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Medien Marathon überspringt die 10 000 Meldungen-Hürde

Hinter Berlin, Hamburg und Köln ist München die Nummer vier unter Deutschlands Stadtmarathonläufen – Farbtupfer durch Gamachu Roba im „bayerischen Marathon“ – Silke Fersch wiederholt Vorjahressieg – Medien-Award an Werner Sonntag

13.10.2003

„Das ist mein größter sportlicher Erfolg“ freute sich Gamachu Roba, der äthiopische Läufer des ASC Darmstadt bei der Pressekonferenz im Ehrengastbereich des Olympiastadions. Dort, wo sonst Hitzfeld Hoeneß oder Beckenbauer die Bayern-Spiele kommentieren, galt am Sonntag einem 22jährigen äthiopischen Läufer-Nobody die ganze Aufmerksamkeit. Zwei Stunden zuvor war der seit dem vergangenen September beim ASC Darmstadt trainierende Asylbewerber vor 10 398 Teilnehmern als umjubelter Sieger des 4. Medien Marathon mit 2:19:26 Stunden ins Olympiastadion eingelaufen. „Ich habe mich so gut gefühlt“, freute sich Roba, „dass ich auf der zweiten Streckenhälfte noch einmal richtig Tempo machen konnte!“ Nahe des Chinesischen Turmes, am Kilometerpunkt 27, setzte sich Gamachu Roba erstmals an die Spitze einer dreiköpfigen Gruppe und forcierte zum Leidwesen des Lokalmatadors Dennis Pyka und des Südtirolers Hermann Achmüller das Tempo und hatte im Nu einen beruhigenden Vorsprung herausgelaufen. Drei Minuten betrug sein Vorsprung des Debütanten nach 42,195 km im Ziel vor Achmüller, der in seinem vierzehnten Marathon auf 2:22:37 Stunden kam. Zudem noch vier Minuten schneller als der vorjährige Sieger Jonathan Wyatt aus Neuseeland.

Bei den Frauen wiederholte Silke Fersch ihren Vorjahressieg. Die zweimalige Ironman-Starterin von Hawaii verpasste trotz ambitioniertem Beginn mit 2:44:57 Stunden ihre im Vorjahr aufgestellte Bestzeit um fast eine Minute, war aber dafür Wunschsieger von Marathonchef Gernot Weigl. „Das Rennen lief für mich eigentlich gut“, zeigte sie sich bei der Pressekonferenz zufrieden, wäre da nicht ein happiger Anfangsfehler gewesen, der der früheren Triathletin wie Hunderten von Hobbyläufern ständig passierte. Die 34jährige Ambergerin, die ihre Trainings-Kilometer zum 40-Stunden-Job als studierte Feinwerktechnikerin absolviert, lief mit nagelneuen Laufschuhen und kämpfte sich nach 1:20:46 mit einer vier Minuten langsameren zweiten Hälfte ins Ziel – und hatte wie im Vorjahr ein „Gänsehaut-Gefühl“. „Mich hatte schon im Vorjahr der Einlauf ins Olympiastadion überwältigt. Ich konnte es nicht verhindern, dass auch heute Tränen gelaufen sind....!“ Der „Disco-Tunnel“ im Marathontor und ein (musikalischer Empfang vom Feinsten dank der Bayern 3-Disc-Jockeys) sind Momentaufnahmen, die kaum ein Läufer der 10 000 Kopfe zählenden Marathonschar vermissen wollte.

Daß Silke Fersch auch im kommenden Jahr wieder am Start beim „kleinen Jubiläum“ des Medien-Marathon stehen wird, dass scheint schon jetzt sicher zu sein. „Mir gefällt München so gut, dass ich mir schon heute überlegen muss, wie ich dies neben meinem Job hinbekomme!“ Vielleicht rückt ihr dann die für die LG Rupertiwinkel startende Birgit Koch noch näher auf die Pelle als bereits heuer schon. Die 29jährige steigerte sich gegenüber dem Vorjahresauftritt um glatte zehn Minuten auf 2:48:58 und ist mit ihrer Entwicklung gewiss noch nicht am Ende. Darin ist sich auch die Dritte Jeannette Vrga, eine in Darmstadt geborene 25jährige Kroatin aus dem Club des Männer-Siegers Gamachu Roba, sicher. In Hamburg lief sie schon im Frühjahr mit 3:01:28 Bestzeit, diese konnte sie nun bei nahezu idealen Laufbedingungen auf 2:50:47 zu steigern. Und dabei die zweite Hälfte noch schneller als die erste zurücklegte.

