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Kenias erster Olympiasieger ist tot

Naftali Temu, Kenias erster Olympiasieger, wurde nur 58 Jahre alt.

12.03.2003

Er starb nach einem langen Nierenleiden. Schon früh hatte sich der Angehörige des Kisii-Volkes von der Leichtathletik zurück gezogen. Die größte Leidenschaft seines Lebens war gar nicht das Laufen, wo er in Mexico-City 1968 über 10 000 m die erste olympische Goldmedaille für sein ostafrikanisches Land holte, sondern das in seiner Heimat populäre Tauziehen. Als Trainer des Militär-Teams von Nakuru betreute der Armeeangehörige mehrere Male den kenianischen Meister. Unvergessen sind seine fröhlichen Umzüge auf den breiten Schultern seiner vierschrötigen Modellathleten. Das war eine andere Welt als die Leichtathletik, und er passte sich ihr schnell an. Der spindeldürre junge Bursche verwandelte sich in einen kugelrunden selbstzufriedenen Mann.

Temu, Kipchoge Keino über 1500 m und Amos Biwott über 3000 m Hindernis schienen ihre Olympiasiege im 2240 m hoch gelegenen Mexico City einem Zufall zu verdanken. Als "Höhenmenschen" tituliert und gewiss auch unterschätzt, kam ihnen die dünne Luft der olympischen Stätte zweifellos entgegen. Aber wenig später stellte sich schon heraus, dass sie nur knapp fünf Jahre nach ihrer Unabhängigkeit von der britischen Kolonialmacht nicht zufällig die Weltspitze des Laufs erobert hatten. Als die Urväter begründeten sie eine Erfolgsgeschichte, wie der internationale Sport sie bis dahin nicht kannte. Heute besetzen ihre Nachfolger aus einem Talente-Teich von nur rund drei Millionen Menschen auf den Strecken zwischen 800 m und Marathon rund die Hälfte der Weltranglisten der besten Zwanzig. Die Leistungsexplosion ist dermaßen gewaltig, dass Temus Siegerzeit von 1968, 29:27,4 Minuten, ihm nicht einmal mehr einen Platz im Finale der zwanzig Besten bei den kenianischen Titelkämpfen einbringen würde.


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