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IAAF Golden League in Brüssel: Haile Gebrselassie läuft erst nach Olympia Marathon

Zum ersten Mal knackte eine Athletin alleine den kompletten Jackpot der Golden League

07.09.2003

Es war die Nacht der Läufer beim Golden-League-Meeting in Brüssel. Fünf Jahresweltbestzeiten wurden bei dem Leichtathletik-Meeting, das den Abschluss der diesjährigen Golden-League-Serie bildete, erzielt. Zum späten Saisonzeitpunkt Anfang September waren es alles Mittel- und Langstreckenläufer, die diese Weltklasseergebnisse erreichten. Brüssel hat dabei beim mit rund 50.000 Zuschauern ausverkauften Meeting einmal mehr ein Beispiel dafür gegeben, wie man Leichtathletik heute präsentieren muss, um Erfolg zu haben. Attraktive Disziplinen mit hochklassiger Besetzung, dazu ein paar belgische Erfolgserlebnisse, eine überzeugende Präsentation der Wettbewerbe und ein exzellente Laufwettbewerbe.

Bei der Siegerehrung stand Maria Mutola in einem minutenlangen Silberregen. Die 30-jährige 800-m-Läuferin aus Mosambik hatte beim letzten der sechs Golden-League-Meetings zum sechsten Mal gewonnen und damit ein Novum geschafft: Zum ersten Mal knackte eine Athletin alleine den kompletten Jackpot der Golden League in Höhe von einer Million Dollar. Symbolisch bekam Maria Mutola in Brüssel einen Scheck überreicht. Doch auf das Geld muss die Olympiasiegerin noch eine Woche warten. Denn obligatorisch ist für die Gewinnerin des Jackpots noch der Start beim World Athletics Final am nächsten Wochenende in Monte Carlo.

Dort braucht Maria Mutola allerdings nicht mehr zu gewinnen. Insofern hat sie sich schon ein paar Gedanken gemacht, was sie mit der Dollar-Million anfangen wird. “Ein Teil des Geldes wird in die ,Maria-Mutola-Stiftung fließen“, kündigte sie an. Die Stiftung fördert in ihrer Heimat Kinder und Jugendliche. Sie erhalten eine schulische Ausbildung und werden an die Leichtathletik herangeführt. “Einem 15-jährigen Mädchen“, erzählt Maria Mutola, “konnten wir zum Beispiel ermöglichen, in Eugene auf das Gymnasium zu gehen und dort zu trainieren.“ Es ist ein ähnlicher Weg wie ihn einst Maria Mutola selbst gegangen ist. Lange Zeit lebte die Läuferin in Eugene, bevor sie nach Südafrika zog.

Doch das Golden-League-Meeting in Brüssel erlebte nicht nur aufgrund des Sieges von Maria Mutola eine Nacht der Läufer. Fünf Jahresweltbestzeiten wurden trotz des späten Saisonzeitpunktes Anfang September von Mittel- und Langstreckenläufern erzielt. Vor rund 50.000 Zuschauern sorgte dabei einer für den Höhepunkt des Abends, der in dieser Saison einem großen Sieg hinterhergelaufen war: Haile Gebrselassie.

Vor zehn Jahren gewann der inzwischen 30-jährige Äthiopier seinen ersten WM-Titel über 10.000 m in Stuttgart. Vor zwei Wochen wurde er im Pariser WM-Finale geschlagen von seinem Landsmann Kenenisa Bekele. Doch in Brüssel meldete sich Haile Gebrselassie großartig zurück. Er gewann die 10.000 Meter in der drittschnellsten Zeit aller Zeiten mit 26:29,22 Minuten. Nur er selbst bei seinem Weltrekord (26:22,75 Minuten/1998) und der Kenianer Paul Tergat (Kenia/26:27,85) waren jemals schneller. “Ich bin nicht überrascht über meine Zeit, ich wollte Weltrekord laufen. Aber ein paar Runden vor Schluss bekam ich ein merkwürdiges Gefühl in der Wade“, sagte Gebrselassie. Sein schärfster Rivale, Bekele, war allerdings nicht in dem Brüsseler Rennen sondern feierte in Addis Abeba seinen WM-Sieg. Dennoch ist Gebrselassie optimistisch, Bekele im nächsten Jahr schlagen zu können. “Ich werde wieder mehr für meinen Endspurt trainieren.“ Seine Marathonpläne hat er nun erst einmal verschoben. “Bei Olympia in Athen laufe ich die 10.000 Meter und auch vorher keinen Marathon“, sagte Gebrselassie, hinter dem der unbekannte Kenianer Nicolas Kemboi zur viertschnellsten je gelaufenen Zeit rannte. “Ich kannte ihn nicht. Aber in Kenia haben sie so eine Art Fabrik. Sie produzieren ständig neue Weltklasseathleten“, sagte Haile Gebrselassie.


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