41. BMW BERLIN-MARATHON am 28. September 2014

Weitere Veranstaltungen

News

DM 10 000 m in Müchen: Galaauftritte für Baumann und Mockenhaupt

Offenbarungseid der deutschen Langstreckenzunft im Dante-Stadion – Bundestrainer Heinig: “Ernüchternd!“

18.05.2003

Paul McCartney auf dem Königsplatz, die meisterlichen Bayern-Kicker auf dem Marienplatz – und Dieter Baumann und die deutsche Langstreckenzunft neun Monate nach einem begeisternden EM-Festival diesmal im intimen Dante-Stadion. Da konnte es eigentlich nur einen Verlierer geben, und das war sicherlich die Leichtathletik. Vierhundert! Getreue verloren sich im Münchener Nieselregen in einem beschaulichen Stadion, dessen Glanz auch schon Jahrzehnte zurück liegt. Zudem in unmittelbarer Nachbarschaft zum weitläufigen Westfriedhof und der Grabsteine produzierenden Steinmetzzunft. Bizarre Kulisse für ein Schauspiel besonderer Art, denn sehenden Auges mussten so manche ergraute Trainerkapazität wie auch die früheren Weltklasseläufer Christoph Herle und Detlef Uhlemann miterleben, wie schlecht es um die deutsche Langstrecke bestellt ist. Fakt ist: Wäre Dieter Baumann mit flotter Fahrt nicht noch einmal zurück ins Wettkampfgeschehen auf das Bahnoval gekehrt und Sabrina Mockenhaupt nicht wie ein Wirbelwind fünfundzwanzig Mal um die Bahn gefegt, es wäre Tristesse pur angesagt gewesen. Der Sturm auf die Nachfolge des unweigerlich im “Herbst seiner Schaffenskraft“ (O-Ton Baumann) stehenden früheren Olympiasiegers fand ebenso wenig statt wie ein leistungsmäßiges Aufbegehren bei den Frauen. So bleibt unter dem Strich die Erkenntnis, dass wir mit Dieter Baumann, der noch mit der 5000 m-Strecke liebäugelnden, in München fehlenden Irina Mikitenko und mit Abstrichen Sabrina Mockenhaupt nicht einmal mehr eine Handvoll Läufer internationalen Zuschnitts haben, die sich derzeit noch mit der Bahn beschäftigen. Nach Lage der Dinge allerdings auch nicht mehr lange, denn Baumann hat den 10 000 m-Start in Paris nur als eine Zwischenstation für den spät abends im “Botanikum“ nun auch offiziell im Beisein von Race-Director Allan Steinfeld verkündeten Start beim berühmten New York-City-Marathon. Die junge Mockenhaupt sieht bereits jetzt ihre Zukunft auf der längsten olympischen Distanz wie auch eine inzwischen bereits 31jährige Mikitenko, die sich gedanklich für die Zeit nach Athen 2004 mit einem Wechsel auf die gewinnträchtige Straße beschäftigt.

Sichtlich geknickt Langstrecken-Bundestrainer Wolfgang Heinig nach dem Debakel von München. “Für die Männer wie auch für die Frauen lässt sich nur ein Wort finden: Ernüchternd! So ein Leistungsniveau habe ich wirklich nicht erwartet!“ Doch wo ansetzen, Herr Bundestrainer? Zumal partielle Lichtblicke wie ein Stefan Koch oder (bis zu seinem Ausstieg) André Pollmächer in einer Grauzone undiskutabler Leistungen abtauchen.

Baumann: “Jedes Rennen ist eine Herausforderung!“

Im Februar Niederlage beim Dortmunder Indoor-Meeting gegen Jan Fitschen, sechs Wochen Laufpause wegen einer Verletzung, lange Radeinheiten im Schwäbischen Ländle mit jungen Triathlonkollegen, erste Laufintensitäten im kenianischen Trainingscamp – und nun eine beeindruckende Rückkehr auf die bislang so erfolgsträchtige Stadionrunde. “Jedes Rennen ist eine Herausforderung“ nennt Baumann seine eigene Erwartungshaltung, “es ist doch eine Art Sport geworden, weil jeder darauf wartet, wann verliert er!“ Mit Leichtigkeit jedoch hat Dieter Baumann seine Herausforderung bestanden, mit dem Gewinn der 39. Deutschen Meisterschaft scheint nun alles bereitet für das “Heimspiel“ Anfang Juli in Ulm, wo er, gerade einmal 15 Kilometer von seiner Heimat Blaustein entfernt, den 40. Titel seiner glanzvollen Karriere (“Das wird ein emotionales Rennen“) einfahren möchte. “Es war ein guter Aufgalopp“ bewertet der Champion seinen Auftritt im Dante-Stadion, wohl wissend, dass er in dieser Form bei den Weltmeisterschaften über diese Distanz gegen die Weltelite keine Chance haben wird. “Ich bin auf einem guten Wege. Wir wollen nicht diskutieren, ob ich heute auch zehn Sekunden hätte schneller laufen können. Ich bin mit Selbstbewusstsein ins Rennen gegangen, nach zwei, drei Runden ist es bei mir auch rund gelaufen und ich habe keine Schmerzen gespürt. Das ist für mich das Wichtigste!“ Sein Blick ist natürlich auf Paris gerichtet, wenngleich er sich angesichts einer möglichen 27:30 Minuten-Zeit nur bedingt Hoffnungen auf eine Topplatzierung machen kann. “Es wird ein schnelles Rennen geben und ich werde bereit sein für ein schnelles Rennen!“ Aber alleine die Anwesenheit des NYCM-Chefs Allan Steinfeld verrät Baumanns Hauptorientierung: Über den New York-Marathon möchte er sich dem “Arbeitstitel Athen 2004“ nähern, wie er unumwunden zugibt. “Ich möchte meine Begeisterung beim Laufen aufrecht erhalten, um vielleicht Athen zu erreichen!“ Baumanns Schlusspunkt einer wahrhaft eindrucksvollen Karriere.

