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Düsseldorf: Hitze machte auch den Kenianern zu schaffen

Gideon Koech gewann die Premiere des Rhein-Marathon in Düsseldorf mit 2:20:48 Stunden – Joyce Kandie Frauensiegerin

04.05.2003

Drei Kilometer fehlten letztlich Jackson Kipchumba, um die Premiere des Rhein-Marathon Düsseldorf in die Reihe der Stadtmarathonläufe einzureihen, bei denen ein sogenannter Hase als Sieger über die Ziellinie lief. Doch der als Favorit gehandelte Gideon Koech bog mit letzter Anstrengung bei Temperaturen um 25° Grad die Reihenfolge an der Spitze noch um und gewann letztlich mit 2:20:48 Minuten und einem letztlich sicheren Vorsprung vor seinem total erschöpften Landsmann, der auf diese Weise zu seinem ersten Marathonlauf kam. Für Koech war der Sieg letztlich standesgemäß, zumal er seit 1999 eine 2:13er Marathonzeit in seinem Steckbrief zu stehen hat. Als Entschuldigung für die nur mäßigen Endzeiten nannte übrigens auch Gideon Koech verschmitzt lachend die hohen Temperaturen: “Es war etwas zu sonnig heute!“

Dafür feierten rund 300 000 Zuschauer nahezu siebentausend Läufer, Skater, Handbiker und Einradfahrer und die Rückkehr des Marathons in die NRW-Landeshauptstadt nach mehr als vierzigjähriger Abstinenz und ließen die kläglich gescheiterte Olympiabewerbung Düsseldorfs vergessen.

Die geschickte Streckenführung mit Start an den Rheinterrassen an der Tonhalle und der Laufrichtung zunächst in den Norden und wieder zurück zum Rheinpark, über Mörsenbroich, Flingern, Bilk, über die Rheinkniebrücke bis nach Lörick und über die Oberkasseler Brücke in die rechtsrheinische Altstadt und dem attraktiven Zieleinlauf an den Rheingärten nutzten die Zuschauer zur kleinen Stadterkundung und sorgten für eine klasse Stimmung bei zugegeben Zuschauerwetter. “Es ist natürlich auch für die Stadt ein Gewöhnungspart“, scheute Karlheinz Engels, der zusammen mit Jan Winschermann die Organisationsleitung in der NRW-Landeshauptstadt hat, mit der Offenlegung von Schwächen. “Wir haben ursprünglich mit 5000 Teilnehmern kalkuliert, nun sind wir mit 8000 Teilnehmern regelrecht überrollt worden. Wir sind nicht vermessen, dass uns alles in die Wiege gelegt wurde, wir wollen uns für 2004 verbessern!“ So klagten die Läufer über manche fehlende Kilometerschilder oder ungünstiger Platzierung von Verpflegungsbereichen. Über eines gewiss nicht, nämlich ausreichend Wasser zur Kühlung des heiß gelaufenen Körpers. “Dazu haben wir das Wassernetz der Stadt angezapft, denn das Rheinwasser besitzt hier Trinkwasserqualität!“ wusste Karlheinz Engels zu berichten. Eines jedenfalls scheint für die Macher schon am Veranstaltungstag sicher zu sein, nämlich die Verschiebung der Startzeit von heuer 11.00 Uhr um zumindest eine Stunde.

Bei den Frauen kam zwar mit Joyce Kandie die erklärte Favoritin als Erste ins Ziel am Rheinufer, doch nach 1:20:02 für die erste Streckenhälfte reichte es im zweiten Streckenabschnitt lediglich zu 1:35:42, so dass die sichtlich ausgebrannt wirkte kleine Kenianerin mit ihrer Zielzeit von 2:55:44 Stunden gerade noch zwei Minuten Vorsprung vor Annette Neinhues-Jansen aufzuweisen hatte. Bis zur Streckenhälfte hatte übrigens der deutsche Crossmeister Andre Green für ein gleichmäßiges Tempo gesorgt, konnte aber den Leistungsabsturz der Favoritin keinesfalls verhindern. “Nach fünf Halbmarathonläufen innerhalb von zwei Monaten hatte ich keine Möglichkeit, den Marathon richtig vorzubereiten“ gestand Joyce Kandie. “Einen Marathonlauf werde ich nur noch einmal laufen, wenn ich eine gute Vorbereitung habe!“ Schnellster Deutscher unter den 4 797 Marathon-Finishern war nach dem vorzeitigen Ausstieg von Salvatore di Dio der 42jährige Mastersläufer Rüdiger Heiligtag, der im Trikot des SFD 75 Düsseldorf das Heimspiel zu einer feinen 2:32:15 Endzeit nutzte.

“Düsseldorf hat alles übertroffen, was ich mir im Vorfeld ausgemalt habe“, gestand der aus dem Vorort Itter stammende Heiligtag, der im März deutscher Halbmarathon-Vizemeister der Mastersklasse M 40 bei den Titelkämpfen im fränkischen Burghaslach geworden war. Der frühere Mittelstreckler und heutige Polizeipräsident Jürgen Roters wie auch Düsseldorfs OB Joachim Erwin trotzten der großen Hitze und kamen nach 4:33:25 bzw. 5:43:40 unter anerkennendem Beifall der vielen Zuschauer ins Ziel am attraktiv gestalteten Rheinufer, auf dem zugleich auch die Marathonmesse zum Testen und Kaufen einlud.

Ergebnisse:

Männer: 1. Koech 2:20:48, 2. J. Kipchumba (beide Ken) 2:21:27, 3. Janicki (Pol) 2:23:33, 4. Cheserek 2:23:41, 5. R. Rotich 2:27:17, 6. Ch. Omwoyo (alle Ken) 2:27:49, 7. Kaminski (Pol) 2:28:40, 8. J. Kiplagat Koech (Ken) 2:31:36, 9. Heiligtag (SFD 75 Düsseldorf) 2:32:15, 10. Sztejter (Pol) 2:34:48, 11. Trapp-Opitz (Post-SV Berlin) 2:37:07, 12. Busch (Wülfrath) 2:43:20, 13. Lukaszyk (Düsseldorf) 2:43:40, 14. Glahn (LG Mülheim) 2:46:08, 15. Wirz (FWF Düsseldorf) 2:46:07.

Frauen: 1. Kandie (Ken) 2:55:44, 2. Neinhues-Jansen (TSV Weeze) 2:57:38, 3. Kroonenberg (Ned) 3:00:56, 4. Peter (LG Kreis Ahrweiler) 3:01:38, 5. Spicker (CBE-Team Essen 99) 3:04:35, 6. Schulz (Ulm) 3:08:57, 7. Benöhr (TV Refrath) 3:12:10, 8. Deußen (Düsseldorf) 3:16:35, 9. Wett (CBE-Team Essen) 3:16:46, 10. Poppe ((Düsseldorf) 3:17:48, 11. Hellenbrand 3:22:04), 12. Lehmann (ART Düsseldorf) 3:23:23.

Wilfried Raatz


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