41. BMW BERLIN-MARATHON am 28. September 2014

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Großer Zahltag für Jonathan Wyatt

Der weltbeste Bergläufer gewinnt im Sturmlauf den Jungfrau-Marathon mit neuem Streckenrekord

07.09.2003

2:10-Marathonläufer Eticha als Zweiter zwölf Minuten zurück – Emebet Abosa gewinnt bei den Frauen – 4 100 Starter aus 43 Nationen beim „Schönsten Marathon der Welt"

Der frühere Marathonläufer und Nationaltrainer Richard Umberg hatte zu seinem Einstieg als “Rennleiter“ bei der elften Auflage des Jungfrau-Marathon von Interlaken auf die Kleine Scheidegg auf das “richtige Pferd“ gesetzt – und dieses kam aus Neuseeland und heißt Jonathan Wyatt. Der weltbeste Berg(auf)läufer untermauerte seine überragende Rolle in der Berglaufszene mit einem beeindruckenden Gipfelsturm über die 42,195 km-Distanz bei einer Höhendifferenz von 1929 m vor der leider einmal mehr in völlige Nebelschwaden gehüllten majestätischen Kulisse des weltberühmten Dreigestirns Eiger, Münch und Jungfrau. Mit 2:49:01 Stunden steigerte der 31jährige nicht nur den bisherigen Streckenrekord des Äthiopiers Tesfaye Eticha um mehr als vier Minuten, sondern distanzierte ihn auch im direkten Vergleich um Längen. Und sicherte sich die 10 000 Franken-Prämie, Antrittsgeld und Rekordprämie nicht eingerechnet. Am Ende trennten Wyatt von Eticha gleich zwölf (!) Minuten. “Dieser Typ ist einfach sehr stark“, entfuhr es den entthronten Streckenrekordler und Vorjahressieger auf dem Siegerpodest. Für Umberg hingegen erfüllten sich nahezu alle Wünsche (“Es ist mir eine große Freude, ein derart attraktives Üposium präsentieren zu können“), alleine auf das regenträchtige Wetter im Berner Oberland hatte er keinen Einfluss.

Wyatt: “A taff race!“

Neidlos musste Tesfaye Eticha die Überlegenheit des Weltenbummlers Jonathan Wyatt in Sachen Berglauf anerkennen, obgleich er sich drei Wochen im Höhentrainingslager in St. Moritz auf dieses Ereignis vorbereitet hatte. “Mein Ziel ist aber eine Endzeit unter 2:10 Stunden beim New York-Marathon“, formulierte der in Genf lebende 29jährige Äthiopier im gleichen Atemzug sein Saisonziel. Für Jonathan Wyatt geht hingegen der Siegeszug auf dem europäischen Kontinent weiter, nachdem er neben den Grand-Prix-Läufen in Heiligenblut, Telfes, Zermatt und Susa auch den Berglauf-Klassiker Sierre-Zinal über 33 km gewinnen konnte. In zumeist neuen Streckenrekordzeiten. Einmal mehr erwies sich Jonathan Wyatt als gewiefter Fuchs, der auf dem weitgehend flachen Anlauf von Interlaken über Wilderswil, Lauterbrunnen und den Trümmelbachfällen die Äthiopier Eticha, Disassa Dabessa und Kassa Tadesse die Sprints um die Fränkli überließ, um im steilen Aufstieg über Wengen und Wengernalp zum Angriff überzugehen. “Die Sprints haben das Rennen anfangs geprägt. Dabei wollte ich nicht mitmischen, sondern habe mich geschont, um im zweiten Teil der Strecke gut klettern zu können!“ Und Wyatt hat dies mit Bravour, denn schon in Wengen betrug sein Vorsprung schon knapp vier Minuten auf den kampfstarken Briten Billy Burns und bereits fünf Minuten auf Eticha, der scheinbar schon auf der Flachpassage nach Lauterbrunnen sein Pulver verschossen hatte. “Der Jungfrau-Marathon ist ein taffes Rennen. Da muss man schon an seine Reserven gehen. Die letzten fünf Kilometer musste sich den Gang herausnehmen, da ich auch Krämpfe in den Waden hatte. Der letzte Kilometer war selbst für mich fürchterlich! Zum Glück musste ich nicht mehr kämpfen und konnte es auslaufen lassen!“ Wohl dem, der auch mit angezogener Handbremse die versammelte Spitzenklasse im Griff hat. “Es ist nur schade, dass man heute nichts von den gewaltigen Viertausendern sieht!“ bedauert auch Jonathan Wyatt, der allerdings umringt von Journalisten die Schlüsselstellen der Strecke drei Tage zuvor besichtigen konnte – bei strahlendem Sonnenschein.

