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Fernanda Ribeiro gewinnt 10 000 m-Challenge in Athen

Im olympischen Trainingsstadion bleibt Irina Mikitenko nur das Nachsehen; Sghyr tritt Baumann-Nachfolge an

15.04.2003

Für den „sportlichen Teil“ des 18. EAA-Kongresses in Athen sorgten die Langstreckenläufer, soweit diese sich an der Wiege der Olympischen Spiele im Vorfeld der Weltmeisterschaften schon einmal messen wollten. Und in der Tat, die siebte Auflage der European 10 000 m-Challenge, dürfte weniger durch außergewöhnliche Leistungen als durch die Präsenz eines illustren Publikums in die Analen dieses durchaus populären Kräftemessens am Anfang einer jeden Sommersaison eingehen. Der per Akklamation wenige Stunden zuvor von den Delegierten wiedergewählte EAA-Präsident Hansjörg Wirz durfte dann auch als erste Amtshandlung die souverän autrumpfenden Fernanda Ribeiro und Ismail Sghyr zum „Titel“ gratulieren. Im großzügig angelegten Olympia-Trainingszentrum, das für die European 10 000 m-Challenge allerdings mit seinen Außenanlagen erst einmal notdürftig fertiggestellt wurde, unterstrichen die portugiesische Olympiasiegerin von Atlanta und der aus Marokko stammende Franzose mit 31:13,42 bzw. 27:45,14 ihre gute Frühjahrsform, verdeutlichten aber auch, dass die hier angetretenen europäischen Langstrecklenläufer nur bedingt Weltklasseformat besitzen. „Mit dem Franzosen, Fernanda und mir haben doch nur drei die WM-Normen unterbieten können“, rückt Irina Mikitenko den Stellenwert der European 10 000 m-Challenge angesichts der ausgedünnten Leistungsspitze ins rechte Licht. Bleibt zumindest aber die Erkenntnis, dass dieser 10 000 m-Wettbewerb für viele Leistungsträger der „zweiten Reihe“ eine wichtige Wettkampfgelegenheit ist, weil sie aber auch in den großen 10 000 m-Rennen angesichts der Dominanz der afrikanischen Läufer auf verlorenem Posten hoffnungslos hinterher laufen werden und kaum eine Chance haben, ihr Leistungspotentialo weiter zu entwickeln.

Für die Frankfurterin, die erst in der Hallensaison nach langer Verletzungsfolge wieder in das Wettkampfgeschehen eingreifen konnte, erwies sich die Challenge in Athen als eine erste Standortbestimmung im WM-Jahr. Zurückkehren wird die 31jährige in die heimischen Trainingsgefilden allerdings mit der Erkenntnis, dass ihr zweiter Platz in 31:37,15 Minuten nicht mehr als eine gelungene Rückkehr in die internationale Güteklasse sein kann. Ansprüche lassen sich damit freilich (noch) keine ableiten. „Schade, dass ich immer alleine laufen muss“, beklagte sich Irina Mikitenko, die praktisch vom ersten Meter an mit Abstand hinter der wie von Furien gehetzt losstürmenden Fernanda Ribeiro hinterher laufen mußte. Mit einer 68er Startrunde hatte die 34jährige Portugiesin im Schlepp der kenianischen Tempomacherin Rita Jeptoo und der ihre afrikanische Herkunft nicht verleugnenden Französin Margaret Maury für den nötigen Druck gesorgt. Eine Zweiergruppe mit Irina Mikitenko und Ana Dias hatte sich sofort gebildet, die schon nach 1000 m mit 3:04 Minuten drei Sekunden Rückstand aufwies. „Die Portugiesin hat keinen Meter Tempo gemacht und sich immer hinter mir aufgehalten“, beklagt Irina Mikitenko die Passivität der Portugiesin. An der Spitze schüttelte Ribeiro schon nach 3 600 m die Kenianierin und die wenig später aussteigende Französin ab und hatte bei der Streckenhälfte mit 15:28 Minuten schon elf Sekunden Vorsprung vor dem Duo Mikitenko/ Dias. Zwar konnte Irina vier Runden später ihre hartnäckige Verfolgerin abzuschütteln, doch mit zunehmender Dauer wurde aber auch der Rückstand zu der unbeirrt ihre Runden drehenden Fernanda Ribeiro größer. „Auf der weichen Bahn haben sich natürlich auf den letzten 3000 m die Kraftdefizite im Oberschenkel bemerkbar gemacht. Ich denke, mit einem Partner kann ich auch unter 31:30 laufen“ blickt sie dennoch hoffnungsvoll in die Zukunft. Ob diese allerdings auf der 10 000 m-Strecke liegen wird, das läßt sich allerdings derzeit offen. Schließlich ist eine Fernanda Ribeiro, die zwar mit ihrer Siegerzeit von 31:13, 42 weit über ihrem Landesrekord von 30:22,88 blieb, immer noch eher ein (europäische) Maß der Dinge.

