42. BMW BERLIN-MARATHON am 27. September 2015

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Die Startnummer zwei bringt Paul Tergat langersehntes Glück

34jähriger Kenianer läuft mit 2:04:55 Stunden in neue Marathon-Dimensionen vor

28.09.2003

„Der Berlin-Marathon ist dreißig und wächst immer noch“ hätte die Headline für viele Tageszeitungen sein können, denn der die dreißigste Auflage real,- BERLIN MARATHON setzte einmal mehr mit 35.000 Marathonläufern, 9.000 Inline-Skatern und 7.000 Mini-Marathonläufern ein neues Rekordmaß und zog damit mit den Veranstaltungen in Chicago, London und New York gleich. Dazu auf einem neuen Streckenparcours vorbei an allen touristischen Attraktionen mit dem Ziel am Brandenburger Tor. Doch fünf Jahre nach dem Weltrekord des Brasilianers Ronaldo da Costa stieß ein exzellent aufgelegter Paul Tergat mit einer generalstabsmäßigen Tempoarbeit seiner kenianischen Teamkollegen Sammy Korir und Titus Munji mit einer neuen Weltrekordzeit von 2:04:55 Stunden in neue Dimensionen vor. „Paul, bringe den Weltrekord nach Berlin“, hatte noch drei Tage zuvor Tegla Loroupe ihrem Landsmann mit auf den Weg gegeben. Und Paul Tergat, nach seinen Erfolgen mit fünf Cross-Weltmeistertiteln und zwei Halbmarathon-Weltmeistertiteln als zweifacher Olympiazweiter und mehrfacher Marathonzweiter in London wie auch in Chicago als eher glückloser Umsteiger auf die 42,195 km-Distanz abgestempelt, befolgte die Aufforderung seiner nicht minder berühmten Laufkollegin mit unglaublicher Präzision.

Tergats weise Entscheidung für Berlin Nach einer Zwischenzeit bei Streckenhälfte von 1:03:01 Stunden ließ Tergat nahezu unglaubliche 1:01:55 Stunden auf der zweiten Halbdistanz folgen. Damit war das vollbracht, was viele Fachleute von dem einstigen Ass im Crossgelände und auf der Kunststoffbahn erwartet hatten, nämlich einen Weltrekord zu laufen. Doch zweimal kam ihm der Marokkaner Khalid Khannouchi zu, zweimal hatte Paul Tergat das bittere Nachsehen. Auch wenn die Veranstalter in Chicago dem elegant laufenden Kenianer ein besseres Angebot machten, er entschied sich nach Beratung mit seinem Manager Dottore Gabriele Rosa für den anerkannt schnellen Kurs in Berlin. Sehr zur Freude von Organisator Horst Milde. Denn Tergat sorgte nach den Weltrekorden von Tegla Loroupe (1999), Naoko Takahashi (2001) und Ronaldo da Costa (1998) nunmehr für den vierten Weltrekord auf dem Hauptstadtkurs. Und kassierte aus dem Veranstalterbudget einschließlich der Weltrekordprämie 110 000 Euro. Die Prämie seines neuen Sportausrüsters Nike ebenso nicht eingerechnet wie auch die Antrittsprämie, die Manager Dr. Gabriele Rosa bereits im Vorfeld ausgehandelt hatte.

Horst Milde: „Erneut eine sporthistorische Stunde“ „Das ist erneut eine sporthistorische Stunde“, wertete Milde dann auch bei der Pressekonferenz im Hotel Adlon den Weltrekordlauf des Kenianers. Mit Fug und Recht, denn Olympiasiegerin Naoko Takahashi lief 2001 mit 2:19:46 als erste Frau unter der 2:20-Stunden-Marke, Paul Tergat nun als erster Läufer unter die 2:05 Stunden-Marke. Und in dessen Schlepp folgte im Sekundenabstand bereits mit dem als Tempomacher eingesetzten Sammy Korir ein weiterer Läufer. „Das ist ein Gottesgeschenk. Was sich heute auf Berlins Straßen abgespielt hat, das ist einfach unglaublich!“ Für Horst Milde, den für die Athletenverpflichtung zuständigen Mark Milde und die vieltausendköpfige Helferschar ist die nahezu unglaubliche Geschichte des Berliner Marathons in ein neues Stadium getreten. Dreißig Auflagen Berlin-Marathon, die Geschichten rund um die Veranstaltungen dürften Bände füllen. Vergessen sind die vielen Querelen und Diskussionen, bis Jahr für Jahr die Durchführung gesichert war. „Es ist einfach verrückt. Alle sind bis an ihre Grenzen gegangen. Wir legen die Hauptstadt lahm, legen uns mit vielen Gremien an und sind nachher wieder Freunde. Das läßt sich nur mit einem Satz umschreiben: Berlin steht hinter uns!“