Für den World-Trophy-Sieger der Jahre 1998, 2000 und 2002 wird es allerdings heuer kein Weltchampionat-Start geben, denn in Anchorage im US-Bundesstaat Alaska führt die Strecke bergauf und bergab, das der Neuseeländer konsequent ablehnt und deshalb in “schöner Regelmäßigkeit“ diese Rennen verweigert. So werden einige kleine (und flache) Straßenläufe wie Tübingen oder Rheinfelden zur Überbrückung anstehen, ehe für Jonathan Wyatt das Berglauf-Grand-Prix-Finale in Bergen Abschluss seiner Europatournee sein wird. “Ich brauche genügend Regeneration, sonst kann ich mein Ziel, Start bei den Olympischen Spielen in Athen nicht realisieren!“ Die angesprochene Regenerationszeit wird allerdings für den gelernten Architekten sehr kurz werden, denn er möchte bereits bei einem der schnellen Marathonläufe in Japan die Olympianorm unterbieten. Dass der Allroundläufer dazu in der Lage ist, das wusste er mit Bestzeiten von 27:56 über 10 000 m und als Siebter beim Hamburg-Marathon mit 2:13:00 bereits anzudeuten.

Abfahrtsweltmeister Peter Müller diesmal bergauf!

Während sich die läuferische Klasse von Eticha im Aufstieg über die Moräne hinauf zur Kleinen Scheidegg auszahlte, büßte Burns seinen zwischenzeitlichen Vorsprung ein und musste mit Rang drei zufrieden sein. Der 34jährige Brite ist gemäß seinem “Free-Life-Style“ für viele Abenteuer bereit, so kündigte er schon bei der Flowerparade im Zielbereich seine Regeneration mit einem Mountainbike-Trail nach Slowenien und Kroatien an. “Ich werde dafür drei bis vier Tage brauchen!“ Bester Schweizer im topbesetzten Feld war der Amdener Karl Jöhl auf Rang sechs mit einem Rückstand von 21 Minuten auf den Sieger. Im geschlagenen Feld mit El Maati Chaham und Petr Kadlec die Sieger der Jahre 2001 bzw. 1998 auf den Plätzen vier und acht. Swiss-Alpine-Marathon-Sieger Mohamad Ahansal hatte als Dreizehnter mit dem Ausgang des Rennens ebenso wenig zu tun wie auch der Liechtensteiner Pfarrer Markus Kellenberger, der nach den kräftezehrenden Rennen im Fürstentum, beim Graubünden-Marathon und in Davos nunmehr sichtlich ausgebrannt wirkte. Ordentlich schlug sich hingegen der Pidinger Sporthändler Stephan Tasani-Prell, der als Zermatt-Marathon-Premierensieger auf den zehnten Rang kam. Soweit der Blick in die Spitze, im bunten Feld der 4 100 Starter aus 43 Nationen tummelte sich auch mit Peter Müller der frühere Abfahrtsweltmeister und Lauberhornsieger, der erstmals in seiner langen Laufbahn ein Rennen praktisch in entgegen gesetzter Richtung meisterte. Der 46jährige meisterte dieses Abenteuer höchst akzeptabel als 892. des Gesamteinlaufes und 145. der M 45-Masters-Kategorie in 4:45:50 Stunden.

