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Mediterranean SuperMarathon Palermo

"Niente ci fa..."

25.10.2003

Puenktlich zum Marathon in Palermo haben sich die Wolken verzogen und das feuchte kuehle Wetter ist dem milden sizilianischen Herbstklima gewichen.

Vom Zentrum Palermo aus sind es gut zehn Kilometer bis zur Startnummernausgabe in Mondello. Dort befinden sich dann auch Start und Ziel des Rennens. Mit dem Bus ist die Strecke in aller Regel in 20 Minuten zu bewaeltigen. Nur leider fahren heute die Busse wie bei uns die Bahn. Der Fahrplan ist allenfals ein unverbindlicher Hinweis des Transportunternehmens. An der Haltestelle gibt es so gleich Gelegenheit zu Gespraechen mit Einheimischen. "Ein Reitturnier in Mondello," so sagen sie, halte heute den Verkehr auf "und wegen des Marathons faehrt Sonntag gar kein Bus".

Mondello ist der Badeort des nahen Palermos. Die Startnummernausgabe in Mondello befindet sich im "Antico Stabilmento Balneare", einer wunderbaren Badebruecke, im Jugendstil gebaut, wahrscheinlich die schoenste Startnummernausgabe fuer ein Rennen weltweit. Die Organisation arbeitet rasch und problemlos, so dass noch reichlich Zeit fuer eine Pizza fuer das Rennen und einen Wein fuer den guten Schlaf bleibt.

Am Sonntagmorgen beginnt das Rennen dann um 9 Uhr frueh. Insgesammt gehen knapp 1.000 Laeuferinnen und Laeufer gemeinsam auf die Strecke. Der groesste Teil des Starterfeldes wird nur Halbmarathon laufen, einige die klassische Marathondistanz und der kleinste Teil der Teilnehmer wird an diesem Tag 50 Kilometer weit laufen.

Der erste Kilometer fuehrt ueber Mondellos Promenade, dann biegt die Strecke in Richtung Palermo ab. Es geht zwei Kilometer weit staendig bergauf. Im Schatten grosser Birkenfeigen laufen die Sportler durch die gruene sizilianische Landschaft bis bei Kilometer sieben das Zentrum von Palermo erreicht wird. Ueber die Via della Libertas geht es immer geradeaus bis zum Theatro Massimo, Palermos beruehmter Oper, in einem weiten Bogen auf die Via Roma und auf der gleichen Strecke wieder zurueck bis Mondello.

Ist die Strecke zwischen Mondello und Palermo gaenzlich publikumsfrei, so interessieren sich auch die Bewohner Palermos nur wenig fuer das Treiben der Laeufer auf ihren Strassen. Hupende Autos und Diskussionen von motorisierten Menschen mit den Streckenposten deuten darauf hin, dass der Marathon hier mehr als Verkehrshindernis denn als interessantes Ereignis wahr genommen wird.

Zurueck in Mondello sind die Halbmarathonlaefer im Ziel, es gibt hier freundlichen Zuschauerzuspruch und mittlerweile auch waermende Sonne und Temperaturen deutlich ueber 20 Grad.

Die Marathonlaeuferinnen und -laeufer werden auf eine zweite, landschaftlich wenig spektakulaere Runde durch Palermos Vororte geschickt. 21 Kilometer ueber Land- und Stadtstrassen mit reichlich Wendepunkten und einem weit auseinander gezogenen Laeuferfeld. Schoen haben es dann die 50-Kilometer-Laeufer auf den letzten acht Kilometern. Diese letzte Runde fuehrt noch einmal am Mittelmeer entlang und bildet eine schoenen Abschluss des Rennens.

Fuer Marathontouristen ist die Strecke wenig ueberzeugend. Sie ersetzt auf keinen Fall den ausfuerlichen Stadtrundgang durch die engen Gassen der Altstadt und vorbei an den vielen Sehenswuerdigkeiten Palermos. Bei diesem Marathon steht ganz eindeutig der Sport im Vordergrund. Interessant auch, dass Streckenposten mit eindeutigen Gesten und Worten darauf hinweisen, dass Kurvenschneiden bei diesem Rennen nicht gern gesehen wird, strenge Sitten.

Schnell gelaufen sind wie immer die anderen. So Giorgio Calcaterra als erster ueber 50 Kilometer in 2:56:03, schnellste Frau war hier Monica Casiraghi in 3:31:46. Den Marathon gewannen Alberto Fieramosca in 2:41:36 bei den Herren und Sandra Lienhart aus der Schweiz in 3:50:14.

Und wer hinterher lief konnte viele Laeufer in den Finisher-T-shirts vom letzten Jahr sehen und einen Rennen lang spekulieren, ob der Satz auf der Rueckseite der Hemden "Niente ci fa ..." (Uns macht das nichts aus ...)nur eine schoene Einstellung zu Laufen demonstriert oder auch eine ironische Nachricht fuer den Ueberholten enthaelt.

Frank Bielefeld


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