42. BMW BERLIN-MARATHON am 27. September 2015

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Über 10.000 Marathonläufer trotzten orkanartigen Windböen

Überraschender Sieg für Maria Abel – Favoritin Luminita Zaituc nach Muskelkrämpfen Zweite - Vierfacher Kenia-Erfolg bei den Männern – Frankfurter Publikum wetterfest

30.10.2002

Die Rekordbeteiligung von 14.266 Teilnehmern sollte beim Eurocity Marathon Messe Frankfurt der einzige Rekord bleiben, weil die orkanartigen Böen und zeitweiser Regen weitere angestrebte Rekordversuche zunichte machten. Dennoch zeigte sich Frankfurts Bürgermeister Achim Vandreike im Pressegespräch im Journalistenkreis zufrieden: „Trotz schwerster Witterungsbedingungen war die Veranstaltung ein großer Erfolg für die Stadt Frankfurt. Es ist uns gelungen, mit dem Marathon, dem Ironman und der Deutschen Triathlon Meisterschaft Frankfurt als Zentrum des Ausdauer-Sportes zu etablieren“. Mit 10.247 Läufern, 2036 Skatern, 1938 Mini-Marathonläufern und 45 Handbikern und Rollstuhlfahrern gab es durchweg positive Zahlen, die vor allem den neuen Titelsponsor Messe Frankfurt GmbH überzeugt haben, der auch für die kommenden beiden Jahren der Namensgeber des mit 21 Jahren ältesten deutschen Stadtmarathons sein wird.

Sportlich machte hauptsächlich der starke Wind den Läuferinnen und Läufern an der Spitze des Marathonfeldes erheblich zu schaffen. Auf pfützennasser Straße tat sich an der Spitze trotz erheblicher Anstrengungen der verpflichteten Tempomacher Piotr Gladki, Dmitri Kapitonov, Richard Mutai und Wilfred Kigen bis zur Hälfte (1:06:28) so gut wie nichts, alleine ein bestens aufgelegter Luketz Swartbooi, der mit intervallartigen Antritten im Verbund mit Wilfred Kigen sorgte für Abwechslung im eher langweiligen Rennverlauf und brachte sich mit diesen Eskapaden selbst um die Chance auf eine Spitzenplatzierung. In Höchst, dem „Geburtsort“ des ältesten deutschen Stadtmarathons 1981, kam Farbe ins Rennen. Hamburg-Marathon-Sieger Christopher Kandie fiel ebenso ab wie der nicht minder hoch gehandelte John Rono, im Frühjahr Dritter des 25 km-Laufes in Berlin.

Eine vierköpfige kenianische Läuferfront mit dem Überraschungssieger Eliud Kerling, dem 2000er Sieger Henry Cherono, James Moiben und Barnabas Rutto setzte sich nach 35 km entscheidend ab – und die bis dahin munter mithaltenden Daisuke Isomatsu und Laban Chege hatten im Alleingang letztlich Mühe, das Tempo zu halten. Dem Kenia-Quartett war zu diesem Zeitpunkt noch nicht nach Ausscheidungsrennen zu Mute, auch wenn mit James Moiben, der beim 29. real,- BERLIN-MARATHON vier Wochen zuvor wegen muskulärer Probleme nach 33 km aus dem Rennen gegangen war, noch ein Läufer darunter war, der nicht dem Rennstall des Italienischen Managers Dr. Gabriele Rosa angehörte. „Wir sind alle Brüder“ bekannte Henry Cherono später ob der Tatsache, die Rennentscheidung erst auf den beiden Schlusskilometer nach der Alten Oper zu suchen und nicht wie angenommen, den Nicht-Stallkollegen vorzeitig abschütteln zu wollen. Möglicherweise ein Grund, dass der Kursrekord von Cherono zumindest ein weiteres Jahr Bestand nunmehr haben wird. Den stärksten Schlusspurt legte Eliud Kerling auf den Frankfurter Asphalt und kam zu seinem „schwersten Sieg“, wie er später bekannte. Obwohl er auch schon in der Höhe Mexikos erfolgreich war. Knapp geschlagen Cherono, der bei seinem dritten Start in Folge schon eine gewisse Popularität dankbar verspürte. Hinter den vier kenianischen Läufern folgte überraschend der Pole Marek Dryja vor dem ersten Japaner Daisuke Isomatsu und dem zeitweise an der Spitze inmitten der afrikanischen Phalanx munter mitmischenden Wiener Michael Buchleitner. Der frühere Weltmeisterschafts-Zweite Luketz Swartbooi wurde nach einem Einbruch auf dem Schlussdrittel Neunter.