Welch ein Lauftalent in dem 23jährigen Johann Hillebrand aus Gröbenzell hingegen schlummert, dass wird voraussichtlich nie festgeschrieben werden können. In München jedenfalls lief der Torhüter des unterklassigen Clubs in Adelshofen im Kreis Fürstenfeldbruck auf Rang dreizehn in 2:36:43 Stunden ein – nur fünf Minuten hinter dem im Vorjahr für Schlagzeilen sorgenden Anton Gröschl, als dieser hinter dem neuseeländischen Sieger Jonathan Wyatt einlief und die Pressekonferenz mit markigen Kommentaren auffrischte.

Natürlich zeigte sich Marathon-Chef Gernot Weigl in strahlender Siegerlaune. Schließlich gab es bei der vierten Auflage unter seiner Regie eine neuerliche Steigerung um zwanzig Prozent auf die 10 398 Anmeldungen, die dem Medien-Marathon-München hinter dem real,- BERLIN-MARATHON, Hamburg und Köln die vierte Position unter Deutschlands Stadtmarathonläufen einbringt. „Natürlich wird dies nicht so weiter gehen können“, blickt Weigl bereits in die nahe Zukunft. „München wird der Höhepunkt der Laufsaison im Süden Deutschlands sein, hat aber auch seine Grenzen. 12 500 bis 13 000 Starter werden durchaus möglich sein!“ Apropos Medien. Hier hat die Organisation durchaus noch Nachholbedarf. Nicht nur, dass die geringe Medienpräsenz dem Namen der Veranstaltung wenig Rechnung trägt, die Journalisten finden selbst zwei Stunden nach Einlauf des Siegers nur wenige (spärliche) Namen in einer Ergebnisliste vor. Ein Arbeitsbereich für die aktuelle Berichterstattung fehlt zudem vor Ort wie auch eine informative Pressemappe zu Beginn der Veranstaltung.

Am Freitag war für einen verdienten Sportjournalisten bereits Sonntag. Kollege Manfred Steffny umriss als Laudator bei der Verleihung des „Medien Award“ die 1954 begonnene journalistische Tätigkeit des heuer im Schwäbischen angesiedelten Werner Sonntag, der sich zugegebener Maßen schwer tut, sich als schreibender Läufer oder laufender Schreiber zu outen. „Irgendwann musst auch Du nach Biel“ haben bereits Läufergenerationen gelesen – und animiert zu einem Start im Schweizer Ultra-Mekka Biel. Jüngst fällt Sonntag hingegen als Kolumnist der deutschen Ausgabe von „Runner’s World“ auf. Mit 77 Jahren ist Sonntag nicht nur für kritische Texte ein In-Begriff, sondern auch läuferisch noch voll auf der Höhe, schließlich schnürte der Lauf-Veteran am Sonntag früh am Spiridon Louis-Ring am Olympiastadion zum 278. Male die Laufschuhe für einen Langstreckenlauf, der Marathon und länger misst.

Wilfried Raatz

Ergebnisse: 4. Medien Marathon-München:

Männer: 1. Gamachu Roba (ASC Darmstadt) 2:19:26, 2. Hermann Achmüller (Italien) 2:22:37, 3. Dennis Pyka (LG Domspitzmilch Regensburg) 2:26:47, 4. Arthur Landenberger (SC Ingolstadt) 2:27:30, 5. Christian Locher (Italien) 2:28:07... 12. Stefan Eichheimer (SC Olympia Lorsch) 2:36:39.

Frauen: 1. Silke Fersch (CIS Amberg) 2:44:57, 2. Birgit Koch (LG Rupertiwinkel) 2:48:58, 3. Jeannette Vrga (ASC Darmstadt) 2:50:47, 4. Brigitte Rupp (SC Roth) 2:55:59, 5. Sabine Huber (LG Mettenheim) 3:00:41.

Weitere Ergebnisse unter www.Championchip.de


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