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WM-AKTUELL: Shaheen gewinnt das spektakulärste Hindernisrennen aller Zeiten

Dieses Rennen geht in die Leichtathletik-Geschichte ein

27.08.2003

Dieses Rennen geht in die Leichtathletik-Geschichte ein: Das 3000-m-Hindernisfinale bei den Weltmeisterschaften in Paris hätte spektakulärer nicht sein können. Wahrscheinlich war es das tollste Hindernisrennen in der Leichtathletikgeschichte. Nach einem unglaublichen Tempowechsellauf über die komplette Distanz, den man eigentlich nur glauben kann, wenn man ihn tatsächlich gesehen hat, wurde Saif Saaeed Shaheen (Katar) in 8:04,39 Minuten neuer Weltmeister über die Spezialstrecke der Kenianer. Noch vor wenigen Wochen hieß Saif Saaeed Shaheen allerdings Stephen Cherono und war Kenianer. Doch kurzfristig hat er die Staatsbürgerschaft getauscht und darf für Katar starten – es dürften entsprechende Gelder geflossen sein, ansonsten hätten die Kenianer wohl nicht mitgespielt.

Das Rennen ging schon damit los, dass Shaheens neuer Landsmann Khamis Abdullah Saifeldin sich als Tempomacher vor das Feld spannte und den Favoriten führte. In diesem sensationellen Rennen aber reichte die Kraft des Hasen nur ganze 600 Meter. Immerhin hatte er Shaheen zu rund 20 Metern Vorsprung gezogen. Shaheen lief auf Weltrekord, so schnell war er unterwegs. Die 1000 Meter passierte er nach 2:36,24 Minuten. Doch noch viel schneller war plötzlich Ezekiel Kemboi. Der Kenianer war Vierter und hatte rund 35 Meter Rückstand, als er antrat und fast im Stile eines 800-m-Läufers die Lücken schloss. Erst schoss er an seinem Landsmann Abraham Cherono vorbei, dem Bruder von Shaheen, der sich zuvor als einziger an die Verfolgung gemacht hatte, aber immer noch rund 15 Meter Rückstand hatte. Innerhalb von 200 Metern hatte Kemboi 15 Meter gut gemacht. Weitere 300 Meter später überspurtete er auch noch Shaheen an der Spitze. Wieder hatte er mindestens 15 Meter aufgeholt – und das, obwohl Shaheen mitbekommen hatte, dass Kemboi auf dem Weg war und das Tempo nochmals verschärft hatte. Das störte Kemboi nicht – er lief eben auch noch etwas schneller.

Die Aufholjagd hatte Kraft gekostet. Kaum hatte Kemboi Shaheen überholt, drosselte er das Tempo. Kemboi spekulierte vielleicht auf den Endspurt, während Shaheen daran interessiert war, mit einem Weltrekordtempo seine Konkurrenten zu zermürben. Kaum wurde es langsamer, ging Shaheen aber wieder an Kemboi vorbei. Der aber reagierte auch sofort und überholte wiederum Shaheen, um dann gleich wieder langsamer zu werden.

Eine gewisse Tempoverschleppung hatte Ezekiel Kemboi tatsächlich erreicht. Und als es in die letzte Runde ging, waren plötzlich die beiden Spanier Martin Eliseo, der spätere Dritte (8:09,09 Minuten) und Martin Luis Miguel (Sechster in 8:13,52) wieder ganz dicht dran am Führungsduo. Und gleich dahinter kamen auch noch der Franzose Tahri Bouabdallah (Vierter in 8:10,65) und Abraham Cherono (Fünfter in 8:13,37).

Als noch 300 Meter zu laufen waren, schien ein Vorentscheidung zu fallen, denn Shaheen trat wieder an und löste sich von Kemboi – doch das Rennen war immer noch nicht gelaufen. Das Stadion tobte, als Kemboi wieder heran kam. Am letzten Wassergraben lag er fast gleichauf mit Shaheen, am letzten Hindernis war er vorbei – aber wieder war es nicht die Entscheidung um Gold. Shaheen kam nochmals zurück und überholte Kemboi auf den letzten Metern. Vielleicht hätte der Kenianer mit seinem letzten Angriff noch etwas warten sollen – so aber unterlag er am Ende im Spurt gegen den von hinten kommenden Shaheen. Kemboi lief nach 8:05,11 ins Ziel.

Zum dritten Mal 800-m-Weltmeisterin wurde die große Favoritin: Maria Mutola (Mosambik). Die Titelverteidigerin hatte zuvor auch schon 1993 in Stuttgart gewonnen. Mutola lief 1:59,89 Minuten und gewann vor der Britin Kelly Holmes (2:00,18). Noch eingangs der Zielgeraden lag Holmes, die in Johannesburg gemeinsam mit Mutola trainiert hatte, vorne und schaute sich um, um zu sehen, wo die Favoritin blieb. Sie kam und setzte sich einmal mehr im Endspurt durch. Platz drei ging an die Russin Natalja Khruschcheljowa in 2:00,29.

Ein gutes Rennen lief Claudia Gesell (Bayer Leverkusen) in ihrem ersten großen Finale. Die 25-Jährige belegte Platz fünf in 2:01,84 Minuten. Das Finale erreicht zu haben, ist für sie schon ein Erfolg. Während des Rennens merkte man, dass Gesell noch Erfahrung fehlt. Auf der Innenbahn startend, sortierte sie sich ein wenig zu weit hinten ein und lag zwischen 100 und 400 Metern auf Platz sechs. Dann versuchte sie außen herum an den anderen vorbei zu kommen, was bedeutete, dass sie beide Kurven fast durchweg auf dem äußeren Rand von Bahn zwei unterwegs war. Dabei verlor Claudia Gesell Kraft. Doch eine Medaille wäre an diesem Tag selbst bei optimalem Rennverlauf nicht möglich gewesen. Zu stark waren die Medaillengewinnerinnen im Endspurt.

Nur sieben Läuferinnen waren an den Start gegangen, denn kurzfristig musste die Österreicherin Stephanie Graf aufgrund einer Verletzung passen. Sie hätte vielleicht eine Chance auf die Bronzemedaille gehabt.

In den Vorläufen über 5000 m verpasste Irina Mikitenko (Eintracht Frankfurt) das Finale um knapp drei Sekunden. Ihre Zeit als Neunte dieses Laufes von 15:06,97 Minuten reichte nicht. Man merkte Irina Mikitenko an, dass sie nach langen Verletzungs- und Gesundheitsproblemen einfach noch nicht wieder in Topform ist. Andererseits entwickeln sich auch die 5000 Meter der Frauen immer weiter. Und selbst die zweifache 5000-m-Weltmeisterin Gabriela Szabo (Rumänien/1997 und 1999) schaffte es nicht, sich als eine der besten Fünf zu qualifizieren. Kurz vor der Ziellinie wurde sie noch abgefangen. Doch da Szabo in einem gleichmäßig schnellen Rennen lief, kam sie über die erzielte Zeit doch ins Finale. Zumindest einen kleinen Schrecken wird sie aber bekommen haben in einem Rennen, das die Kenianerin Edith Masai in beeindruckenden 14:45,35 Minuten gewann. Das andere Semi-Finale gewann die für die Türkei laufende Äthiopierin Elvan Abeylegesse in 14:54,95 Minuten vor einer stark wirkenden Sonia OSullivan. Die Irin war schon 1995 Weltmeisterin über diese Strecke. Im Finale steht auch die 10.000-m-Weltmeisterin Berhane Adere (Äthiopien) und die Bronzemedaillengewinnerin über diese Strecke, Yingjie Sun (China).


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