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Leichtathletik-Hallen-WM in Birmingham aktuell

Berhane Adere über 3000 Meter nicht zu schlagen

16.03.2003

Vor zwei Jahren war es, als Olga Jegorowa als Siegläuferin auftauchte. Die Russin gewann damals völlig überraschend das 3000-m-Finale bei den Hallen-Weltmeisterschaften von Lissabon und verwies die Seriensiegerin Gabriela Szabo (Rumänien) auf Rang zwei. Dieses Mal in Birmingham war keine der beiden am Start. Während Olga Jegorowa längst keine Gefahr mehr bedeutet hätte, hatte Gabriela Szabo schon längerfristig auf diese Titelkämpfe verzichtet. Freie Fahrt also für Berhane Adere. Und die Äthiopierin wurde ihrer Favoritenrolle eindrucksvoll gerecht. In 8:40,25 Minuten lief sie als Siegerin vor der Spanierin Marta Domínguez (8:42,17 Minuten) ins Ziel.

"Ich bin sehr froh über diesen Sieg. Das Rennen lief so wie ich mir das vorgestellt hatte. Ich bin genau nach Plan gelaufen und wusste, dass ich mit meinem starken Finish wohl gewinnen würde", erklärte die 29-jährige Berhane Adere. Zurückhaltend hatte die Äthiopierin, die vor gut einem Jahr als unerfahrene Hallenläuferin in Stuttgart über 3000 m den Weltrekord gebrochen hatte, das Rennen begonnen. Nach dem Start sortierte sie sich im hinteren Drittel des Feldes ein. Allmählich ging sie dann außen an der Konkurrenz vorbei und hielt sich hinter der lange führenden Britin Hayley Tullett. 750 Meter vor dem Ziel trat Berhane Adere an und war nicht mehr von Platz eins zu verdrängen. Tullett fiel sofort zurück, nur Domínguez konnte zunächst reagieren. Doch als Adere, die zur Detmolder Trainingsgruppe von Volker Wagner gehört, auf den letzten 300 Metern nochmals das Tempo anzog, war Domínguez endgültig geschlagen. Die Spanierin hätte am Ende um ein Haar noch Platz zwei an die stark aufkommende Äthiopierin Meseret Defar verloren. “Ich hatte heute nicht erwartet, dass ich gewinnen könnte. Berhane Adere ist einfach besser als ich. Deswegen bin ich zufrieden mit meinem Rennen“, sagte Marta Domínguez. Selbst überrascht vom Medaillengewinn war die 19-jährige Meseret Defar. “Ich freue mich für Meseret – sie ist noch jung und wird noch einiges lernen“, sagte Berhane Adere.

Hochspannung garantiert das heutige 800-m-Finale der Frauen. Die Olympiasiegerin Maria Mutola (Mosambique) gewann ihr Halbfinale knapp vor der Hallen-Weltrekordlerin Jolanda Ceplak. Beide sind ebenso für den Endlauf qualifiziert wie Stefanie Graf. Die Österreicherin, die nach längerer Verletzungspause in dieser Hallensaison zurückkam, rannte die schnellste Semifinalzeit von 2:01,93 Minuten im anderen Halbfinale. Doch Stephanie Graf sah dabei am Ende nicht so locker aus wie noch vor einem Jahr bei einer solchen Zeit. Mit Joanne Fenn haben auch die Briten eine flotte 800-m-Läuferin im Endlauf.

In den 1500-m-Vorläufen der Frauen lief Regina Jacobs (USA) die schnellste Zeit mit 4:09,07 Minuten. Die 1500-m-Weltrekordlerin gilt als Favoritin im heutigen Finale.

Driss Maazouzi überrascht die Kenianer über 1500 Meter

Damit hatte Bernard Lagat sicher nicht gerechnet: Der Franzose Driss Maazouzi wehrte sich erfolgreich gegen die Angriffe des Favoriten und wurde überraschend Hallen-Weltmeister über 1500 m. Der 33-Jährige siegte in 3:42,59 Minuten mit lediglich drei Hundertstelsekunden Vorsprung vor Bernard Lagat.

“Ich habe mich während meiner Saison eigentlich gar nicht richtig auf diese Hallen-Weltmeisterschaften vorbereitet“, sagte Driss Maazouzi und erklärte: “Erst vor drei Wochen habe ich mich entschieden, überhaupt in Birmingham zu laufen. Ich sagte mir, ich gebe mein bestes, was immer dabei herauskommen würde.“ Herausgekommen ist der bisher größte Erfolg in der Laufbahn des gebürtigen Marokkaners. Bis 1997 lief Driss Maazouzi noch für Marokka, dann entschied er sich, künftig für Frankreich zu starten. Startberechtigt ist er für die Franzosen allerdings erst seit 1999. Vor zwei Jahren war er bei der WM in Edmonton im 1500-m-Finale hinter Hicham El Guerrouj (Marokko) und Noah Ngeny (Kenia) schon einmal Dritter. Doch erst jetzt gewann er seinen ersten großen internationalen Titel.

Mit einem taktischen Rennen und einem starken Schlussspurt hatte Driss Maazouzi in Birmingham Erfolg gegen Konkurrenten, die im Laufe der Saison schon wesentlich schnellere Zeiten erzielt hatten. Der am Ende siebtplatzierte Russe Andrej Zadorozhnij hatte anfangs das Feld bei moderatem Tempo angeführt, dicht hinter ihm lief Driss Maazouzi. In der zweiten Hälfte des Rennens kamen die beiden Kenianer, Bernard Lagat und der erst 19-jährige Cornelius Chirchir, nach vorne. Zwei Runden vor Schluss führte Chirchir, dem man eine große Zukunft prognostiziert, das Feld an. Doch es war Driss Maazouzi, der dann antrat und als erster in die letzte Runde ging. Der Franzose hatte Biss und ließ Bernard Lagat nicht mehr vorbei. Der Kenianer seinerseits wurde auch noch vom drittplatzierten Abdelkader Hachlaf (Marokko) angegriffen, verteidigte aber wenigstens Silber ins Ziel.

Ein Duell eines Kenianers gegen einen ehemaligen Landsmann kündigt sich über 800 Meter an. Souverän gewann Wilson Kipketer, der Weltrekordler, der seit einigen Jahren für Dänemark und nicht mehr für Kenia startet, seinen Halbfinallauf in 1:47,84 Minuten. Im anderen Semifinale setzte sich Wilfred Bungei ebenfalls als Sieger durch. Bungei, der Vize-Weltmeister von Edmonton 2001, blieb in diesem Jahr ebenso wie Kipketer bereits unter 1:45,00 Minuten – eine Spitzenzeit in der Halle.


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