Zurück zum 10 000 m-Rennen im Dante-Stadion. Nach 4000 m hatte Dieter Baumann mit Mario Kröckert seinen einzigen Wegbegleiter verloren, der nach dem starken Auftritt in Koblenz in der Vorwoche diesmal merklich gehemmt wirkte. “Da ist vieles zusammen gekommen“, bekannte der Bayer-Läufer nach seinem vorzeitigen Ende nach 7000 m merklich geknickt. “Ich habe neue Einlagen getragen, die mehr und mehr zu einem Taubheitsgefühl im Vorderfuß geführt haben. Nach 5000 m habe ich eine Blase am Ballen gespürt....“. Der plötzlich auf Rang zwei laufende Junior André Pollmächer ging ohne sichtbaren Grund aus dem Rennen, so dass Jens Borrmann Vizemeisterschaft mit einem Ein-Minuten-Rückstand (!) noch zur Vizemeisterschaft in einem Meisterschaftsrennen, in dem gerade einmal sechs Läufer ins Ziel kamen. Bei den separat gestarteten Junioren kam der nach längerer Verletzungspause wieder genesene Terefe Desaleng ungefährdet zum Titel in 29:37,78 Minuten, beklagte aber die Entscheidung, ein separates Rennen für Junioren anzusetzen. “Ich wäre gerne mit den Männern gelaufen, das wäre längst nicht so langweilig geworden...“. Hinter André Sommer freute sich 10 km-Jugendmeister Stefan Koch über starke 30:32,82 Minuten, auch wenn er damit die U 20-EM-Norm um zwei Sekunden verpasst hatte.

“Mocki“ fordert Startplatz in Paris

“Nach den DLV-Richtlinien habe ich mich heute für die Weltmeisterschaften qualifiziert“, stellte Sabrina Mockenhaupt umringt von Journalisten mit sichtlicher Genugtuung fest. “Aber alleine gegen den Wind ist das schon schwer!“ Wenige Minuten zuvor hatte die quirlige Siegerländerin auf ihrem 25-Runden-Trip alle Konkurrentinnen einschließlich der Titelverteidigerin Melanie Schulz überrundet und mit 32:11,95 Minuten ein Vorzeigeresultat abgeliefert, das unter der “B-Norm“ von 32:17,00 liegt. “Irina Mikitenko ist zwar mit 31:37,15 in diesem Jahr schon schneller gelaufen, hätte aber nach den Nominierungskriterien in München antreten müssen. Das hat man mir beim DLV so gesagt!“ Das könnte freilich allerdings zum Problem werden, denn wenn der DLV über diese Strecke mehr als eine Athletin schicken möchte, dann müssen beide die “A-Norm“ von 31:45,00 erfüllen. “Wenn man heute im Alleingang nur drei Sekunden über Bestzeit läuft, kann man schon zufrieden sein“, bilanzierte Sabrina Mockenhaupt. “Die A-Norm von 31:45 ist auch machbar, dafür brauche ich aber anständige Konkurrenz. Das wäre natürlich auch schon die Olympianorm....“ Und zur Taktik? Da ließ sich “Mocki“ auf nichts ein und stiefelte vom Start weg an die Spitze. “Ich wollte zunächst einmal schauen, was Melanie Schulz macht. Ich dachte schon, sie sei stärker!“ Doch schon nach fünf Runden war die Titelverteidigerin aus Erfurt in Rückstand geraten, fiel immer weiter zurück und musste sich nach 8000 m sogar überrunden lassen und lag letztlich eineinhalb Minuten zurück. “Für die Psyche ist dies natürlich nicht gut, zumal ich weiß, dass ich in Kenia trainingsmäßig eigentlich nicht überzogen habe“, sucht die eigentliche Hindernis-Spezialistin Erklärungen für die deprimierenden Ergebnissen von Koblenz und nun auch München. “Ich habe heute gepumpt wie ein Maikäfer, das ist doch nicht normal!“ Hinter Sylvia Renz und Stephanie Maier holte sich Michaela Schedler nach dem Crosstitel auch den über 10 000 m und durfte sich zudem noch über 34:44,88 freuen.

Nach achtmal Silber und dreimal Bronze gab es erstmals Gold für Christina Mohr von der Gerolsteiner LGV im integrierten 5000 m-Rennen der weiblichen Jugend. Schon nach 2000 m setzte sich der Schützling von Heinz Reiferscheid aus einer zunächst kompakten Spitze ab und lief sein Rennen souverän in 17:06,67 durch. Die anfangs aufreizend locker mithaltende erithräische Asylbewerberin und frühere Cross-WM-Starterin Simret Asmeron-Zere brach mehr und mehr ein und wurde nur Vierte.

Wilfried Raatz


Weitere News

28.09.2014 Überraschungserfolge für zwei Berliner Newcomer im Handbike und Rennrollstuhl
28.09.2014 Dennis Kimetto läuft Weltrekord bleibt als erster Läufer unter 2:03 Stunden
27.09.2014 MY JOURNEY - Partystimmung am Wilden Eber
27.09.2014 Starke Resonanz beim BMW mini-MARATHON: 8600 Schüler am Start

Noch mehr News finden Sie in unserem Newsarchiv

Sponsoren des 41. BMW BERLIN-MARATHON Wobenzym plus BMW AOK Adidas Erdinger Alkoholfrei Timex Tata Consultancy Services Holiday Inn Germanwings Here Maps

Anzeige

Anzeige