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Der Beitrag des Sports für eine lebenswerte Gesellschaft

Leitbilder sollten von der Idee des Fairplays geprägt sein

07.05.2003

In gesellschaftlich schwierigen Zeiten ist es dringender denn je sich einer Idee von seiner Gesellschaft zu vergewissern, in der man heute und in Zukunft leben möchte.

Das Leitbild, an dem sich unsere Gesellschaft orientieren sollte, müsste meines Erachtens von der Idee des Fairplay geprägt sein. Gesucht ist eine Gesellschaft, in der die Mitglieder dieser Gesellschaft fair mit einander umgehen. Die individuelle Leistung müsste in dieser Gesellschaft gefördert und geschätzt werden, das Leistungsprinzip sollte dabei das herausragende Selektionskriterium für das Erreichen von bedeutsamen Positionen in dieser Gesellschaft sein. Gesellschaftlich relevante Positionen müssten nur über erbrachte und intersubjektiv anerkannte Leistungen besetzt werden und die Dotierung der erbrachten Leistung hat sich am Prinzip der Gerechtigkeit zu messen. Die Kluft zwischen arm und reich sollte in dieser Gesellschaft möglichst klein gehalten sein. Solidarität muss deshalb eine anerkannte Tugend in einer derart lebenswerten Gesellschaft sein. Die Menschen, die in dieser Gesellschaft leben, begegnen sich in aller Offenheit.

Offenheit gegenüber Fremden, Offenheit gegenüber dem Andersartigen macht eine Gesellschaft erst richtig lebenswert. Frauen und Männer müssen sich nicht nur in Sonntagsreden, sondern im alltäglichen Leben gleichberechtigt gegenüber treten können, Behinderte werden in dieser Gesellschaft nicht diskriminiert und ausgegrenzt, das Zusammenleben von Nichtbehinderten und Behinderten wird als eine Selbstverständlichkeit aufgefasst, Krankheit wird nicht individualisiert, vielmehr wird akzeptiert, dass Krankheit Lebenssinn stiften kann, ja das Krankheit notwendig ist, will man das Lebenswerte für sich selbst erkennen. Bildung, Ausbildung und Weiterbildung müssten für jeden Mann und für jede Frau zugänglich sein. Die Bürger in dieser lebenswerten Gesellschaft wollen deshalb friedlich zusammenleben, sie sind friedliebend und friedensengagiert. Wissenschaft, Kultur, Kunst, Literatur und Musik erbringen auf ihre je verschiedene Weise unverzichtbare lebensbejahende Beiträge für die Bürgerinnen und Bürger in dieser Gesellschaft.

Dies alles sollte in dieser Gesellschaft möglichst auf der Grundlage einer intakten Ökonomie erfolgen, so dass alt und jung gleichermaßen zuversichtlich in die Zukunft blicken können.

Der Sport als wohl der bedeutsamste Inhalt der Alltagskultur in Massengesellschaften kann für diese Wunschvorstellung von einer lebenswerten Gesellschaft durchaus wichtige Beiträge erbringen. Durch den Sport können sich Menschen aktiv oder passiv im positiven Sinne unterhalten. Der Sport vermittelt Menschen Spaß und Freude (sozial-emotionale Funktion). Mittels Bewegung, Spiel und Sport können die Menschen leiblich gebildet und sozialisiert werden. Nicht nur im Schulwesen, sondern in den Vereinen und sonstigen Institutionen des Sports kann der Sport einen wichtigen Erziehungsbeitrag leisten (Sozialisations- bzw. Erziehungsfunktion). Der Sport kann dazu beitragen, dass die Menschen sich aktiv auf ein selbstverantwortliches gesundes Leben ausrichten. Das aktive Sporttreiben trägt zum Wohlbefinden bei und ist nicht zuletzt unter präventiven Gesichtspunkten unverzichtbar (biologische Funktion bzw. Gesundheitsfunktion). Der Sport kann aber auch bei der Lösung von sozialen Pro-blemen eine Hilfe sein. Probleme wie Kriminalität, Drogenkonsum oder Arbeitslosigkeit können mittels Sport gemindert, manche können sogar gelöst werden (sozialpolitische Funktion). Der Sport ist aber auch ein wichtiger Teil der Volkswirtschaft geworden. Er schafft Arbeitsplätze, ist eine wichtige Dienstleistung in einer Gesellschaft, die immer mehr zu einer Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft wird (ökonomische Funktion). Sportliche Leistungen ermöglichen Identifikation, sie rufen Begeisterung hervor, unterhalten Menschen in angenehmer Weise und nicht selten haben Athleten eine Stellvertreterfunktion, sie repräsentieren ihr Land im positiven Sinne (repräsentative Funktion bzw. Unterhaltungsfunktion). Schließlich kann im Sport auch dann, wenn immer häufiger im Sport selbst dagegen verstoßen wird, das Prinzip des Fairplay gelernt werden. Die Achtung der Fairplay-Maxime kann den Sport zu einer wichtigen symbolischen Instanz erheben, auf die unsere Gesellschaft dringend angewiesen wird (ethisch-moralische Funktion). Die Integrationskraft des Sports lässt sich nicht nur in den Gemeinden und Städten beobachten. Menschen, die am Rand unserer Gesellschaft leben, können über das Medium des Sports den Weg in die Mitte finden. Ausländer können beim gemeinsamen Sporttreiben zu Partnern werden. Aber auch die in modernen Gesellschaften geforderte Mobilität ihrer Bürger kann mit dem Gemeinschaftserlebnis des Sports in ihren negativen Auswirkungen gemindert werden (sozial-integrative Funktion).

Betrachten wir die Merkmale einer lebenswerten Gesellschaft und werfen einen Blick auf die Funktionen, die in der Vergangenheit und heute dem Sport zugeschrieben werden, so wird sehr schnell erkennbar, dass der Sport durchaus einen wichtigen Beitrag für eine lebenswerte Gesellschaft erbringen kann, wenn er jene Funktionen erfüllt, die er sich selbst zugeschrieben hat oder die andere an ihn heran tragen. Nicht jede dieser Funktionen muss sich dabei der empirischen Kontrolle durch die Wissenschaft stellen, insbesondere dann, wenn die Wissenschaft selbst den Nachweis der Funktion nicht erbringen kann. Doch der Sport selbst muss sich zumindest mit der Frage auseinander setzen, ob er diesen Ansprüchen genügt, ob seine Realität mit den positiven Vorstellungen in Einklang zu bringen ist, die das Kulturgut des Sports als etwas Besonderes ausweisen könnte. Nicht zuletzt die politischen Repräsentanten des Sports müssen sich fragen, ob sie der Verantwortung genügen, die aus diesen kulturellen Möglichkeiten des Sports erwächst. Das gelebte Vorbild scheint dabei auch heute der geeignetste Weg zu sein, um dieser Verantwortung zu entsprechen.

Artikel von Prof. Dr. Helmut Digel, er ist Direktor des Instituts für Sportwissenschaft der Eberhard-Karls-Universtiät Tübingen, Ehrenpräsident des DLV und Vizepräsident der IAAF


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