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Halbmarathon-WM in Vilamoura

Paula Radciffe und Martin Lel Weltmeister Tansanias Männer entthronten Kenia – Debakel für Kenias Frauen

06.10.2003

Die Hoffnungen der Titelverteidigerin Berhane Adere auf einen erneuten Titelgewinn bei den Halbmarathon-Weltmeisterschaften im portugiesischen Vilamoura machte keine andere zunichte als Paula Radcliffe. Die britische Marathon-Weltrekordlerin zeigte sich nach ihrem verletzungsbedingten Verzicht auf die Bahn-WM in Paris glänzend erholt und ließ ihrer äthiopischen Rivalin nicht den Hauch einer Chance. Mit einem resoluten Tempolauf gewann die 29jährige nach 2000 und 2001 mit 1:07:35 Stunden und dem bislang größten Vorsprung bei einer Weltmeisterschaft von 1:27 Minuten nun den dritten Titel innerhalb von vier Jahren. Im Duell der Verfolgerinnen holte sich Berhane Adere die Silbermedaille vor der Australierin Benita Johnson, die 24 Sekunden später als Dritte folgte.

Auf der Wendepunktstrecke in Vilamoura, bereits Austragungsort der Cross-Weltmeisterschaften 2000, machte Paula Radcliffe von Beginn an Druck und lief bereits nach fünf Kilometern mit einem Fünf-Sekunden-Vorsprung vor Susan Chepkemei und Berhane Adere an der Spitze des 73 Läuferinnen umfassenden Feldes. Eine vierköpfige weitere Verfolgergruppe mit Benita Johnson, Lydia Grigoryeva, der Marokkanerin Zhor el Kamch und Teyba Erkesso lagen bereits 16 Sekunden zurück. In einer weiteren Verfolgergruppe auch die deutsche Meisterin Luminita Zaituc mit einem weiteren Abstand von 25 Sekunden. Auf dem Weg zur Wende hielt die Britin das Tempo unverändert hoch, während Chepkemei und Adere weiteren Boden verloren und bereits 36 Sekunden zurück folgten. Luminita Zaituc lief zu diesem Zeitpunkt in einer illustren Gesellschaft mit der Cross-Europameisterin Helena Javornik und der 10 000 m-Challenge-Siegerin Mihaela Botezan, doch wenig später war sie nicht mehr im Rennen. Schade, denn die Braunschweigerin hatte gerade nach einer problembehafteten Saison zumindest auf einen erfolgreichen Herbst gesetzt und sich nach Vilamoura die Option noch auf einen flotten Marathonlauf offen halten wollen.

Bei zunehmenden Mittagstemperaturen musste auch Paula Radcliffe ihrem hohen Tempo Tribut zollen und alle Hoffnungen auf eine weitere Weltbestzeit begraben. Vor zwei Wochen erst war die Britin beim “Great North Run“ in Newcastle mit 1:05:40 Stunden die aktuelle Weltbestzeit gelaufen. Eine Anerkennung dieser Höchstmarke steht allerdings noch aus, da die Strecke ein unzulässiges Gefälle aufweist. Den dritten Weltmeistertitel nach Veracruz und Bristol wird Paula Radcliffe allerdings niemand mehr nehmen können, denn auch Berhane Adere musste in der Mittagshitze die Überlegenheit der weltbesten Straßenläuferin neidlos anerkennen und lief mit fast eineinhalb Minuten Rückstand als Zweite ins Ziel. Aderes hartnäckige Begleiterin Susan Chepkemei wurde hingegen lediglich Achte. “Nach zehn Kilometern habe ich erkennen müssen, dass der Rekord nicht zu verwirklichen sein würde!“ bekannte die Frontläuferin. Später räumte sie allerdings ein, dass diese Strecke keineswegs für Weltrekordzeiten geeignet war. “Es war ein sehr schweres Rennen. Mich überraschte vor allem, dass die Konkurrenz so rasch zurück gefallen war!“ Alleine auf sich gestellt, kämpfte sie jedoch gegen die aufkommende Ermüdung Kilometer um Kilometer, wollte sie doch ihren Teamkolleginnen eine schnelle Zeit für eine gute Mannschaftsplatzierung mitgeben. “Ich wollte schon schnell rennen, nicht zuletzt weil der Teamwettbewerb für uns sehr wichtig ist!“ Doch alle Mühen ihres Stars waren vergebens, die Mannschaft Großbritanniens ging als Fünfte jedoch leer aus. Überraschend setzte sich übrigens Russland gegen Japan und Rumänien durch. Eine faustdicke Überraschung war hingegen das Abschneiden der ostafrikanischen Läuferinnen, die diesmal leer ausgingen. Äthiopien wurde Vierter, die Kenianerinnen stürzten hingegen auf Rang neun noch hinter Spanien, Frankreich und Italien ab.

