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Auch ohne Berg ist Jonathan Wyatt nicht zu schlagen

Weltbester Bergläufer gewinnt München-Marathon in 2:23:19 ? 8876 Meldungen in München

14.10.2002

Elf Bergläufe hat der weltbeste Bergläufer Jonathan Wyatt in diesem Sommer in Folge, darunter auch die inoffizielle Weltmeisterschaft in Innsbruck sowie die Berglauf-Grand Prix-Finalläufe am Hochfelln in Bergen und in Ljubljana vor wenigen Tagen erst gewinnen können - das zwölfte Rennen auf seiner dreimonatigen Europatour auf dem flachen Stadtkurs in München ging ebenfalls an den 30jährigen Neuseeländer.

Allerdings betrug die Distanz olympische 42,195 km und verrät letztlich den absoluten Könner der Materie. Allerdings wurde es dem Berglaufkönig und Marathon-Sechsten der Commonwealth-Games beim dritten "medien.marathon.münchen" auch leicht gemacht. Denn Münchens Marathon-Chef Gernot Weigl setzt nach dem finanziellen 100 000 Euro-Defizit der Premierenveranstaltung ausschließlich auf "local heroes".

Dieses neue Konzept wäre fast einhundertprozentig aufgegangen, wäre nicht in letzter Minute noch das "Schnäppchen" Wyatt unter den insgesamt 8 876 Meldungen (7 400 letztlich am Start) gelungen, der das Feld in der weiss-blauen Landeshauptstadt letztlich fleißig aufgemischt hatte. Mit 2:23:19 Minuten sorgte dann auch der Neuseeländer für den aus der Berglaufszene gewohnten Vorsprung vor Anton Gröschl aus Rosenheim, der als 43jähriger mit neuem Hausrekord von 2:26:54 plötzlich im ungewohnten Rampenlicht stand. Mitfavorit Dirk Schinkoreit kam trotz einer schmerzhaften Hüftprellung, die er sich bereits nach zwölf Kilometer auf der Leopoldstraße nach einer klassischen (unbeabsichtigten) Fußangel von Jonathan Wyatt eingefangen hatte, auf Rang drei ins Ziel.

"Ich hätte etwas verpasst, wenn ich nach diesem Sturz vorzeitig ausgestiegen wäre", bekannte der Cottbuser, der bedingt durch Diplomprüfungen im Wirtschaftsinformatik-Studium gewiss mit Defiziten ins Rennen gegangen war. "Der beste Weg, einen Marathonlauf zu beenden" lobte auch Jonathan Wyatt den beeindruckenden Einlauf ins Olympiastadion. Sprecher Peter Maisenbacher und Bayern3-Moderator Matthias Mattuschek heitzten nämlich mit aktuellen Tophits und Disco-Nebel die vielen Zuschauer im weiten Rund mächtig an, sodass das Ziel im Olympiastadion für alle Finisher zum absoluten Höhepunkt wurde. Tränen in den Augen hatte dabei auch die Amberger Triathletin Silke Fersch, die trotz Ironman-Erfahrungen von dieser stimmungsvollen Kulisse regelrecht überwältigt wirkte, als sie mit 2:46:18 die Frauenwertung gewinnen konnte.

Natürlich lassen sich die statistischen Eckdaten keineswegs vergleichen mit den anderer deutscher Stadtmarathonläufe. Vielleicht ist auch München ein besonderes "Pflaster", das den Fun-und-Spaß-Faktor favorisiert. Allerdings dürfte aber auch nach den Erfolgen der Leichtathletik-Europameisterschaften eines klar sein, ein derartig begeisterungsfähiges Publikum braucht einen Klassemarathon, denn sonst könnte der Schwung rasch wieder verebben. Ali Schneider, der Begründer des einstigen München-Marathons freute sich ehrlichen Herzens mit Gernot Weigl über die neue Rekordbeteiligung und den Aufschwung in München. "Wir waren mit dem Marathon ganz schön im Keller", gestand der heutige Marathon-Reiseveranstalter. Mit Weigl kehrt München nun zumindest wieder in die Marathon-Bundesliga-Spitzengruppe dank weiter steigender Teilnehmerzahlen zurück. "Der kleine Bonus der EM hat sich ausgezahlt" ist sich Marathon-Chef Weigl über die neue Rekordbeteiligung sicher. "Unser neues Konzept mit den local heroes und dem Ziel im Olympiastadion ist aufgegangen, auch wenn ich anfangs dafür heftig kritisiert wurde!" Auch wenn die Begeisterung auf der Strecke nach wie vor sehr zurückhaltend war, in München ist man gewiss auf einem guten Wege. Auch mit der Einbindung früherer Asse wie Günter Zahn, der vor dreißig Jahren die olympische Flamme entzündete und nach Jahren der Marathonabstinenz und ohne spezielles Lauftraining mit 3:02 finishte oder Udo Reeh, der eine erstaunliche 2:38er Endzeit zu Stande brachte. Oder aber auch mit dem "Medien-Award", der am Vorabend des Marathonlaufes im Alten Rathaus am Marienplatz an Gustav Schröder überreicht wurde, der als "Mann mit der Baskenmütze" als Fotograf und Journalist seit über vierzig Jahren mit viel Engagement für die Leichtathletik wirkt.

Wilfried Raatz

3. medien.marathon.münchen: Ergebnisse:

Männer: 1. Wyatt (NZL) 2:23:19, 2. Gröschl (Post-SV Rosenheim) 2:26:54, 3. Schinkoreit (USV Cottbus) 2:27:25, 4. Knoll (SC Delphin Ingolstadt) 2:27:31, 5. Schießl (TSV Buchenberg) 2:28:46, 6. Jocher (ITA) 2:28:59, 7. Landenberger (SC Delphin Ingolstadt) 2:30:21, 8. Ladiges (DEN/ LG HNF Hamburg) 2:30.34, 9. Basso (ITA) 2:33:30, 10. Grädler (TSV Rosenheim) 2:33:41, 11. Forster (MRRC München) 2:33:58, 12. Sonneck (LG Kreis Dachau) 2:36:%& 13. Kunath (T-Mobile-Team) 2:37:31, 14. Winkler (ITA) 2:37:39, 15. Schirmer (ART Düsseldorf) 2:37:44, 16. Reeh (SC Gröbenzell) 2:38:04 (1. M 45) ... Baumann (RCG Weißenburg) 2:48:53 (1. M 55).

Frauen: 1. Fersch (CIS Amberg) 2:46:18, 2. Matheis (TSG Eisenberg) 2:50:31, 3. Koch (LG Rupertiwinkel) 2:56:57, 4. Weber (TSV Mindelheim) 2:57:47 (1. W 40), 5. Wischnath (AST Süßen) 2:58:20, 6. Heinzel (SG Waldetzenberg) 3:02:45, 7. OLeary (IRL/ FC Perlach) 3:03:57, 8. Firsching (München) 3:06:06, 9. Hartig (SC Bad Homburg) 3:06:23, 10. Schmidt (TSV Enzweihingen) 3:06:21.


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