boom im Marathon-Herbst

Für die deutschen Herbst-Klassiker Köln-München-Frankfurt lässt es sich hinter Krösus Berlin gut leben

03.10.2002

Marathon boomt in Deutschland. Im Frühjahr gab Hamburg mit 17 000 Startern den Takt vor, „Kleine“ wie Mainz, Würzburg, Duisburg folgten ebenso mit ansehnlichen Meldezahlen, im Herbst läuft natürlich der real,- Berlin-Marathon mit über 41.000 Startern aus 90 Nationen und einem attraktiven Spitzenfeld im weltumspannenden Wettstreit mit Chicago und New York in einer eigenen Liga.

Aber im nationalen Ranking brauchen sich die Mitbewerber in Köln, München und Frankfurt um ihre Vorläufer-Position nicht zu grämen, denn sie alle zeigen den Trend zu weiteren Rekordzahlen an. Das Buhlen um internationales Renommee mit Spitzenzeiten jenseits von 2:10 Stunden bei den Männern und 2:30 Stunden bei den Frauen ist das eine, die große Masse im Freizeit- und Breitensportbereich das andere. Bei Millionenetats geht es vordergründig um die Inszenierung der längsten Olympiadistanz im Laufen. So gilt der Ford-Köln-Marathon längst als Einstieg der rheinischen Frohnaturen in die fünfte Jahreszeit, der Eurocity Marathon Messe Frankfurt als bestzeitenträchtiger Qualitätsmarathon trotz mancher Witterungsunbill und der Medien-Marathon-München setzt nach der stimmungsvollen Inszenierung der Europameisterschaften mit der Rückkehr ins Olympiastadion auf Ambiente.

Mit rund 16.600 (Läufer-)Anmeldungen weiss der 6. Ford-Köln-Marathon den furiosen Aufwärtstrend fortzusetzen, alleine der Meldestopp im August verhinderte den markanten Schritt in Richtung 20 000 „echten“ Marathonläufern.

Mit im Vorjahr geschätzten 700 000 Zuschauern gilt der Newcomer als Stimmungsbombe. Die Spitzenleistungen der Eich, Chimusasa, Lopuyet oder Lokorwa spielen angesichts ausgelassenen Stimmung an der Strecke eine eher untergeordnete Rolle, wenngleich man auch bei der sechsten Auflage am Rhein nichts unversucht lässt, die begehrte 2:10er Schallmauer unterbieten zu können. Mit Vorjahressieger Simon Lopuyet und dem bereits in Turin und Prag erfolgreichen Tansanianer Andrew Sambu sind potente Kandidaten für einen neuen Streckenrekord im Feld. Bei den Frauen könnte in Abwesenheit der Vorjahressiegerin Judy Kiplimo deren Landsfrau Mary Ptikany die erste Geige spielen, nicht zu vergessen auch das deutsche Duo Claudia Dreher und Ulrike Maisch.

Ganz auf die Schiene Breiten- und Freizeitsport setzt dagegen der „medien-marathon-münchen“. Mit einer erwarteten Steigerung auf 8 500 Starter sehen sich die Macher an der Isar schon jetzt in ihrem Marathonkonzept bestätigt. Marathonchef Gernot Weigl sieht im Umzug von der gewiss atmosphärischen Zentralen Hochschulsportanlage ins überdimensionalen Olympiastadion einen Grund für den Meldeanstieg. Mit dem Einzug der Marathonmesse in der Werner-Linde-Halle ist hier offensichtlich eine Verbesserung gelungen.

Seinen Ruf als Qualitätsmarathon möchte der Eurocity Marathon Messe Frankfurt mit dem neuen Titelsponsor Messe Frankfurt GmbH unterstreichen. Im Vorjahr setzten sich mit Pavel Loskutov und Luminita Zaituc die beiden EM-Silbermedaillengewinner von München in eindrucksvoller Weise durch. Wie auch in Köln ist bei den Männern ein neuer Streckenrekord möglichst unter 2:10 Stunden angepeilt. Dafür wollen sich vor allem die Kenianer Christopher Kandie, John Rono und Debütant Laban Chege hinein hängen, eine gute Rolle wird auch Lucketz Swartbooi und Michael Buchleitner zugeschrieben. Bei den Frauen ist die Vorjahressiegerin natürlich im Gespräch, allerdings sind zu diesem frühen Zeitpunkt die Fronten noch nicht geklärt. Mit dabei ist die früheren Boston-Zweite Renata Paradowska und die Vorjahresdritte Lena Gavelin aus Schweden. Mit 10 000 Teilnehmern planen die Organisatoren ein fünfstelliges Melderesultat, das im Vorjahr alleine durch die Integrierung der Deutschen Meisterschaften mit 11 200 Teilnehmern erreicht wurde.

Wilfried Raatz


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