Teamwork als Weltrekord-Garantie „Wir haben es geschafft. Sammy und ich!“ Diese Einschätzung ist typisch für den neuen Weltrekordler. Als „Gentleman“ ist er seit vielen Jahren in der internationalen Laufszene bekannt. Die eigene Leistung nicht überbewertend, das Team stets im Blick. Und das Team um Paul Tergat leistete in Berlin schier unglaubliches. Als das Rennen nach Streckenhälfte schneller wurde, zeichneten ausschließlich Sammy Korir und Titus Munji verantwortlich. Der eine selbst ein Klasseläufer mit einer Bestmarke von 2:08:13, der andere erst auf Drängen von Teragt kurzfristig in die Startlisten noch aufgenommen weiß lediglich eine 2:16er (!) Leistungsfähigkeit vorzuzeigen. Das ist freilich nun nach dem heutigen denkwürdigen Rennen passé. Noch bei 25 km deutete eine Hochrechnung lediglich auf eine 2:06er Endzeit hin. Nach einem 5 km-Abschnitt in 14:43 rückte allerdings der Weltrekord schon in greifbare Nähe. Und der Steigerungslauf sollte noch furioser werden, denn die nächsten beiden 5 km-Abschnitte zur 40 km-Marke in 14:35 und 14:36 sollten selbst Horst Milde im Begleitfahrzeug unruhig werden. Schon hier schien klar zu sein, dass die neue Streckenführung nicht nur genau so schnell, sondern schlichtweg besser ist! Und der Weltrekord rückte mehr und mehr in greifbare Nähe. Bei 41 km schien eine Vorentscheidung zu fallen, denn Tergat konnte sich einige Meter von seinem „Edelhasen“ Sammy Korir lösen. Doch eine Schrecksekunde am Brandenburger Tor, als Tergat., vom Führungsfahrzeug irritiert, erstmals im Rennen von der Ideallinie wich, führte Korir wieder auf Tuchführung heran. Im Sprint verteidigte letztlich Paul Tergat einen hauchdünnen Vorsprung vor dem sensationellen Korir und dem nicht minder begeisternden Titus Munji, der als Dritter in 2:06:15 nicht nur einen Quantensprung um zehn Minuten schaffte, sondern alle weiteren Mitfavoriten einschließlich des Vorjahressiegers Raymond Kipkoech in die Schranken verwies. „Das Publikum war im Vergleich zu Chicago großartig. Die Unterstützung an der Strecke mit Musik und Trommeln ließ die Schmerzen vergessen“, lobte der neue Weltrekordler die Atmosphäre in Berlin. Für den Vierten Andres Espinosa gab es gleichwohl Grund zum Jubeln, denn der inzwischen 40jährige Mexikaner lief mit 2:08:46 einen neuen Masters-Weltrekord. Erst dann der Überraschungsmann des Vorjahres, der nach einer längeren Verletzungspause das Weltrekordtempo der Tergatgruppe nicht durchstehen konnte und nach 26 km aus der kompakten Spitze zurückgefallen war.

Neidlos gönnte der knapp unterlegene Sammy Korir seinem prominenten Teamkollegen den Sieg und damit auch den Weltrekord. „Ich konnte Paul heute nicht schlagen, denn er war bestvorbereitet. Ich habe meine Vorbereitungen eigentlich auf den Amsterdam-Marathon abgestimmt!“ Als Nebenprodukt haben Tergat und Co. sogar als Team eine neue inoffizielle Weltbestzeit für Mannschaften aufgestellt. Gewiss kein Muster ohne Wert, denn mit dieser grandiosen Vorstellungen haben die kenianischen Läufer das doch etwas beschädigte Ansehen der Weltmeisterschaften von Paris korrigiert. Einmal mehr hat Berlin aber auch seinen Ruf als Qualitätsmarathon unterstrichen, denn acht Läufer blieben letztlich unter der 2:10 Stunden-Marke. Zwei Tage nach seinem 26. Geburtstag wollte es bei dem Überraschungs-Europameister Janne Holmen nicht recht laufen, denn anstelle der angestrebten Endzeit um 2:10 wurden es lediglich 2:12:10, was aber dennoch für den promovierten Finnen Hausrekord bedeutete.

Vierter japanischer Sieg durch Yasuko Hashimoto Nach Kazumi Matsuo (2000), Naoko Takahashi (2001 und 2002) sorgte nun Yasuko Hashimoto für den vierten Sieg einer japanischen Läuferin in Berlin. Ganz im Schatten des schnellen Männerrennens war das Rennen der Frauen lange Zeit eine offene Angelegenheit mit wechselnder Führung. Die lange Zeit führende ehemalige 10 km-Weltmeisterin im Bahngehen Alina Ivanova mußte letztlich mit Rang fünf zufrieden sein. Dafür rückte in der zweiten Streckenhälfte die Japanerin mehr und mehr ins Blickfeld, konnte aber erst im Schlussteil die von Volker Wagner betreute Emily Kimuria und Ornella Ferrara auf Distanz halten. Für die Yasuko Hashimoto gab es mit 2:26:32 eine neue Bestzeit. „Ich wäre gerne noch etwas schneller gelaufen, aber ich bin auch so sehr glücklich!“ gestand die 28jährige nach ihrem dritten Maratholauf ihrer Laufbahn. Mehr hingegen hatten die Fachleute von der Britin Liz Yelling erwartet, die trotz einer 10 000 m-Zeit von 31:58 Minuten nicht über Rang acht und 2:30:58 Stunden hinaus kam.

Kathrin Weßel nur Fünfzehnte Für die deutschen Athleten wurde das Hauptstadt-Rennen keineswegs zum Highlight. SCC-Läufer Jirka Arndt kam auf Rang 23 in 2:16:28 ins Ziel, Sebastian Bürklein hingegen überhaupt nicht. Auch Kathrin Weßel hatte sich den Auftritt durch ihre Heimatstadt anders vorgestellt als Rang fünfzehn mit 2:38:15 Stunden. Dagegen feierte Anja Carlsohn (LG Nike Berlin) als Neunzehnte mit 2:42:16 Stunden eine passable Rückkehr nach längerer Verletzungspause.


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