Unbestritten, jeder der vier zuvorderst einlaufenden Kenianer hat gewiss das Vermögen für eine Endzeit von unter 2:10 Stunden, doch einmal mehr machten die ungünstigen Witterungsbedingungen allen Hoffnungen einen Strich durch die Rechnung. „Es hätte nichts gebracht, die Tempomacher zu einer schnelleren Gangart zu nötigen“, wischte der für die Athletenverpflichtung verantwortliche Wilfried Raatz mögliche Einwände vom Tisch, „die Bereitschaft zu einem höheren Tempo war einfach nicht vorhanden. Vermutlich wäre dann das Ende noch fataler ausgefallen!“

Zaituc: „Auch ein zweiter Platz ist bei solchen Bedingungen ein Erfolg!“

Qualitativ besser sind die Spitzenzeiten der Frauen einzuordnen. Zwar überquerte die EM-Zweite und Vorjahressiegerin Luminita Zaituc nicht wie erwartet als Erste die Ziellinie, weil die Braunschweigerin nach der 30 km-Marke in Höchst eher mit Muskelkrämpfen beschäftigt war, sondern die in letzter Minute in die Startlisten aufgenommene Maria Abel. Die 28jährige Spanierin verpasste mit ihrer Siegerzeit von 2:26:58 Minuten die Landesrekordzeit trotz der harten Witterungsbedingungen um lediglich sieben Sekunden. „Das ist die zweitbeste Leistung in Spanien überhaupt“, freute sich die im Nordwesten Spaniens lebende Maria Abel. „Ich hoffe, dass dieser Sieg heute ausreicht, um für die Weltmeisterschaften 2003 in Paris nominiert zu werden!“

Für Luminita Zaituc wurde das Jahr 2002 hingegen ein Jahr der zweiten Plätze. Nach einer krankheitsbedingten Niederlage im April gegen Sonja Oberem in Hamburg und ihrem gewiss größten internationalen Erfolg mit Rang zwei bei den Europameisterschaften in München gab es nun erneut Rang zwei. „Auch ein zweiter Platz ist unter solchen Bedingungen ein Erfolg“, wehrte die Vorjahressiegerin Spekulationen über ein enttäuschendes Ergebnis ab. „Ich habe im Schlussteil mehrfach überlegt auszusteigen. Man muss auch solche Erfahrungen machen, deshalb bin ich froh, durchgelaufen zu sein!“ Der gebürtigen Rumänin, die seit neun Jahren in Hamm im Westfälischen lebt und bereits ein Dutzend deutsche Meisterschaften auf Strecken zwischen 1500 m und 10 000 m sowie im Cross und im 10 km-Straßenlauf eingesammelt hat, schien zudem eine schwere Last von den schmalen Schultern genommen, denn gegen Ende der Pressekonferenz mit den Siegern plauderte sie angeregt über ihre Empfindungen während der kritischen Rennphase. „Das war ein Spiel zwischen einem Engelchen und einem Teufelchen, wo sich jeder mit Macht durchsetzen möchte. Letztlich bin ich sehr froh, dass das Engelchen gewonnen hat!“

Es ist gewiss müßig, darüber zu diskutieren, welche Zeiten für Maria Abel und Luminita Zaituc bei besseren Bedingungen möglich gewesen wären. „Zwei bis drei Minuten“, rechnete Zaituc-Betreuer Hans-Günter Stieglitz hoch. Wer die Siegerin mit einem klasse Finale in bester Manier allerdings auf der Ziellinie sah, der weiss, dass hier eine absolute Weltklasseathletin ihre Visitenkarte abgegeben hat. Den Namen Maria Abel wird man sich auf jeden Fall merken müssen. Ähnlich wie im Vorjahr den des Siegers Pavel Loskutov, der ein dreiviertel Jahr später in München EM-Zweiter werden sollte.

Spannendes Inliner-Finale im Sekundentakt
Im Weltcup-Klasse I - Wettbewerb der Inliner gab es angesichts der mit Pfützen übersäten Straßen Frankfurts natürlich keine Spitzenzeiten, aber dafür einen spannenden Zieleinlauf mit dem Sieg des Franzosen Baptiste Grandgirard vor dem Liechtensteiner André Wille und zwei weiteren zeitgleichen Konkurrenten. Bester deutscher Skater war der auf Platz 5 gewertete Christoph Zschätzsch aus Groß-Gerau mit einer Sekunde Rückstand auf den Sieger. Dagegen gab es bei den Frauen einen deutschen Doppelsieg durch das Speed Team Rollerblade mit Evelyn Kälbe und ihrer zeitgleichen Teamkollegin Nina Spilger.

Top Handbiker an der Weltbestzeit vorbeigefahren
Der nasse Asphalt und gewiss in weitaus stärkerem Maße der starke Wind zerstörten die Hoffnungen der weltbesten Handbiker Johann Mayrhofer und Franz Niedlispach auf eine neue Weltbestzeit. Der Österreicher Mayrhofer gewann letztlich in einer knappen Zielentscheidung mit 1:12:56 Stunden vor dem mehrfachen Paralympicssieger Niedlispach aus der Schweiz.

Rock und Samba begeistern regenfeste Frankfurter
Über 100 000 Zuschauer säumten die Straßen Frankfurts und zeigten sich nicht nur als fachkundiges Sport-Publikum, sondern auch als Musik-Liebhaber, denn vielerorts animierten Samba-Rhythmen zu einem lockeren Mitswingen, andere ließen sich hingegen wie an der Alten Oper von den Rodgau Monotones in eine Revival-Stimmung versetzen. „Das war die schnellste Veranstaltung, die wir bislang zu organisieren hatten“, gestand Günther Hempel, der Geschäftsführer der Tourismus + Congress GmbH, die für die Organisation der nahezu fünfzig Stimmungsnester erstmals verantwortlich zeichneten.


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