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Deutsche Crossmeisterschaften in Bad Dürrheim

Andre Green und Sabrina Mockenhaupt Crossmeister / Nur wenige Lichtblicke in einem mäßigen Leistungsbild - Lauffreudige Oldies - 900 Starter in Bad Dürrheim

09.03.2003

Einige Überraschungen gab es bei den deutschen Crossmeisterschaften in Bad Dürrheim, die letztlich über das erschreckende Leistungsbild in den Hauptwettbewerben etwas hinweghalfen. Nach 2001 kam Hindernisläufer Andre Green dank einer souveränen Schlussrunde zu seinem zweiten Langstreckentitel vor Überraschungsmann Guido Streit, während Sebastian Hallmann nach einem Einbruch nur Dritter wurde. Greens Hindernisrivale Damian Kallabis holte sich dank seines guten Spurtvermögens den Titel auf der Mittelstrecke. Abonnementsmeisterin Luminita Zaituc hatte nach sechs Einzeltiteln diesmal "dienstfrei" und durfte am Folgetag ihre eingeschlagene Straßenkarriere mit einem starken Auftritt beim Frankfurter City-Halbmarathon nachhaltig unterstreichen. Stattdessen überzeugte die 23jährige Sabrina Mockenhaupt, die als Vorjahreszweite diesmal nicht zu bezwingen war. Strahlemann Wolfram Müller darf nach zahlreichen Hallenrennen mit dem Gewinn der Juniorenmeisterschaft eine erste Bilanz einer vielversprechenden, zukunftsträchtigen Zusammenarbeit ziehen.

Auch wenn der DLV-Präsident Clemens Prokop von einer "konsequenten Weiterentwicklung der in Regensburg erworbenen Kenntnisse" sprach, so sehr sich auch der südostbadische Ausrichter TuS Oberbaldingen bemühte, es sollte an so mancher Nahtstelle ein Rückschritt des eingeschlagenen Weges werden. Einzig eine zuschauerfreundliche, zweifellos aber zu lang geratene große Schleife kündigte einen Lernprozess an. Zuschauer jedenfalls konnten an diesem im späteren Verlauf herrlichen Frühlingssamstag kaum ausgemacht werden, die Atmosphäre auf dem Wiesenstück zwischen einer Bundes- und Kreisstraße vor den Toren der Kurstadt Bad Dürrheim zudem eher beschaulich. Handwerkliche Probleme bei der Ausgestaltung der Strecke wie auch bei der Auswertung der merklich ausgedünnten Wettbewerbe wurden noch eher klaglos hingenommen, das hohe Meldegeld von zwölf und fünfzehn Euro brachte so manchen Vereinsvertreter letztlich doch auf die vielzitierte Palme.

Schließlich hatte der DLV gerade erst für 2003 die Teilnehmergebühren von neun und zwölf Euro erhöht. "Das kommt einer Abzocke gleich!" schimpfte ein Vereinstrainer erbost.

Leistungsmäßig blieben die Hauptwettbewerbe der Männer und Frauen weit hinter den Erwartungen zurück, denn die Leistungsträger wie Dieter Baumann, Luminita Zaituc oder Irina Mikitenko fehlten aus unterschiedlichen Gründen, so dass die "Hochkaräter", wie die Favoriten in einer informativen Cross-Sonderzeitung der "Neckarquelle" betitelt wurden, letztlich zu mehr oder weniger überzeugenden Siegen kamen. Langstrecken-Bundestrainer Wolfgang Heinig blieb nach einem sicherlich spannenden, aber auf bescheidenem Niveau sich bewegenden Langstreckenrennen nur noch eine ernüchternde Erkenntnis: "Enttäuschend!"

Eigentlich sollte bei einem Aufeinandertreffen unserer derzeit besten Läufer (hinter Dieter Baumann) wie Sebastian Hallmann, Alexander Lubina, Mario Kröckert, Thomas Greger, Jirka Arndt, Jens Borrmann, Oliver Mintzlaff und Andre Green einiges zu erwarten sein, doch es wurde eine zähe Angelegenheit, bei der alleine letztlich der konsequente Siegeswillen von Andre Green und der Mut von Guido Streit belohnt wurden. Ratlosigkeit weit und breit, die vorgeschalteten Trainingslager in der Höhenlage Kenias oder den klimatisch günstigen Gefilden Portugals schienen ihre Wirkung vollends verfehlt haben. "Da muss einiges quer gelaufen sein" mutmaßt der Bundestrainer, der unter diesen Voraussetzungen keine Chance sieht, ein Männerteam für die European 10 000 m-Challenge Mitte April in Athen zu nominieren. "Bei Andre Green stellt sich sicherlich die berechtigte Frage, ob er ein Tempo in Richtung WM-Norm überhaupt gehen kann. Er hat auf jeden Fall hier in Bad Dürrheim ein außergewöhnlich starkes Rennen gezeigt". Eine Teilnahme bei der Cross-WM Ende März in der Schweiz hätte ohnehin nicht zur Diskussion gestanden.