Aufregung gab es vornehmlich nach dem Rennen, als bei den obligatorischen Dopingkontrollen plötzlich die Paßvorlage verlangt wurde. „Das ist mir bislang überhaupt noch nicht passiert, es hatte stets die Akkreditierung ausgereicht“ wunderte sich Irina Mikitenko über den Übereifer der griechischen Dopingärzte. Das lang anhaltende Hickhack löste erst die EAA-Delegierte Anna Riccardi mit einer eidesstattlichen Versicherung auf. Das Prozedere selbst gestaltete sich nicht minder langwierig, so dass Irina Mikitenko fast noch das abschließende Bankett verpaßt hätte.

Turbulent gestaltete sich auch der weitere Rennverlauf hinter Fernanda und Irina. Die Portugiesin Ana Dias erreichte mit 31:48 letztlich doch mit deutlichem Abstand als Dritte das Ziel. Die im Ergebnisprotokoll ausgewiesenen 31:38,48 würde gewiss auch die WM-Norm bedeuten, doch dies sollte in einer weiteren Einlaufüberprüfung korrigiert werden können. Die slowenische Cross-Europameisterin Helena Javornik steigerte sich im Abschlußtest vor dem Hamburg-Marathon um fast eine (!) Minute auf 31:56,90 und sicherte sich Rang vier. Eine Position, die nach 7000 m zunächst die zweite deutsche Starterin Sabrina Mockenhaupt besetzen konnte. Doch „Mocki“ hatte einmal mehr ihre Nerven nicht im Zaum und stand wenig später neben der Bahn. „Es ist wie verhext! Warum muss ich in jedem Jahr immer das erste 10 000 m-Rennen immer in den Sand setzen!“ In der Tat, die EM-Zehnte von München scheiterte nach Barracaldo und dem DM-Lauf in Dessau im dritten Jahr in Folge an ihrer Psyche. „Mir ging in dieser Phase zu viel durch den Kopf. Dabei hätte ich doch ‚nur‘ durchlaufen müssen. Aber ich wollte einfach mehr als die absolut realistischen 31:50!“ Die kleine Siegerländerin hatte sich mit glänzender Renneinteilung von Rang zwölf und einer 15:54 Minuten zur Streckenhälfte bis auf Rang vier vor Helena Javornik vorgearbeitet, die Zwischenzeiten dabei frappierend gleichmäßig gestaltet. „Ich verstehe einfach nicht, warum mußte ich dann auch noch an der Javornik vorbeilaufen. Ich hätte einfach dahinter bleiben müssen und am Schluß etwas riskieren sollen.....“ So sehr sich auch Bundestrainer Wolfgang Heinig auch bemühte, die zumeist fröhlich wirkende Sabrina Mockenhaupt war kaum zu beruhigen. „Ein Trost ist natürlich, dass ich mit der in München gelaufenen 32:08,52 schon die B-Norm habe. Nun muss ich eben die DM in einer guten Zeit gewinnen!“ gab sie sich zu später Stunde aber schon wieder aufgestellt für weitere Glanztaten. Bei den Männern zeigte sich nur Ismail Sghyr aus „WM-tauglich“, denn bereits die mit deutlichem Abstand folgenden Eduardo Henriques, Juan de la Ossa, Hose Ramos, und Marco Mazza lagen mit Endzeiten über 28:00 Minuten schon deutlich über dem geforderten Limit für Paris. Allerdings hatte das Rennen keineswegs jene Qualität, mit der im Vorjahr im italienischen Camaiore Dieter Baumann in einem dramatischen Finale Jose Rios und den späteren Europameister Jose Martinez sowie Marco Mazza bezwungen hatte. Deutsche Läufer fehlten heuer am Start.

