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Der Marathon-Frühling

London- und Rotterdam am Sonntag, Boston und Hamburg folgen an den nächsten Wochenenden

11.04.2003

Deutlich über 100.000 Läufer werden in diesem Monat alleine bei den großen Klassikern von London, Boston, Rotterdam, Paris und Hamburg über die 42,195km an den Start gehen. In Paris waren es am vergangenen Wochenende bereits rund 30.000, in London werden es am Sonntag noch einige mehr sein. In der britischen Metropole hatten sich sogar 80.000 Läufer um eine Startnummer beworben, 10.000 mehr als im Jahr zuvor. 41.500 Nummern wurden vergeben. Da erfahrungsgemäß rund 20 Prozent nicht antreten werden, ist schließlich mit 33.000 Läufern zu rechnen. Diese Zahlen der großen internationalen Frühjahrs-Klassiker beweisen einmal mehr, welchen enormen Stellenwert der Laufsport inzwischen weltweit erlangt hat.

Der April ist traditionell der Marathon-Monat des Jahres. Eine Reihe weiterer großer Rennen über die klassischen 42,195 km finden in dieser Zeit statt, beispielsweise in Madrid oder Turin. In Deutschland stehen neben dem Hamburg-Marathon unter anderen auch noch der Hannover- und der Ruhr-Marathon am 4. beziehungsweise 11. Mai auf dem Programm.

"Der Laufsport ist gesund - das gilt sowohl aus medizinischer Sicht für die Läufer als auch aus wirtschaftlicher Sicht für die Veranstalter. Di Teilnehmerzahlen nehmen weltweit zu", sagt Hiroaki Chosa, der Präsident der Association of International Marathons and Road Races (AIMS). Und was die spitzensportlichen Perspektiven angeht, erklärt der Japaner: "Man kann sich inzwischen vorstellen, dass eines Tages ein Läufer den Marathon unter zwei Stunden rennen wird. Bei den Frauen wird es nicht mehr lange dauern, dann gibt es die erste Zeit unter 2:15 Stunden."

Immer hochkarätiger werden die großen Marathonklassiker im Frühjahr und Herbst nämlich nicht nur in breiten- sondern auch in spitzensportlicher Hinsicht. Enorm sind die Entwicklungen der schnellsten Zeiten und ihre Dichte seit einigen Jahren. Es ist noch keine fünf Jahre her, da stand die Weltbestzeit der Männer immer noch bei jenen 2:06:50 Stunden, die Belayneh Dinsamo (Äthiopien) 1988 in Rotterdam gelaufen war. Inzwischen wurde der Rekord dreimal verbessert und fast 20 Mal liefen Athleten schneller als Dinsamo damals in Rotterdam. Khalid Khannouchi (USA) hält die Bestzeit mit seinen 2:05:38 Stunden, die er vor einem Jahr in London erreichte.

Noch deutlicher ist die Entwicklung bei den Frauen. Zunächst brach Tegla Loroupe 1998 die 13 Jahre alte Weltbestzeit von Ingrid Kristiansen (Norwegen/2:21:06) und schraubte sie auf 2.20:47, dann sorgte Naoko Takahashi für den großen Schritt. Die Japanerin lief in Berlin 2001 als erste unter2:20 Stunden (2:19:46). Inzwischen gibt es schon fünf Zeiten von drei Läuferinnen unter dieser Marke. Die Britin Paula Radcliffe hält die Bestzeit mit 2:17:18 Stunden. Ihr wird auch zugetraut, unter 2:15 Stunden zu laufen.

Und vor ihrem Start am Sonntag in London ist die 29-Jährige in Topform. Auf dem Weg zu ihrem dritten Marathon hat sie in San Juan (Puerto Rico) die 10-km-Weltbestzeit auf 30:21 Minuten verbessert. Die Londoner Marathonstreckeist allerdings keine leichte. Allerdings rücken die Engländer von ihrer Politik der letzten Jahre ab, als die Frauen unter sich ihr eigenes Rennen liefen. Dieses Mal sollen männliche Tempomacher zugelassen werden. Das könnte Paula Radcliffe helfen, will sie doch ihre Chicagoer Weltbestzeit in London unterbieten. Wenige Tage vor dem Start sagte sie allerdings: "Das Hauptziel ist der Sieg, es wird sicherlich ein großes Rennen. Und ich fühle mich noch besser in Form als vor einem Jahr."

Obwohl Vorjahressieger Khalid Khannouchi verletzungsbedingt auf seinen Start in London verzichten muss, bleibt das Rennen in der britischen Metropole der gro=DFe Höhepunkt im Frühjahr. Paul Tergat ist nun in einem superstarken Feld vielleicht leicht favorisiert. Der Kenianer ist zwar neben Khannouchi der einzige Läufer, der schon unter 2:06 Stunden rannte (2:05:48), doch er wartet fast zwei Jahre nach seinem Debüt immer noch auf seinen ersten Marathonsieg.

