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AVON-RUNNING: Lenah Cheruiyot vor Kathrin Weßel

doch am meisten freut sich die drittplatzierte Sonja Oberem

25.05.2003

Zum Jubiläum hat Deutschlands größter Frauenlauf neue Maßstäbe gesetzt: Beim 20. AVON-RUNNING Berliner Frauenlauf wurden erstmals über 10.000 Frauen und Mädchen registriert. Genau 10.528 Läuferinnen aus 44 Nationen nahmen an diesem Festival des Laufsports im Berliner Tiergarten teil. Darunter waren 5.135 über die 5-km-Distanz, 4.704 über 10 km sowie 689 Kinder, die 800 Meter rannten. Tausende Zuschauer säumten die Strecke im Tiergarten. Das Hauptrennen über 10 km gewann die Kenianerin Lenah Cheruiyot in 33:26 Minuten vor Kathrin Weßel (SCC Berlin/33:34) und Sonja Oberem (Bayer Leverkusen/33:39).

Nachdem Sonja Oberem das Tempo lange Zeit bestimmt hatte, war nur noch eine Läuferin übrig geblieben, die die Pace mitgehen konnte: Lenah Cheruiyot war nicht zu schlagen. “Bei Kilometer sieben wusste ich, dass ich gewinnen würde“, sagte die 29-jährige Kenianerin später. Bald darauf löste sie sich von Sonja Oberem, die dem hohen Tempo am Ende deutlich Tribut zollen musste und noch von der Vorjahressiegerin Kathrin Weßel überholt wurde. “Dieser Lauf hat mir sehr gefallen. Es ist toll, in so einem großen Rennen nur mit Frauen zu laufen. Und die Zuschauerunterstützung und Atmosphäre waren hervorragend“, sagte Lenah Cheruiyot. Knapp zwei Monate zuvor hatte die Kenianerin bereits beim Bewag BERLIN HALBMARATHON als Zweite überzeugt. Zunächst will Lenah Cheruiyot, die zur Detmolder Trainingsgruppe von Manager Volker Wagner gehört und unter anderen mit Tegla Loroupe und Joyce Chepchumba trainiert, bei den kürzeren Straßenläufen bleiben. Ihre 10-km-Bestzeit ist eindrucksvoll: In 31:21 Minuten gewann sie im Frühjahr 2002 in Paderborn.

Dass es beim AVON RUNNING im Tiergarten langsamer war, hing mit den hohen Temperaturen aber auch mit der neuen Strecke zusammen, die einige scharfe Kurven hat. “Die Strecke ist aufgrund der Kurven anspruchsvoller, weil man öfter abstoppen muss. Aber für die gesamte Veranstaltung ist sie besser als früher“, sagte Kathrin Weßel. Als die Deutsche Marathonmeisterin im vergangenen Jahr gewonnen hatte, hatte sie sich am Ende durch die überrundeten Läuferinnen hindurchschlängeln müssen. Derartige Schwierigkeiten gab es dieses Mal nicht. Für Kathrin Weßel war der AVON-RUNNING Berliner Frauenlauf ein gelungener Test für den Regensburg-Marathon am nächsten Sonntag. “Erst danach entscheide ich über den weiteren Verlauf der Saison.“

Am meisten freute sich am Sonnabend Abend die Drittplatzierte: Fast sieben Monate lang war Sonja Oberem kein einziges Rennen gelaufen. Nun meldete sie sich in Berlin zurück. 33:39 Minuten lief die 30-jährige Leverkusenerin. Dass Sonja Oberem überhaupt gestartet war, dazu bedurfte es erst einer Überredung durch Mark Milde, der für die Verpflichtung der Topathleten zuständig ist. “Er rief mich an und überzeugte mich. Und dadurch hatte ich auch wieder ein Ziel“, erzählte Sonja Oberem. Der größte deutsche Frauenlauf brachte der stärksten deutschen Marathon-Frau bei Temperaturen von 30 Grad die Lust am Laufen zurück. “Es war toll, hier mit 10.000 Frauen zu laufen. Jeder Veranstalter sollte sich das ansehen und als Vorbild nehmen, was hier läuft“, sagte Sonja Oberem.

Es ist noch nicht lange her, da hatte die Leverkusenerin “null Motivation“, und die Marathon-EM-Dritte von München 2002 dachte sogar an ein abruptes Karriereende. Am 3. November hatte sie zum zweiten Mal in Folge den Athen-Marathon gewonnen. “Doch danach ging nichts mehr, ich war völlig ausgebrannt.“ Hinzu kam, dass sie eine Ischiasentzündung mit sich herum geschleppt hatte. “Ich habe über Jahre hinweg immer auf das Gas gedrückt“, erzählt Sonja Oberem, die eine Marathon-WM-Bilanz hat, die in dieser Form international einmalig ist: Zwischen 1995 und 2001 belegte sie bei den im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfindenden Titelkämpfen die Plätze acht, sieben, sechs und fünf.

Doch während die meisten Weltklasseläuferinnen nicht mehr als zwei Marathonrennen im Jahr laufen, rannte Sonja Oberem 2001 drei und im vergangenen Jahr sogar vier: Sie gewann in Hamburg im April, wurde Dritte bei der EM im August, lief in Berlin im September trotz einer Interviewpause für das Fernsehen noch auf Platz elf und gewann schließlich in Athen.

Nach Athen lief nichts mehr. “Der Körper gab mir das Signal – es war Zeit für eine längere Pause.“ Monatelang fuhr Sonja Oberem nur Rad, erst vor sechs Wochen begann sie wieder mit dem Lauftraining. Unter diesen Umständen war das Comeback beim Avon-Frauenlauf ein Erfolg. “Ich habe mich vorher nicht unter Druck gesetzt. Aber wenn ich am Start stehe, dann laufe ich auch richtig“, sagt Sonja Oberem. So könnte Berlin ein Meilenstein in Richtung Paris gewesen sein. “Als Touristin fahre ich nicht zur WM. Ich werde dort nur starten, wenn ich ein bestimmtes Leistungsniveau habe und damit auch gewisse Chancen.“ Doch seit Sonnabend Abend erscheint ein WM-Start wieder möglich. Kathrin Weßel sagte: “Wenn Sonja erst einmal läuft, dann läuft sie.“

Ergebnisse, 10 km:
1. Lenah Cheruiyot Kenia 33:26
2. Kathrin Weßel SCC Berlin 33:34
3. Sonja Oberem Bayer Leverkusen 33:39
4. Carmen Siewert LG Vorpommern 34:50
5. Katrin Dörre-Heinig LAC Veltins Hochsauerland 36:12
6. Melanie Kraus Bayer Leverkusen 36:28

5 km:
1. Cathleen Thiele Polizei SV Berlin 19:31
2. Angelika Ehebracht Potsdamer SC 19:35
3. Bianka Buß Berlin 19:37


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