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Duisburg – Marathon 2003

Sambabands waren baden in der Wedau

11.06.2003

“Wanderer, kommst du nach Spa ..., schrieb Heinrich Böll in seiner berühmten Erzählung im Jahre 1950.

52 Jahre später, im Herbst 2002, stellte sich für die Läufer des Team Oberhavel eine ähnliche Frage: “Läufer, kommst du nach Duisburg .... Im nächsten Atemzug eine weitere Frage, warum wohl sollten wir von Stadt- und Landschaftsmarathons verwöhnten Ausdauersportlern eigentlich eine Reise an den Rand des Kohlenpotts wagen? In einer Industriestadt, 535.000 Einwohner, eingebettet zwischen Rhein und Ruhr am westlichen Rand des Ruhrgebietes, soll eine Veranstaltung stattfinden, die neben Attraktivität auch noch Stimmung verheißt? Vorweg: Duisburg ist grüner als sein Ruf, vorbei die Zeiten der schwarz rauchenden und stinkenden Schlote sowie der Zechen mit ihren Kohlenbergen. Dies alle gehört der Vergangenheit an, der Kohlenpott auf dem Weg zum Naherholungsgebiet.

Die Antwort auf unsere Fragen fanden wir in der Ausschreibung: Deutsche Meisterschaften sollten der 20. Auflage dieses Marathon – Urgesteins einen würdigen Rahmen geben. Außerdem wurde den Teilnehmern ein Samba Marathon versprochen, für Stimmung war demnach auch gesorgt. Ein zusätzliches Highlight sollte der Zieleinlauf in das Wedau Stadion sein.

Diese Gründe führten schließlich zur Entscheidung für Duisburg. Mit 35 Euro im Vorverkauf für eine solche Veranstaltung sehr preiswert – auch wenn hier einige Läufer widersprechen werden; doch rechnet man die Kosten für eine derartige Veranstaltung mal zusammen, sind selbst Startgelder bis 70 Euro akzeptabel, letztendlich wird auch niemand gezwungen dort anzutreten – rechnet man auch noch ein Funktions-Shirt hinzu, meldeten sich vier Teilenehmer des Team Oberhavel für die Deutschen Meisterschaften. Heimlich schielte man auf eine Platzierung unter den ersten Drei in der M45 der Mannschaften.

Jede Veranstaltung, die etwas auf sich hält, richtet neben dem Hauptevent noch weitere Rahmenwettbewerbe aus. In Duisburg ein Halbmarathon und – in diesem Jahr – die Inline-Europameisterschaft der Senioren im Marathon. Die Vorbereitungen auf diesen ersten Saisonhöhepunkt verliefen für alle Beteiligten überaus zufrieden stellend; lange Läufe und konsequentes Bahntraining schafften die Grundlage, dieses Ereignis gut zu bewältigen. Die Wettervorhersage für das bevorstehende Marathonwochenende dämpften jedoch sämtlichen Optimismus: Temperaturen von über 30°C ließen die Hoffnung auf gute Zeiten schwinden.

Der Start vor dem Stadion – obwohl um 8:45 Uhr früher als bei jeder anderen Veranstaltung – verlief bei etwa 23°C noch relativ optimistisch, doch bot die Strecke auf weiten Teilen keinen Schatten. Jedes Bäumchen und jede Hauswand wurde als Schattenspender von den Läufern gerne angenommen. Erschwerend kam hinzu, dass die Verpflegungspunkte bei km 5 und 12 bei weitem nicht ausreichten und viel zu weit auseinander lagen. Angesichts der Temperaturen hätte der Veranstalter hier sofort reagieren müssen. Im weiteren Verlauf besserte sich die Situation, muss schließlich sogar als vorbildlich bezeichnet werden. Rechnet man die Unterstützung der anwohnenden Bevölkerung mit Wannen und Schläuchen hinzu, war die Versorgung ideal. Die Zuschauer am Straßenrand waren nur spärlich auszumachen, Angaben des Veranstalters zufolge sollen es 100.000 gewesen sein, was ich jedoch stark anzweifeln möchte. Einzig beim Einlauf in das Stadion hatte man das Gefühl breiter Unterstützung.

Die Streckenführung entpuppte sich als zunehmend unattraktiv: durch Hafen, kleinere Stadtteile mit geringem Zuschauerzuspruch, zwei Ruhr- und zwei Rheinbrücken sowie viele Wohngebiete zog sich der Kurs bis zum Wedau Stadion. Einzig der Abschnitt entlang des Rheins ist recht sehenswert, hier erschließt sich ein schöner Blick auf die Industriemetropole.

Die kurze Strecke mitten durch eine Chemiefabrik wird wahrscheinlich jedem Läufer in Erinnerung bleiben, der schwere aromatische Geruch hinterließ nicht den Eindruck wohlriechender Düfte.

Durchsetzt von einigen kleinen Anstiegen im Bereich von Brücken und Unterführungen ist der Duisburger Kurs sehr flach und gut zu bewältigen. Nach allen Strapazen entschädigt der Einlauf in das Stadion, jeder Läufer wird namentlich an der Anzeigentafel willkommen geheißen. Der angekündigte Samba-Marathon konnte von keinem unserer Läufer entdeckt werden. Vielleicht sind viele Musiker angesichts 31°C im Wedau Sportpark schwimmen gewesen. Mit Ausnahme der Sinalco Samba Band bei km 41 und im Stadion war es entlang der Strecke ziemlich ruhig und trostlos. Um die Eingangsfrage wieder aufzunehmen: “Läufer, kommst du nach Duisburg ...“ muss ich klar resümieren: nicht noch einmal. Ich denke eher, Hamburg oder der Rennsteig – als Vertreter eines Stadt- bzw. Landschaftsmarathons zu dieser Jahreszeit – sind die besseren Alternativen, selbst bei schlechtem Wetter.

Trotz aller Kritik sollte man doch die liebevolle Organisation nicht unerwähnt lassen. Abgesehen vom Versorgungsengpass bis km 12 gab es kaum etwas zu beanstanden. Ein anderer Termin und ein schönerer Kurs würden vielleicht für mehr Resonanz sorgen. Ach übrigens: alle Läufer vom Team Oberhavel sind trotz tropischer Temperaturen gesund ins Ziel gekommen. Zu einem Platz auf dem Treppchen in der Mannschaftswertung hat es wegen des Infekts eines Teilnehmers leider nicht gereicht. Trotzdem waren alle zufrieden.

Karsten Rybka


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