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1990 war der Start zum Literatur-Marathon beim BERLIN-MARATHON

Erst eine fixe Idee – längst eine feste Größe. Ein „laufliterarischer“ Rückblick

21.06.2003

Was ursprünglich nur eine fixe Idee war, ist längst eine feste Größe im Rahmenprogramm zum BERLIN-MARATHON geworden: Immer am Vortrag zum Marathonlauf findet in den Messehallen eine Lesung statt mit solchen Autorinnen und Autoren, die literarische Werke über das Laufen verfasst haben. Die Initiative für diesen literarischen Marathon geht auf Race Director Horst Milde persönlich zurück, der seit den Anfängen des BERLIN-MARATHONS stets bestrebt war, den Teilnehmern und Besuchern am BERLIN-MARATHON ein kulturelles Rahmenprogramm u. a. mit sporthistorischen Ausstellungen, mit der Präsentation von Sportmotiven aus der bildenden Kunst … und eben seit 1990 mit dem Literatur-Marathon zu bieten.

Die Premiere am 23. September 1990 fand relativ unspektakulär statt: In einem riesigen Saal des “Großen Stern“ auf dem Messegelände am Funkturm trafen sich vier Literaten (Klaus Haetzel, Jürgen Roscher, Manfred Steffny, Dieter Strecker) und eine Literatin (Eva-Maria von Schablowsky, “Hilfe mein Mann läuft“) und lasen vor einer interessierten Zuhörerschaft eigene Texte vor. Es mögen so an die 30 Leute dabei gewesen sein. Die Resonanz - auch in den Medien - war von Anfang an positiv. Bald entstand ein Sammelband mit dem Titel “Das LaufLESEbuch“, in dem einige der Autoren Teile ihrer Werke vom literarischen Marathon publizierten. Übrigens: Das 1993 im Aachener Meyer & Meyer Verlag erschienene Buch ist mittlerweile vergriffen, einige Rest-Exemplare sind (noch exklusiv!) über den Souvenir-Shop des real,- BERLIN-MARATHON zum Preis von 5 € erhältlich.

Worum geht es bei dieser Art von Lesungen? Beim Literatur-Marathon präsentieren die Vortragenden etwas von dem Stoff, aus dem die Läufe sind: Beim Lesen und Zuhören kann jeder seine eigenen Lauf-Erfahrungen mit denen der anderen in Verbindung bringen. Laufliteratur soll - zumal vor einem großen Lauf-event - erheitern und einstimmen, sie kann manchmal aber auch ablenken oder schockieren. Auf jeden Fall bieten die Reportagen und Erzählungen, Gedichte und Satiren etc. etwas von dem, wonach wir uns schon immer beim Laufen gesehnt haben oder was niemals passieren darf. So gesehen soll der literarische Marathon in erste Linie unterhalten … zwischen Nudelparty und Marathonmesse.

Ein kurzer Streifzug durch die zurückliegenden 13 Jahre Literatur-Marathon: Nach der Premiere im Jahre 1990 fanden die Lesungen einige Male im oberen Umgang der Deutschlandhalle statt, wo sich seitdem die Marathonmesse befand. Einmal (im Jahre 1993) wurde der Literatur-Marathon sogar mitten in die Stadt verlegt - nämlich in die Geschäftsräume der (mittlerweile nicht mehr existierenden) Buchhandlung Kiepert am Ernst-Reuter-Platz. Ein Jahr danach stand die Lesung ganz im Zeichen des neuen von Manfred Steffny herausgegebenen Buches “Mein erster Marathon“, aus dem einige der Marathon-Novizen vorlasen und anschließend signierten. Ein Jahr später war Waldemar Cierpinski (“Meilenweit bis Marathon“), Deutschlands zweifacher Marathon-Olympiasieger (1976 bzw.1980) und damit erfolgreichster Marathonläufer, prominentester Gast und Vorleser. Ihm folgte (endlich!) Werner Sonntag, der Nestor der deutschsprachigen Laufliteratur, der mit seinem Klassiker “Einmal musst du nach Biel“ schon seit Jahrzehnten bekannt ist und heute u. a. als Kolumnist in Runner`s World regelmäßig schreibt.

