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Darmstadt-Cross setzt belebende Signale

Deutsche Läufer überraschten mit kämpferischen Tugenden – Siege für Sebastian Hallmann und Sabrina Mockenhaupt – Melderekord mit 820 Teilnehmern und eine rundum positive Stimmung

17.11.2003

Es war ein überaus erfreulicher Nachmittag, auch wenn die äußeren Bedingungen mit einsetzendem Nieselregen nicht durchweg freundlich waren. Die in vielfältiger Weise in die Schusslinie geratenen Bundestrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes ob des derzeit gebotenen Leistungsniveaus der deutschen Laufszene konnten dieses Mal eine überaus positive Bilanz nach den Erfolgen der Hallmann, Mockenhaupt und Co. auf dem idealen Crossparcours auf der Lichtwiese in Darmstadt ziehen. Aber auch der ASC Darmstadt, der sich als ein innovativer, attraktiver Organisator von seiner starken Seite präsentierte und mit der neunzehnten Auflage des Darmstadt-Cross nicht nur eine Spitzenveranstaltung auf die Beine zu stellen wusste, sondern der bei der diesjährigen Darmstadt- Cross-Auflage und in Zukunft mit Nachdruck gewillt ist, der mehr und mehr absterbenden Crosslaufszene neues Leben einzuhauchen.

Nach der Absage der Veranstaltungen in Neuss, Köln und dem Rückzug der Walldorfer aus dem Deutschen Cross-Cup ist der Darmstadt-Cross unbestritten die Nummer eins der Querfeldein-Laufszene und möchte sich nicht zuletzt ermutigt von kompetenter Verbandsseite um die Austragung der Deutschen Cross-Meisterschaften bewerben. “Wir stellen uns 2005 oder 2006 vor“, umreißt Organisator Wilfried Raatz, zugleich Cross-Beauftragter des DLV, die weiteren Pläne der Darmstädter. “Für die Jubiläumsausgabe 2004 haben wir uns um die deutschen Hochschul-Meisterschaften beworben. Die veränderte Strecke ist zuschauerfreundlich und selektiv, dass wir uns durchaus auch die Ausrichtung der “Deutschen“ vorstellen können. Nur muss der DLV von dem bislang praktizierten Rotationsprinzip unter den Landesverbänden bei der Vergabe von Meisterschaften abkommen. Warum sollten nicht drei, vier Crossveranstalter als ständige Ausrichter, ähnlich wie man dies wohl auch auf der Bahn vorhat, fungieren können. Es würde in hohem Maße zur Belebung des deutschen Mittel- und Langstreckenlaufes beitragen. Warum müssen immer neue, zumeist auf diesem Metier unerfahrene Veranstalter für diese Meisterschaften gefunden werden!“

Die 1300 m-Runde mit vielen Kehren und Richtungswechsel und einem Sandhügel als attraktives Element stimmte sowohl die Läufer als auch die Fachleute sehr zufrieden. “So stelle ich mir eine zuschauerfreundliche Strecke vor“, lobte der seit wenigen Wochen im DLV-Trainerstab für Crosslauf verantwortliche frühere Cross-Weltmeisterschaftsdritte Detlef Uhlemann. Ähnlich wie bei namhaften Golfturnieren zogen die zahlreichen Zuschauer nicht von “Loch zu Loch“, sondern von einer Streckenschleife zur nächsten, immer auf der Höhe des Geschehens. Als ein weiteres belebendes Element zeigte sich auch die Premiere des Cross-Sprints über 600m. Die “Beschäftigungs-Therapie“ der Langsprinter und zur 800 m Strecke tendierenden Mittelstreckler kam übrigens prächtig an und hatte mit Mark Rapp und Claudia Schultz zwei prominente Sieger. Die Zuschauer jedenfalls waren bestens unterhalten bei dieser Art, Cross zu präsentieren.

