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40 Jahre Volkslaufbewegung in Deutschland … und kein Ende

Der 40. Berliner Cross-Country-Lauf am 9. November ist die “Großmutter“ aller Läufe in Berlin

14.10.2003

In diesen Tagen jährt sich zum 40. Male die Geburtsstunde der Volkslaufbewegung in der Bundesrepublik Deutschland. Am 13. Oktober 1963 veranstaltete der Laufpionier Otto Hosse in Bobingen bei Augsburg den ersten Volkslauf in Deutschland. Die Beteiligung war gleich sensationell: 1.626 Männer und Frauen gingen an den Start und auf eine Strecke, die sie weg von der Wettkampfbahn eines Stadions hinaus in die freie Natur führte. Hosse selbst war von 1965 bis zu seinem Tod 1992 Volkslaufwart des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) und als aktiver Läufer zugleich auch wichtige Symbolfigur der seitdem ständig expandieren Volkslaufszene. Mittlerweile kann der Interessierte im Jahr aus rund 3.000 offiziellen DLV-Laufveranstaltungen auswählen. An jedem Wochenende zwischen Januar und Dezember - manchmal auch wochentags - finden “Wettkämpfe für alle“ irgendwo zwischen Flensburg und Freiburg sowie zwischen Dresden und Düsseldorf statt.

Die Volkslaufbewegung gilt nach wie vor als eine (“die“) tragende Säule des Breitensports in Deutschland. Insofern war es nahe liegend, dass der Deutsche Sportbund das ausdauernde Laufen ab 1970 gleich in seine zahlreichen Trimm-Dich-Aktionen integriert hat. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die Ausdauerkampagne mit dem Slogan “Ein Schlauer trimmt die Ausdauer“ von 1975 bis 1978 sowie später die Gesundheitskampagne mit dem Slogan “Trimming 130 - Bewegung ist die beste Medizin“. Im Jahre 1974 fand der Lauftreff als öffentliche und vereinsunabhängige - sozusagen “verbindlich-unverbindliche“ - Organisationsform seine Premiere. Aus dem Lauftreff ist auf Anhieb ein “Erfolgstreff“ geworden: Schon in den ersten Jahren stieg die Zahl bald auf tausend. Heute sind es rund 2.600, wobei der Anteil derer, die unabhängig von Verein und Lauftreff einfach nur so für sich laufend unterwegs sind, die “größte Dunkelziffer“ von Sporttreibenden in unserem Lande ausmachen dürfte.

Vom Volkslauf zum City-Marathon … vom Jogging zum Running: So lässt sich sehr verkürzt der Event- und Sprachwandel des immer noch und immer mehr boomenden Laufsports in Deutschland kennzeichnen. Die Laufbewegung hat sich weiter ausdifferenziert - egal ob man dabei nur an die Streckenlängen denkt oder an die ebenfalls meist zum festen Programmbestandteil gehörenden Läufe für Bambinis, Power-Walker und immer häufiger auch für Skater und Rollstuhlfahrer und zukünftig wohl auch für Nordic-Walker. Während gerade in diesem Wochen wieder die großen Metropolen-Marathons wie beispielsweise Frankfurt noch auf dem Terminkalender stehen, leben zahlreiche andere Wettkämpfe mehr von ihren landschaftlichen Reizen, sei es als Berg- oder Seenlauf oder sei bei den jetzt wieder beginnenden Cross-Serien durch profiliertes Waldgelände.

Apropos Cross: Mit einem Crosslauf am Teufelsberg im Grunewald startete ebenfalls vor 40 Jahren (ganz genau am 8.11.1964) die Volkslaufbewegung in (West-) Berlin. Veranstalter des “1. Berliner Cross-Country-Laufes für Jedermann“ war das Sportreferat der Freien Universität Berlin mit studentischen Initiatoren und dem heutigen Renndirektor des real,- BERLIN-MARATHON, Horst Milde an der Spitze, der damals ein erfolgreicher Mittelstreckler beim SCC war.

Seitdem hat SCC-RUNNING vom Sport-Club Charlottenburg unter seiner Leitung allein in Berlin rund 350 Laufveranstaltungen mit rund 1,2 Mio. Teilnehmerinnen und Teilnehmern organisiert; pro Jahr waren zuletzt immer über 100.000 Männer und Frauen dabei: “Die Laufbegeisterung hält nicht nur in der Hauptstadt weiter an, bei allen gut organisierten Läufen sind weitere Zuwächse zu erwarten“, prognostiziert “Mr. Marathon“ Horst Milde, der verantwortlich zeichnet mit seinem erfolgreichen Organisationsteam für die international herausragenden Läufe in der Hauptstadt. Der 30. real,- BERLIN-MARATHON am 27./28. September mit seinem spektakulären neuen Weltrekord von Paul Tergat (KEN) und den über 35.000 Teilnehmern (Läufer) und 9.600 Inline-Skatern aus 99 Nationen war der bisherige organisatorische Höhepunkt von Spitzen- und Breitensport in einem Rennen.

Während der DLV die Volkslaufbewegung nach wie vor mit seinem jährlich in hoher Auflage erscheinenden Volkslaufkalender stützt, schreitet auch die virtuelle Laufbewegung im Internet weiter voran: Interessierte erhalten hier aktuelle und vielschichtige Informationen mit Ankündigungen von und Berichten über Veranstaltungen, Tipps zum zeitgemäßen Equipment bis hin zu nach individuellem Leistungsvermögen zugeschnittenen Trainingsplänen, ganz zu schweigen von all den angesagten Themen beim Erfahrungsaustausch im so genannten “Forum“ (mehr z.B. unter forum.berlin-marathon.com). So gesehen muss man selbst dank dieser Art medialer Rundum-Versorgung zum Laufen um die Zukunft nicht bange sein: 40 Jahre Volkslaufbewegung in Deutschland - und es wird weiter gelaufen!

Dr. Detlef Kuhlmann


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