Manches Mal hat der Rotterdam-Marathon allerdings schon die von der Papierform her besser besetzten Rennen in London oder Boston übertrumpft.

Auf der flachen Strecke organisiert das Team von Manager Jos Hermens stets hochklassige Rennen. Nicht nur Dinsamo lief hier Weltbestzeit sondern auch Loroupe 1998. Ein deutscher Aspekt spielt beim Boston-Marathon eine Rolle, wo der Detmolder Manager Volker Wagner den Vorjahressieger Rodgers Rop (Kenia) ins Rennen schickt. Rop und die ebenfalls zur Wagner-Gruppe gehorende Joyce Chepchumba gewannen im vergangenen Jahr den New-York-Marathon. Nun starten beide in Boston.

Dass auch beim Olympus-Hamburg-Marathon flotte Zeiten gelaufen werden können,beweisen die Streckenrekorde. 2:07:46 lief Julio Rey dort vor zwei Jahren.

Der Spanier soll wieder am Start sein, während sich das Interesse bei den Frauen auf die EM-Zweite von München, Luminita Zaituc (Braunschweig), richten wird. Der größte deutsche Frühjahrs-Marathon hat gut 20.000 Läufer plus 2000 Inline-Skater zugelassen. "Eigentlich liegt das Läufer-Limit bei uns bei 18.000 Startern. Da wir aber wissen, dass immer ein gewisser Prozentsatz bis zum Veranstaltungstag herausfällt, erhöhen wir die Zahl der Anmeldungen von vornherein entsprechend", erklärt Organisationschef Wolfram Götz, der noch ein anderes Problem lösen musste: "Zwischen Kilometer 39 und 41 mussten wir eine alternative Streckenf=FChrung überlegen, da es in diesem Bereich an der US-Vertretung vorbei geht.".

HIER LAUFEN DIE STARS:

London-Marathon (13. April)
Vorauss. Starterzahl: 33.000
Siegprämie: 55.000 Dollar
Weltrekordprämie: 180.000 Dollar
Streckenrekordler: Khalid Khannouchi (USA/2:05:38/WR/2002), Paula Radcliffe=20 (Gro=DFbritannien/2:18:56/2002)
Favoriten: Paul Tergat (Kenia/2:05:48), Daniel Njenga (USA/2:06:16), Antonio Pinto (Portugal/2:06:36), Abdelkhader El Mouaziz (Marokko/2:06:46), Raymond Kipkoech (Kenia/2:06:47), Ian Syster (S=FCdafrika/2:07:06), Bong-ju Lee (Südkorea/2:07:20), Stefano Baldini (Italien/2:07:29), Javier Cortes (Spaniel/2:07:48), Gezahegne Abera (Äthiopien/2:07:54), Joseph Ngolepus (Kenia/2:08:47).
Favoritinnen: Paula Radcliffe (Großbritannien/2:17:18/WR), Catherine Ndereba (Kenia/2:18:47), Ludmila Petrowa (Russland/2:22:33), Susan Chepkemei (Kenia/2:23:19), Constantina Dita (Rumänien/2:23:54), Derartu Tulu (Äthiopien/2:23:57), Adriana Fernandez (Mexiko/2:24:06), Elfenesh Alemu (Äthiopien/2:24:29), Deena Drossin (USA/2:26:53), Zola Budd (Südafrika/Debüt)

Rotterdam-Marathon (13. April)
Vorauss. Starterzahl: 10.000
Siegprämie: abh=E4ngig von Siegzeit
Weltrekordprämie: 250.000 Euro
Streckenrekordler: Belayneh Dinsamo (Äthiopien/2:06:50/1988) und Josephat Kiprono (Kenia/2:06:50/2001), Tegla Loroupe (Kenia/2:20:47/1998)
Favorit: Fabian Roncero (Spanien/2:07:23)

Boston-Marathon (21. April)
Vorauss. Starterzahl: 14.000
Siegprämie: 80.000 Dollar
Weltrekordprämie: 50.000 Dollar
Streckenrekordler: Cosmas NDeti (Kenia/2:07:15/1994), Margaret Okayo (Kenia/2:20:43)
Favorit: Rodgers Rop (Kenia/2:09:02) Favoritinnen: Margaret Okayo (Kenia/2:20:43), Joyce Chepchumba (Kenia/2:23:22), Marla Runyan(USA/2:27:10).

Hamburg-Marathon (27. April)
Vorauss. Starterzahl: 18.000
Siegprämie: 15.000 Euro
Weltrekordprämie: ----
Streckenrekordler: Julio Rey (Spanien/2:07:46/2001), Katrin Dörre-Heinig (Deutschland/2:24:35)
Favorit: Julio Rey (Spanien/2:07:46)
Favoritinnen: Luminita Zaituc (Deutschland/2:26:01), Sonja Oberem (Deutschland/2:26:13/Start nicht sicher wegen Verletzung)


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