Während bei den Frauen das Rennen schon frühzeitig zugunsten von Paula Radcliffe entschieden war, spurteten bei den Männern mit dem Kenianer Martin Lel und den überraschend stark auftrumpfenden Fabiano Joseph und Martin Hhaway Sulle aus Tansania um den Titel, während mit John Cheruiyot Korir ein weiterer Kenianer kurz vor dem Ziel im Kampf um die Medaillen bereits ausgeschieden war. Der Mann des Tages war Martin Lel, der letztlich in 1:00:49 Stunden knapp gegen die beiden Tansanier die Oberhand behielt. Der 25jährige, der im Vorjahr als Zweiter in Venedig hinter seinem Landsmann David Makori mit 2:10:02 Stunden schon etwas aufgefallen war, rückte erst durch seinen Halbmarathonsieg im Frühjahr auf der stark abschüssigen Strecke in Lissabon mit 1:00:10 Stunden vor dem Südafrikaner Hendrik Ramalaa und Robert Cheruiyot stärker ins Blickfeld, im geschlagenen Feld dabei übrigens der aktuelle Marathon-Weltrekordler Paul Tergat und der letztjährige Boston-Marathonsieger Rodgers Rop

“Portugal bringt mir offensichtlich Glück!“ bekannte Lel im Ziel, schließlich holte er nach seinem Achtungserfolg im Frühjahr nun hier auch das Weltchampionat. “Mein Ziel ist der New York Marathon“ umreißt der Trainingskollege von Elijah Lagat und Simon Bor, den früheren Marathonsiegern von Boston und Los Angeles, seine nächsten Ziele. “nach vierzig Minuten wusste ich bereits, dass ich eine Medaille gewinnen kann“, so der selbstbewusste junge Mann. Im schnellen Ausscheidungsrennen, in dem nach dem Abfallen des Marathon-Weltmeisters Abderrahim Goumri nach dem Wendepunkt ausschließlich Ostafrikaner den Kampf um die Medaillenränge ausmachen sollten, war er Martin Lel zusammen mit dem Tansaniern und dem überraschend starken Zersenay Tadesse aus Eritrea zumeist an der Spitze zu finden. Für die Europäer gingen die Trauben einmal mehr sehr hoch, als Dreizehnter lief dabei der Portugiese Paulo Gomes noch am besten.

Das Team des Tages war allerdings keineswegs Kenia, sondern Tansania. Mit dem Zweiten Fabiano Joseph und dem Dritten Martin Hhaway Sulle und zudem John Yuda, der nach zweimal Rang drei mit Muskelkrämpfen diesmal als Fünfter der Einzelwertung leer ausgegangen war, verdrängten die stets im Schatten von Äthiopien und Kenia stehenden Ostafrikaner die beiden großen Läufernationen vom Siegespodest. Acht Sekunden zurück die entthronten Kenianer um den neuen Weltmeister Lel und Äthiopien, das alleine Tesfaye Tola unter die besten Zehn bringen konnte und mit vier Minuten Rückstand Bronze gewann.

Wilfried Raatz


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