Mit Seitenhieb auf Hindernis-Konkurrent Damian Kallabis, der der Mittelstrecke den Vorzug gegeben hatte, kostete Andre Green mit Recht seinen Titel freudig aus. "Für mich ist die Langstrecke eine Imagestrecke, weil er ganz einfach eine höhere Wertigkeit besitzt!" Der 30jährige Betriebswirtschaftler, setzt zunächst weiter auf die Karte Leistungssport - und möchte wie Kallabis zur WM nach Paris. In Bad Dürrheim jedenfalls zeigte der seit vielen Jahren von Bernd Smrcka trainierte Hamburger ein starkes Rennen, vor allem dann, als die Konkurrenten ihr Pulver verschossen hatten, zog er unwiderstehlich das Tempo hoch. "Drei Runden habe ich gespielt, dann hatte ich allerdings ausgespielt" kommentierte ein merklich resignierter Sebastian Hallmann seinen Auftritt. Während Alexander Lubina schon früh wegen Achillessehnenbeschwerden aus dem Rennen ging ("Das war vom ersten Meter an nichts!") finishte Mario Kröckert als Fünfzehnter ("So schlecht bin ich noch nie gelaufen") und sicherte dem TSV Bayer Leverkusen wenigstens noch den Mannschaftstitel.

Als "Mocki" erst machte, war es um die Neu-Braunschweigerin Susanne Ritter, ihre letztlich einzige Konkurrentin im Kampf um die Meisterschaft geschehen. Eine Woche nach dem überraschenden dritten Rang bei der Militär-Cross-WM zeigte sich die Siegerländerin erneut in blendender Lauflaune - und sehnt sich nun auf ein sich direkt anschließendes Trainingslager im südafrikanischen Dullstoom. "Es war kein Spaziergang, denn ich musste Susanne erst einmal niederkämpfen!" zollte das lebensfrohe Energiebündel ihrer Konkurrentin Lob. Mit klarem Rückstand dann eine sichtlich zufriedene Marathonfrau Ulrike Maisch ("nach zwei Wochen Skilager und Achillessehnenbeschwerden bin ich doch sehr verunsichert ins Rennen gegangen"), die nach zwei vierten (Hallen-)platzierungen diesmal Bronze gewinnen konnte.

Wolfram Müller auf Baumanns Spuren in Bad Dürrheim
Ein neues Gesicht: Ricardo Filipe Giehl - Erfolgreiches Bayer-Team

Vor Jahresfrist sorgte Dieter Baumann mit seinem furiosen Tempolauf auf dem Regensburger Unigelände für Begeisterung. Eine ähnliche Glanz-Vorstellung gelang heuer dem Neu-Tübinger Wolfram Müller, der seit Dezember unter den Fittichen von Isabelle Baumann arbeitet. Leider nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Duplizität einer Konzeption ("So ein Potential, da kann man doch etwas draus machen!") oder lediglich ein "normaler Lauf" eines Ausnahmetalentes? "Klar, 5,8 km Crosslauf ist schon eine harte Sache. Ohne die Leistung der anderen schmälern zu wollen: Es war aber eher ein guter Tempodauerlauf! Das mache ich doch lieber, als in Tübingen durch die Wälder zu laufen!" Das werden die Sommer, Preuck, Friedrich und Co. allerdings neidlos zugestehen müssen, denn der frühere Junioren-Cross-Europameister läuft in einer anderen Liga. Zumal er noch den Speed von Athen in den Beinen hat, mit dem er zwei Tage zuvor eine 3:39,84 Minutenzeit lief.

Wohl fühlt er sich unbestritten in Tübingen, in Baumanns Trainingsgruppe. Auch wenn der "Chef" wegen einer Muskelentzündung derzeit nur Fahrradeinheiten absolvieren kann ("Diese Konsequenz bewundere ich bei Dieter", gesteht Isabelle Baumann ein), profitiert Wolfram Müller von der neuen Trainingskooperation im Schwäbischen. Aber ein Wechsel auf längere Laufdistanzen schließt der Ausnahmeläufer derzeit aus. "Die WM-Normen über 800 m und 1500 m sind so hoch, dass ich mich vollends darauf konzentrieren werde. Wer mich aber kennt, der weiß, dass ich mit einer 5000 m-Leistung von etwa 13:30 nicht zufrieden sein könnte. Da müsste schon etwas anderes kommen...".

Hier ein zufriedener Wolfram Müller, längst wieder auf dem Sprung zum Trainingslager nach Tirrenia und wiederum Kenia. Dort ein dunkelhäutiger 17jähriger namens Ricardo Filipe Giehl, der mit seinem roten Bayer-Dress feuerwehrartig den Schlusskilometer zum Ziel durchspurtete und - Jugendmeister wurde. Giehl - nie gehört? Den Namen wird man sich allerdings merken müssen. Der in Angola geborene, in Spanien bei deutschen Adoptiveltern seit 15 Jahren ansässige Ricardo, ist ein lässiger Typ, der dem Leistungssport zuliebe zu Paul-Heinz Wellmann nach Leverkusen im September letzten Jahres gewechselt ist. "Gegen die kannst du eigentlich nicht gewinnen", legte Ricardo Giehl seine Gedanken während des Rennens später offen. "In der letzten Runde aber war mir klar, du machst das!" Der lange Zeit wie der sichere Sieger wirkende Hindernisspezialist Norbert Löwa oder 3000 m-Hallenmeister Steffen Uliczka hatten gegen den wie entfesselt durchstartenden Neu-Leverkusener klar das Nachsehen. Lieblingsstrecke? "Das könnten die 1500 m werden!" Womit der Kreis zu Wolfram Müller geschlossen wäre. Bei den Mädchen "stürzte" die favorisierte Regina Schnurrenberger bis auf Rang sechs ab, während 1500 m-Hallenmeisterin Saskia Janssen einen weiteren Titel für die erfreulich stark crosspräsente Wellmann-Truppe aus Leverkusen holte. Bei der B-Jugend setzte sich in souveräner Manier Stephanie Thieke durch, während Johannes Raabe gegen Zelalem Martel im Spurt erfolgreich war.

Wilfried Raatz


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