Nach zweimal Rang zwei diesmal obenauf: Emebet Abosa

Bei den Frauen lieferten sich die beiden Äthiopierinnen Emebet Abosa und Tsige Worku bis zur Halbmarathondistanz in Lauterbrunnen ein spannendes Duell, ehe Emebet nach ihren zweiten Plätzen 2001 und 2002 mit einem eindrucksvollen Alleingang erstmals auf dem Siegerpodest stehen durfte. Die 29jährige verpasste dabei die Streckenbestmarke der wegen Verletzung fehlenden Marie-Luce Romanens mit 3:21:46 Stunden um lediglich 43 Sekunden. Dagegen fehlte Tsige nach ihren Erfolgen beim Swiss-Alpine-Marathon (K 42) und Sierre-Zinal die nötige Frische, um den dritten Erfolg der Saison einfahren zu können. Sie musste sogar im Schlussteil den sicheren zweiten Rang an die Schweizerin Caroline Reiber abtreten, die mit dreißig Jahren mit den Siegen beim LGT-Marathon und beim Zermatt-Marathon und Rang zwei beim Jungfrau-Marathon ihre wohl beste Saison läuft – und dies mit einem Zehn- bis Zwölf-Stunden-Tag bei einer Filmproduktionsfirma in Zürich....

Über 1100 Helfer sorgten vor und hinter den Kulissen für eine mustergültige Organisation, die aufgrund der Topographie eine außergewöhnliche Meisterleistung darstellt. Lauterbrunnen, Wengen und der Kleinen Scheidegg kommen dabei Schlüsselpositionen zu, für Läufer und Zuschauer gleichermaßen. Die exzellente Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist bei einem Landschaftsmarathon dieser Güteklasse natürlich das A und O, wohl selten ist eine hautnahe Betreuung so ideal möglich als beim Jungfrau-Marathon. Schlussendlich dienst eine geräumige Wagenhalle als Gepäckdepot, eine kleine Zeltstadt wird zum Duschareal. Nur für eines konnten die Organisatoren nichts, nämlich Nieselregen verhinderte eine ausgelassene Festwirtschaft. Das konnten selbst die lustigen Karnevalgruppen mit flott-schräger Musik nicht kompensieren....

Wilfried Raatz

Ergebnisse:

11. Jungfrau-Marathon Interlaken-Kleine Scheidegg (42,195 km/ HD + 1829 m, - 305 m):

Männer: 1. Wyatt (Nzl) 2:49:01, 2. Eticha (Eth) 3:01:45, 3. Burns (Gbr) 3:04:01, 4. Chaham (Mar) 3:07:25, 5. Dabessa (Eth) 3:09:34, 6. Jöhl (Sui) 3:10:51, 7. Sollberger (Sui) 3:12:26, 8. Kadlec (Cze) 3:16:34, 9. von Känel (Sui) 3:16:45, 10. Tassani-Prell (Ger/ Piding) 3:17:32, 11. Horisberger (Sui) 3:19:14, 12. Kellenberger (Sui) 3:20:03, 13. M. Ahansal (Mar) 3:21:09, 14. Ploner (Sui) 3:21:16, 15. Ringgenberg (Sui) 3:22:01, 16. Seifert (Ger/ Aachen) 3:22:02, 17. Hürzeler (Sui) 3:22:51, 18. Molemans (Bel) 3:24:32, 19. Häni (Sui) 3:24:48, 20. Zdavko (Sui) 3:24:53… 27. Rost (Ger/ Endingen) 3:29:13, 40. Frech (Ger/ Stetten) 3:35:12, 47. Roth (Ger/ Leutkirch) 3:58:50, 60. Hartmann (Ger/ Blaichach) 3:43:35, 67. Schweizer (Ger/ Michelstadt) 3:45:22.

Frauen: 1. Abosa (Eth) 3:21:46, 2. Reiber (Sui) 3:27:39, 3. Worku (Eth) 3:31:46, 4. Gavin-Schneider (Sui) 3:40:21, 5. Netschaeva (Rus) 3:42:57, 6. Joly (Sui) 3:43:33, 7. Krieg (Sui) 3:44:32, 8. Alter (Ger/ Mannheim) 3:48:34, 9. Keller (Sui) 3:54:15, 10. Born (Sui) 3:54:38, 11. Favre (Fra) 3:56:10, 12. Mura (Fra) 3:56:36, 13. Walker (Gbr) 3:57:12, 14. Jurisic (Cro) 3:59:41, 15. Gezhagne (Eth) 4:01:13... 18. Hock (Ger/ Waldaschaff) 4:06:17, 19. Kremser (Ger/ Mindelheim) 4:09:03, 30. Freise (Ger/ Hofheim) 4:19:35.


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