Beim 25. BERLIN-MARATHON 1998 lasen alle eingeladenen Autoren Texte, die direkt mit dem BERLIN-MARATHON zu tun hatten. Mit dabei war auch der Münchener Günter Herburger (“Lauf und Wahn“, “Traum und Bahn“); einige werden sich außerdem noch an Dr. Reiner Pilz, den erfolgreichen Berliner Rollstuhlsportler und Ressortleiter (Rollstuhlsport) im Organisations-Komitee des real,- BERLIN-MARATHON und seine höchst witzige “Fußgänger-Story“ erinnern. Beim 10. Literatur-Marathon 1999 lasen gleich zehn Personen vor - darunter auch Hartwig Gauder, der Olympiasieger (1980), Weltmeister (1987) und Europameister (1986) im 50-km-Gehen, der sich nach seiner Herz-Transplantation um das Power-Walking in Deutschland und der Welt verdient macht. Er las aus seinem atemberaubenden Buch “Die zweite Chance. Oder: Mein Leben mit dem dritten Herzen" vor. Das Jahr 2000 stand ganz im Zeichen der eingeladenen Preisträger vom kurz zuvor erstmals vergebenen Edersee-Laufliteratur-Preises (nämlich Holger Finkernagel, Jörg Schwenker und Jürgen Roscher).

Apropos Jürgen Roscher: Er ist der einzige, der bei allen Lesungen stets dabei war. Der Berliner Dauer-Läufer und Dauer-Schreiberling (u. a. für das Fachmagazin “LAUFZEIT“) hatte schon in den 1980er Jahren mit seinem Roman “ÜberLeben“ eine Art Liebeserklärung für den BERLIN-MARATHON verfasst. Wie hieß es doch schon damals bei ihm und wird es in diesem Jahr dann auch wieder heißen können: “Das Läuferfeld schlängelt sich als bunter Tazelwurm über die Spree nach Moabit hinein, ein Ende ist nicht abzusehen, vom Anfang ganz zu schweigen, der liegt schon weit vor mir“. Inzwischen ist noch ein anderes Buch hinzugekommen, das sich mit dem BERLIN-MARATHON beschäftigt und eigene Lauf-Erfahrungen zu verarbeiten versucht: Der Realschullehrer Eberhard Pfleiderer aus Bremerhaven war 2001 zu Gast beim literarischen Marathon und las aus seinem gerade erschienenen “Einstieg Berlin-Marathon“.

Wer war dabei? Dies ist die “ewige“ (alphabetisch sortierte) Leseliste von Autorinnen und Autoren beim Literatur-Marathon in Berlin, der vermutlich noch seinesgleichen weltweit sucht: Fritz Blieffert (Berlin), Harald Breier (Heidelberg), Andreas Butz (Obermichelbach), Peter Cedernburg (Berlin), Waldemar Cierpinski (Halle), Christoph Derschau (Hamburg, inzwischen verstorben), Hartwig Gauder (Erfurt), Dr. Holger Finkernagel (Bad Berleburg), Klaus Haetzel (Berlin, jetzt auf Mallorca lebend), Kurt Hahn (Hamburg), Günter Herburger (München), Lorenz-P. Johannsen (Düren), Roland König (Husum), Julia Küsgens (Kreuzau), Ralf Küssner (Bad Arolsen), Dr. Detlef Kuhlmann (Berlin, früher Bielefeld), Klaus Rainer Martin (Reinfeld), Hans Dieter Mummendey (Bielefeld und Münster), Dr. Verena Liebers (Bochum), Dr. Reiner Pilz (Berlin), Eberhard Pfleiderer (Bremerhaven), Jürgen Roscher (Berlin), Eva-Maria von Schablowsky (Düsseldorf), Siegfried Schmidt (Berlin), Cornelia Schötz (Bamberg), Jörg Schwenker (Minden), Horst Somplatzki (Essen), Werner Sonntag (Ostfildern), Manfred Steffny (Düsseldorf), Prof. Dr. Dieter Strecker (Sindelfingen), Gesine Strempel (Berlin), Jupp Suttner (München), Klaus Weidt (Berlin).

Dies sind genau 33 Namen, die meisten von ihnen waren inzwischen mehrmals dabei - soviel steht fest: In diesem Jahr kommen weitere neue (prominente!) Autoren hinzu. Wer? Das wird noch nicht verraten …

Dr. Detlef Kuhlmann


13. Literatur Marathon 2002 - v.l.n.r. Werner Sonntag, Manfred Steffny, Kurt Hahn, Andreas Bürz, Detlef Kuhlmann, Jürgen Roscher, Siegfried Schmidt

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