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WM-Story: Ein kenianischer Sieg für Katar

Vor zwei Wochen hieß Saif Saaeed Shaheen noch Stephen Cherono

28.08.2003

Der Sieg ging an Katar, doch der Athlet, der gewonnen hatte, ist eigentlich ein Kenianer: Vor zwei Wochen hieß Saif Saaeed Shaheen noch Stephen Cherono. Kurzfristig hat er die Staatsbürgerschaft und auch gleich den Namen getauscht. Und die Kenianer haben mit dem 20-Jährigen ihren in dieser Saison besten Läufer verloren. Cherono führte die Jahresweltbestenlisten sowohl über 3000 m Hindernis als auch über 5000 m an – und über die Hindernisse wurde Shaheen nun Weltmeister. Dass der kenianische Verband bei diesem Deal mitspielte, kann nur daran gelegen haben, dass Katar eine entsprechende Kompensation versprochen hat. Angeblich geht es um die Finanzierung einer modernen Laufbahn im kenianischen Eldoret. Bisher gibt es dort wo die meisten Weltklasseläufer des Landes herkommen nur eine Aschenbahn.

Hätten die Kenainer gegen den Start von Shaheen bei der WM Widerspruch eingelegt, dann wäre der Läufer erst bei der WM 2005 in Helsinki startberechtigt gewesen. Weil er laufen durfte, sah man im Stade de France das wohl spektakulärste Hindernisrennen der Leichtathletikgeschichte. Erst auf den letzten Metern sicherte sich Shaheen den Titel in 8:04,39 Minuten vor Ezekiel Kemboi.

“Es ist für mich ein großer Unterschied, ob ich Gold für Kenia oder für Katar gewinne. Ich habe hier für Katar gewonnen, das ist sehr wichtig, denn dieses Land hat mir sehr geholfen. Ich denke nur noch an Katar. Und es ist schon seit mehreren Jahren mein Traum, für dieses Land starten zu können“, erklärte Shaheen. Seine neuen Landsleute haben ihm ein lebenslanges Gehalt von 1000 Dollar im Monat versprochen. Wie die Menschen in Kenia reagiert hätten auf seinen Wechsel, wurde Shaheen gefragt: “Fünfzig Prozent finden meine Entscheidung richtig, fünfzig Prozent sind nicht so froh darüber“, antwortete der neue Weltmeister, der die erste WM-Medaille überhaupt für Katar gewann und dafür mit Sicherheit auch eine ordentliche Prämie bekommen wird.

Zu jenen, die nicht so froh über den Wechsel von Saheen sind, zählt auch der Silbermedaillengewinner von Paris, Ezekiel Kemboi. “Es wäre nicht gut für Kenia, wenn dieser Mann gewinnt. Das ist demoralisierend, dass er ausgerechnet kurz vor der WM diesen Wechsel gemacht hat – darüber ärgere ich mich“, hatte Kemboi vor dem Rennen gesagt. Sein Ehrgeiz, Shaheen zu schlagen, war nicht zu übersehen. Doch es reichte nicht ganz. “Ich habe alles gegeben für mein Land“, sagte Ezekiel Kemboi.

Schnurstracks war Shaheen nach seinem Sieg mit der Fahne Katars auf die Ehrenrunde. Mit seinen Landsleuten wechselte er kein Wort. Ob er mit seinem Bruder gesprochen habe, der Fünfter wurde, wurde Shaheen gefragt. “Nein, das habe ich nicht. Wir sind jetzt zwei verschiedene Menschen. Ich habe ihm nicht gratuliert“, antwortete Shaheen und warf bei der Pressekonferenz gleich noch eine Spitze gegen den neben ihm sitzenden Kemboi: “Ich wusste im Ziel nicht einmal, wer Zweiter war – das hat mich auch nicht interessiert.“

Das letzte Wort in dieser Pressekonferenz hatte allerdings Ezekiel Kemboi. Nein, er sei überhaupt nicht böse, dass Shaheen nicht mehr für Kenia läuft, war die überraschende Aussage. Und dann fügte Kemboi erklärend hinzu: “Auch wenn er jetzt nach Katar geht – er hat bei uns gelebt und trainiert. Er ist ein Kenianer, und es ist eine kenianische Goldmedaille.“ Das wird Saif Saaeed Shaheen nicht so gerne gehört haben.


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