41. BMW BERLIN-MARATHON am 28. September 2014

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Epidemiologische Daten von Teilnehmern des real,- BERLIN-MARATHON

Erste Ergebnisse aus allgemeinmedizinisch-internistischer Sicht

18.02.2003

Sportmedizinischer Service (SMS), die Humboldt-Universität zu Berlin, Abt. Sportmedizin, Berliner Akademie für Sportmedizin (BAS) in Kooperation mit dem real,- BERLIN-MARATHON und SCC-RUNNING.


Dr. med. Lars Brechtel
Abt. Sportmedizin
Humboldt-Universität zu Berlin

Die Beteiligung an sportlichen Massenveranstaltungen ist ein zunehmendes Phänomen. So stiegen beispielsweise die Teilnehmerzahlen am BERLIN-MARATHON in der letzten Dekade exponential auf nunmehr über 41.000 Läufer, Walker und Skater an. Diese wachsende „Laufbewegung“ verbindet die körperliche Aktivität oftmals ungeprüft mit einem gesundheitlichen Benefit. Die jährlich weit über 100.000 Teilnehmer an Berliner Laufveranstaltungen stellen eine logistische Herausforderung an die medizinische Versorgung sowie an die prophylaktische Aufklärung bezüglich gesundheitlicher Risiken und deren Vermeidung dar. Erforderlich hierfür ist ein fundiertes epidemiologisches Wissen über den Gesundheitsstatus von Marathonläufern in Deutschland als auch eine Registrierung der Beschwerden während des Laufes. Deshalb wurden im Jahr 2001 in einem Pre-Test 1.540 Teilnehmer des 28. real,- BERLIN-MARATHON für einen Gesundheitsfragebogen rekrutiert. Hiervon waren 79,2 % Männer und 20.8 % Frauen im mittleren Alter von 40,2 +-10,2 Jahre.

Sportliche Daten: Die Befragten trainierten im Mittel 3,9 +-1,4 / Woche mit einem Trainingsumfang von 5,8 +-4,4 h/ Woche entsprechend 54,4 +-42,2 km/ Woche. 71,1% der Läufer absolvierten 28,1 +-29,3 % des Trainingsumfanges im höheren Intensitätsbereich (Trainingsherzfrequenz > 180 – Lebensalter). Nur 43,4 % der Sportler führten regenerative Trainingseinheiten durch. Ca. 2/3 der Befragten gaben regelmäßige Dehnungsübungen an, ca. je 1/3 Übungen zur Rumpfstabilisierung bzw. Krafttraining an. 42,6 % betreiben ein herzfrequenzgesteuertes Training, obwohl nur ca. 3 % der Läufer individuelle leistungsphysiologische Meßgrößen benennen können.

Überbelastung und Übertraining: 38,2 % der Befragten gaben an, in der Vergangenheit über wenige Tage bis hin zu mehreren Monaten an typischen Beschwerden eines „Übertrainings“ (-syndroms) gelitten zu haben. Ursächlich werden hohe Trainingsumfänge und / oder –intensitäten genannt, gefolgt von Regenerations-/ Schlafmangel, beruflichem und psychosozialem Streß sowie Ernährungsdefiziten. Objektiv ergaben sich jedoch keine Zusammenhänge zwischen der Trainingsgestaltung sowie der Schlafdauer.

Gesundheits-Survey: Die Sportler wiesen mit 2,6 +-9,4 Arbeitsunfähigkeitstagen eine leicht unterdurchschnittliche Arbeitsunfähigkeit auf. Regelmäßige Arztbesuche gaben 57 % der Befragten mit 3,8 Konsultationen / Jahr aufgrund von Routineuntersuchungen (72,2 %), wegen Beschwerden (31,2 %), Labor- (22,9 %) und leistungsdiagnostischer Untersuchungen (11,9 %) an. 2,2 % weisen aktuell eine kardiale Erkrankung auf, weitere 2 % gaben dies für die Vergangenheit an. Hierbei überwiegen nicht näher spezifizierte Rhythmusstörungen und Vitien der Klappen, jedoch wurden auch Myokarditiden, KHK, QT- und WPW-Syndrom sowie Aortenstenosen verzeichnet. Nur bei 61,5 % der Befragten wurde jemals ein Belastungs-EKG durchgeführt, wobei nur 24,4 % ein Belastungs-EKG aus den letzten 12 Monaten nachweisen konnten. 9 % der Läufer sind der Gruppe der Hypertoniker zuzuordnen, wobei nur 58,1 % überhaupt über die eigenen Blutdruckwerte informiert sind. Unter den Untersuchten wurden 5 Diabetiker, davon 2 Insulinpflichtige Patienten registriert. 5,5 % weisen eine chronische Atemwegserkrankung auf. Ein Belastungs-Asthma bestand jedoch nur in 2,0 % der Fälle. Bei je 1,2 % wurde eine Hyperurikämie sowie eine Erkrankung des rheumatischen Formenkreises verzeichnet. 1,8 % gaben ein Malignom mit unterschiedlich langem Abstand zum Therapieende an. Allergien wurden bei 40,9 % registriert, wobei sich nur 16,2 % in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt fühlten.

Aktueller Marathonlauf: Die Befragten legten die Marathonstrecke in 3:57 +- 0:38 h zurück, wobei 14,6 % erstmalig die Marathondistanz bewältigten. Nur 1,2 der beantworteten Fragebögen wiesen eine Aufgabe des Rennens auf (nach ca. 25 km). 13,3 % begaben sich in physiotherapeutische, 1,9 % in ärztliche Behandlung. Die Flüssigkeitszufuhr war bei 61 % defizitär. Ca. 5 % gaben an, ohne Flüssigkeitszufuhr gelaufen zu sein. Diejenigen Läufer, welche den Lauf aufgeben mussten, wiesen mit 1,3 +- 1,0 vs. 1,8 +- 1,1 Liter eine signifikant niedrigere Flüssigkeitszufuhr auf (p < 0,05). Sportler mit einer ausreichenden Flüssigkeitsaufnahme waren im Mittel 30 Minuten schneller. Von 54,5 % wurden während des Laufes 1.150 Beschwerden geäußert, welche im Mittel nach 26,7 +-16,6 km auftraten. Sportler mit Beschwerden wiesen eine um 5 Wochen kürzere Vorbereitungsphase auf, wobei die Unterschiede jedoch nicht signifikant waren. Ein Einfluß der Flüssigkeitsaufnahme auf die Beschwerdefrequenz bzw. der Zeitpunkt des Auftretens konnte nicht nachgewiesen werden. Dominierend waren muskuloskeletale Beschwerden, welche vorwiegend im Knie- und Oberschenkelbereich lokalisiert waren. 7 Läufer starteten mit einem akuten Infekt. 10 Sportler äußerten Symptome, welche den Verdacht auf eine kardiale Genese lenken.

Fazit: Die untersuchten Marathonläufer weisen ein nicht ausreichendes Problembewusstsein bezüglich ihrer gesundheitlichen Gefährdung auf. Beschwerden, welche eine kardiale Genese haben können, werden ignoriert. Somit ist ein niedrig-schwelliges Screening als auch eine Aufklärung im Ausdauersport zu fordern. Diese können mit leistungsphysiologischen Untersuchungen gekoppelt werden, um die häufigen und zum Teil chronifizierten Überforderungszustände zu vermeiden.


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