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WM-STORY: Türkischer Ministerpräsident flog zum 1500-m-Finale nach Paris

Auch in Paris galt Süreyya Ayhan als Favoritin

03.09.2003

Es war 50 Minuten vor der Startzeit des 1500-m-Finales der Frauen, als am Schlusstag der Leichtathletik-Weltmeisterschaften um 17.30 Uhr der türkische Ministerpräsident Recep Tayyib Erdogan überraschend in Paris landete. Umgehend wurde er ins Stade de France gefahren, wo Erdogan rechtzeitig eintraf, um das Rennen von Süreyya Ayhan zu sehen. Seit die Türkin vor einem Jahr bei den Europameisterschaften von München unerwartet den 1500-m-Titel gewonnen hatte, ist sie in der Türkei trotz der scheinbar übermächtigen Konkurrenz des Fußballs die beliebteste Sportlerin. Der Besuch des Staatschefs zeigt die Bedeutung, die die Läuferin für die Türken hat.

Auch in Paris galt Süreyya Ayhan als Favoritin – und der Ministerpräsident kam in der Erwartung eines Sieges. Dass am Ende nur Silber herauskam, lag an der Russin Tatjana Tomaschowa, die Ayhan im Endspurt überraschte. Doch der Trip des Ministerpräsidenten hat sich trotzdem gelohnt, denn Süreyya Ayhan schrieb türkische Sportgeschichte. Zum ersten Mal gewann das Land bei einer großen internationalen Meisterschaft – Weltmeisterschaft oder Olympische Spiele – eine Medaille. Wegen dieses Ereignisses hatte Erdogan, der früher Fußball spielte und daher ein Interesse für Sport hat, seinen geplanten Flug von Istanbul nach Berlin, wo er zu einem politischen Treffen erwartet wurde, kurzfristig verschoben. Er quetschte noch einen Abstecher nach Paris ins Programm, um Süreyya Ayhan zu gratulieren.

Unmittelbar nach einer kurzen Pressekonferenz, bei der er im Blitzlicht der Fotografen dem Sportstar offiziell gratulierte, verließ Erdogan das Stadion wieder, um nach Berlin zu reisen. “Bevor ich hierher kam, dachte ich, Süreyya Ayhan würde gewinnen. Aber in meinem Herzen und in den Herzen der türkischen Menschen ist sie die Weltmeisterin. Sie hat diese Anerkennung verdient, denn sie hat alles gegeben für ihr Land. Heute hatte sie einfach kein Glück. Ich bin mir aber sicher, dass sie im nächsten Jahr bei den Olympischen Spielen in Athen gewinnen wird“, sagte der Ministerpräsident.

Das Finale mit Süreyya Ayhan war in der Türkei ein großes Ereignis. In mehreren Städten wurden große Videotafeln aufgebaut, damit die Menschen das Rennen live verfolgen konnten. Natürlich hofften die Türken auf Gold. Aber da es am Ende die erste große Leichtathletik-Medaille gab, gab es keinen echten Grund zur Enttäuschung. In Städten und Dörfern des Landes haben seit Ayhans EM-Sieg Kinder begonnen, es ihrem neuen Idol nachzumachen. Sie rennen durch die Straßen mit dem Ziel, die nächste Süreyya Ayhan zu werden.


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