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Premiere des Rostocker Marathon

2000 Läufer an der Warnow - Zahlreiche Ungereimtheiten in der Dämmerung – Berliner Klaus Bösang gewinnt in 2:47:26 Stunden - Einheimische setzen Akzente auf der Halbdistanz

04.08.2003

“Wir hoffen, dass sich diese Bewegung etabliert“, zeigte sich Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Dr. Marianne Linke hocherfreut über den großen Andrang zur “1. Rostocker Marathonnacht“. Als Schirmherrin sieht sich die Politikerin vorrangig in der Position, auch aus gesundheitspolitischer Sicht für den Freizeit- und Breitensport ein besonderes Zeichen zu setzen.

“Als Olympia-Bewerberstadt geht es bei der Rostocker Marathonnacht aber auch darum, die Stadt über das bisherige Engagement auch als Läuferstadt bundesweit bekannt zu machen. Für mich ist der Nachtmarathon das i-Tüpfelchen der Olympiabewerbung!“ Marathon-Chef Helmut Hochmuth wirds mit Freude und Genugtuung zur Kenntnis genommen haben, schließlich wussten die Rostocker nach der Halbmarathonpremiere mit 700 Teilnehmern beim ersten Marathonstart mit einem vielfältigen Wettkampfprogramm die Beteiligung gleich zu verdreifachen. Denn als bei Einbruch der Dämmerung Kassensturz gemacht werden konnte, durften die Organisatioren des “Baltic Night Fever Marathon e.V.“ mit 1982 Anmeldungen eine unverhofft große Resonanz bilanzieren, die im Vorfeld kaum einer erwarten konnte. Aber gerade das vielfältige (Zusatz-)Programm mit Halbmarathon für Läufer und Skater, Staffel-Marathon, Nautischer Meile, Kidslauf, Mastersrudern der vor Ort reichlich vorhandenen Prominenz an Welt-, Europameistern und Olympiasiegern ist der Knackpunkt einer Veranstaltung, die an der Peripherie der Hafenstadt an der Warnow um rasche Anerkennung ringt.

Die Transparenz der Wettbewerbe überfordert nicht nur so manchen der Zuschauer am Streckenrand, sondern auch die Streckenhelfer und sogar die Teilnehmer selbst. So wähnte sich Katja Friedländer aus dem unterfränkischen Niedernberg bei Aschaffenburg als spätere Frauensiegerin des Marathonlaufes unterwegs gar nur auf Position sieben, weil Staffelläuferinnen das Feld unübersichtlich machten und Organisationshelfer falsche Informationen zuriefen.

Sichtlich abgekämpft, aber dennoch zufrieden zeigte sich Helmut Hochmuth, der angesichts der Herkulesaufgaben bei Einbruch der Dunkelheit ein erstes Fazit zog: “Es ist ein Qualitätssprung gegenüber dem Vorjahr zu erkennen. Das überaus positive Echo ist zu hören, es ist aber deutlich zu sehen, was nicht klappt. Ehrenamtlich ist derartiges nicht mehr zu machen!“ Eine rasche Erkenntnis, der auch der einstige 5000 m-Olympiadritte Hansjörg Kunze ohne Wenn und Aber zustimmen dürfte. Denn der frühere 5000 m-Weltklassemann und heutige LAV-Vorsitzende musste in seinem Verein kurzfristig alle Kräfte mobilisieren, um mit helfendem Personal weitere Schwachstellen abzudecken. “Hier müssen sich alle einmal an einen Tisch setzen und gemeinsam die Weichen für eine Neuauflage stellen!“ Dennoch dürfte Hochmuth froh gewesen sein, als die Abenddämmerung das Finale der 1. Rostocker Marathonnacht ankündigte. In Rostock ist der Spagat zwischen Wünschenswertem und Machbaren an vielen Ecken zu spüren. Das nächtlich-maritime Flair am Warnowufer deckte den Mantel des Schweigens über so manch Handgestricktes. Mangelnde Absperrungen vielerorts, ein unzureichender Startbereich mit hohem Gefahrenpotential oder fehlende Ausschilderungen – sie lassen sich freilich mit der nötigen Bereitschaft zu einem Standard aufbessern, der andernorts gang und gäbe ist. Mit allerdings dem erforderlichen Kleingeld der Sponsoren, das bei allem guten Willen der Partner vor Ort (noch) fehlt.

Selbst bei eifrigem Studium des unhandlichen Streckenprospekts im Großformat ist für Außenstehende eine Orientierung mit einer Vielfalt von Wettbewerben kaum möglich. Da wäre weniger gewiss mehr. Die Streckenführung der Marathondistanz entlang des Internationalen Gartenbau-Ausstellungsgeländes, der Einbindung von elf Stadtteilen und dem krönenden Durchlauf des 790 m langen Warnowtunnels ist durchaus reizvoll für den landschaftsorientierten Läufer, der durchaus auch einmal einen reinen Stadtkurs meiden möchte. Nur wenige Zuschauer an der Strecke lassen gewiss auch das “Marathon-feeling“ weitgehend vermissen, das angesichts der vielfältigen Konkurrenz quer durch Deutschland längst an der Tagesordnung ist. Einig dürften sich jedoch nahezu alle der fast 2000 Starter mit der Sozialministerin Dr. Linke sein, die eine Veranstaltung wie diese im umfangreichen deutschen Laufkalender als unabdingbar ansieht.

Zum Sportlichen. Erfreulich, dass so manche Sportler der Region vor heimischer Kulisse die Akzente setzen konnten. Auf der Halbmarathondistanz wiederholte mit Matthias Weippert der Junior des Rostocker Erfolgstrainers Klaus-Peter Weippert seinen Vorjahreserfolg und war zudem noch mit 1:09:13 einen Tick schneller als im Vorjahr. Bei den Frauen zeigte sich die offensichtlich (noch) vereinslose Anke Hierundar mit 1:28:26 als Tagesbeste. Auf der Marathondistanz schnappte Klaus Bösang von Helios Berlin mit einem starken Schlussdrittel und 2:47:26 dem Rostocker Burkhard Wrenger den Sieg noch vor der Nase weg, während bei den Frauen die marathonerfahrene Katja Friedländer in 3:26:09 gewann, die seit elf Jahren im Unterfränkischen nahe Aschaffenburg wohnt, aber ursprünglich auch aus der Hafenstadt stammt.

Wilfried Raatz

Alle Ergebnisse unter: http://www.rostock-marathon.de


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