Wilfried Raatz

Ergebnisse:
Athen (12.4.): European 10 000 m-Challenge: Männer: 1. Ismail Sghyr (Fra) 27:45,14, 2. Eduardo Henriques (Por) 28:05,09, 3. Juan de la Ossa (Esp) 28:07,19, 4. Hose Ramos (Por) 28:15,03, 5. Marco Mazza (Ita) 28:15,66, 6. Helder Omelas (Por) 28:23,73, 7. Enrique Molina (Esp) 28:26,11, 8. Erik Sjoovist (Swe) 28:32,45, 9. Vasilyev (Rus) 28:38,57, 10. Martin (Esp) 28:42,90, 11. Jensen (Den) 28:52,74, 12. Abramov (Rus) 28:54,44, 13. Petrovic (Cro) 28:55,12, 14. Kanellopoulos (Gre) 28:55,62, 15. Gualdi 29:01,30, 16. Bartoletti-Stella (beide Ita) 29:09,31, 17. El Amhadi (Fra) 29:15,60, 18. Viciosa (Esp) 29:25,14, 19. Nemeth (Bel) 29:30,12, 20. Tromans (Gbr) 29:31,44, 21. Maccagnan (Ita) 29:32,64, 22. Wannas (Fin) 29:42,31, 23. Smith (Gbr) 29:42,45, 24. Johansson (Swe) 29:48,49, 25. Bodor (Hun) 29:56,89, 26. Kotila (Fin) 30:08,03, 27. Semenov (Rus) 30:14,41, 28. Matinlauri (Fin) 30:24,42, 29. Margeisson (Isl) 30:37,78, 30. Zarkadas (Gre) 30:43,43; außer Wertung: Zaragas 29:07,03, Gelasakis 29:!$;!); Papoulias 29:18,85 (alle Gre), Birchall (Gbr) 30.32,58 - Mannschaften: 1. Portugal 1:24:43,85, 2. Spanien 1:25:16,20, 3. Italien 1:26:26,27, 4. Rußland 1:27:07,42, 5. Finnland 1:30:14,76. Frauen: 1. Fernanda Ribeiro (Por) 31:13,42, 2. Irina Mikitenko (Ger/ LG Eintracht Frankfurt) 31:37,15, 3. Ana Dias (Por) 31:38,48, 4. Helena Javornik (Slo) 31:56,90, 5. Rocio Rios 32:03,99, 6. Maria Abel (beide Esp) 32:20,12, 7. Elizabeth Yelling (Gbr) 32:22,21, 8. Amaia Piedra (Esp) 32:23,08, 9. Marconi (Ita) 32:28,65, 10. Santiago (Esp) 32:33,34, 11. H. Yelling (Gbr) 32:37,12, 12. Morianu (Fra) 32:40,70, 13. Vibjerg (Den) 32:42,73, 14. Balsamo (Ita) 32:49,06, 16. Dale (Gbr) 32:52,60, 17. Weisssteiner (Ita) 32:56,43, 18. Protopappa (Gre) 33:13,78, 19. Landoey (Nor) 33:14,75, 20. Rosa (Por) 33:26,23, 21. Damen (Gbr) 33:28,61, 22. Notz-Umberg (Sui) 33:46,69, 23. Tisi (Ita) 33:47,8, 24. Cabral (Por) 33:50,9 – Mannschaften: 1. Portugal 1:36:18,14, 2.Spanien 1:36:47,20, 3. Groß-Britannien 1:37:11,94, 5. Italien 1:37:34,15.


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