Und sie erlebten Cross vom Feinsten. Spannende Positionskämpfe und mitreißende Sprints bis hinein in den Zieleinlauf bestimmten in nahezu allen Wettbewerben den Takt. Mit einer Ausnahme – und dies lag alleine an der läuferischen Klasse von Sabrina Mockenhaupt, die nach dem Dämpfer der Weltmeisterschaften in Paris längst wieder Lust zum Angriff auf die europäische Spitze bekommen hat. “Das war heute schon ein gelungener Einstieg. Doch überbewerten darf man diesen Erfolg natürlich nicht, abgerechnet wird erst in Edinburgh!“ Die Siegerländerin, die mit 22 Jahren bereits auf nationaler Ebene heuer die Titel über 5000 m und 10 000 m als auch im Crosslauf gewinnen konnte, marschierte eindrucksvoll an der Spitze des gutklassigen Frauenfeldes über 5 500 m voran und setzte ein erstes Gütezeichen in der frühen Cross-Saison. Wie bei den Cross-Titelkämpfen in Bad Dürrheim kam Susanne Ritter auf Rang zwei – und sorgte somit für einen überraschenden deutschen Doppelsieg. Denn die mitfavorisierte Kenianerin Lillian Chelimo hatte im Renngetümmel einen Spikeschuh verloren und lief als Dritte gewiss etwas unter Wert ins Ziel ein. Überraschend stark präsentierte sich die eigentliche 800 m- und 1500 m-Spezialistin Juliane Becker auf Rang vier noch vor den crosserfahrenen Michaela Schedler, Birte Bultmann und war damit in bester Gesellschaft ihrer Disziplinkolleginnen Kerstin Werner und Kathleen Friedrich, die nicht vor der “Überdistanz“ von mehr als fünf Kilometern zurückschreckten und eine ordentliche Ausdauer und Tempohärte bewiesen.

Auch beim Männerrennen spielten die kenianischen Läufer überraschend keine Rolle, sondern eine sechsköpfige deutsche Läufergruppe hatte sich mit kampfstarkem Einsatz schon früh an der Spitze abgesetzt. Nach ständigem Führungswechsel zog in der Endphase Sebastian Hallmann den Spurt an und setzte sich gegen den amtierenden Crossmeister André Green, Oliver Mintzlaff, Oliver Dietz und den Cross-Mittelstreckenmeister Damian Kallabis durch. “Das ist ein Neuanfang nach zwei doch eher bescheidenen Jahren“ freute sich der für den LAC Quelle Fürth/ München startende 26jährige Hallmann, der im DLV durchaus als ein Mann mit Perspektiven gilt.

Mit Hindernismeister Christian Knoblich, dem Juniorensieger Jan Krauspe und Lars Haferkamp platzierten sich weitere deutsche Läufer unter den “top ten“, Beleg für die gute Ausgangsbasis zu Beginn des Wintertrainings. Wie stark die deutschen Läufer, Abteilung männlich und weiblich, international sind, dass wird das zweite Selektionsrennen in zwei Wochen im holländischen Tillburg zeigen. “Wir wollen mit zwei kompletten Teams nach Edinburgh fliegen“, gibt Uhlemann die Marschrichtung vor – und dort mit einstelligen Mannschaftsplätzen einen Neuanfang machen.

Beeindruckend beim Darmstadt-Cross auch die breite Spitze beim Nachwuchs. Eine Spitzenbesetzung, die allenfalls bei deutschen Meisterschaften zustande kommt, unterstreicht den Leistungswillen unseres Nachwuchses. “Daraus müsste man schon etwas machen können“, zeigte sich auch DLV-Nachwuchstrainer Henning von Papen beeindruckt, “allerdings haben wir dies in der Vergangenheit auch schon öfters gesagt!“ Mit Ricardo Giehl setzte sich nach spannendem Rennverlauf der deutsche Crossmeister durch, knapp gefolgt vom erst 17jährigen Zelalem Martel. Hinter Norbert Löwa und Steffen Uliczka folgte auf Rang fünf übrigens schon mit Johannes Raabe der zweite B-Jugendliche im kompakten Spitzenfeld, das im Sekundentakt finishte.

Nicht minder spannend entwickelte sich das Rennen der weiblichen Jugend, bei dem mit Verena Dreier die Clubkollegin von Sabrina Mockenhaupt überraschend den besten Spurt gegen Antje Möldner gewinnen konnte. Mit den international erfahrenen Saskia Janssen und Regina Schnurrenberger sollte auch hier eine schlagkräftige Mannschaft für Edinburgh möglich sein.

Riesenfelder bestimmten die Nachwuchsrennen der Schüler, die fast die Hälfte der Rekordbeteiligung beim Darmstadt-Cross ausmachten. Durchaus ein Beleg, dass die olympische Kernsportart Leichtathletik auch in Deutschland noch eine Zukunft hat. Talente jedenfalls sind vorhanden, nur müssen diese mit Geschick und Können durch die Jugendklassen geführt werden, eine Herkulesaufgabe, die gewiss nur gemeinsam mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband, den Vereinen und den Schulen vor Ort im Verbund mit engagierten Übungsleitern zu lösen sein dürfte.

Wilfried Raatz

Ergebnisse unter www.asc-darmstadt.de


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