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Bodo Tümmler – 60 Jahre jung

Der wilde Eber und der legendäre Spruch “Ab hier die Sau rauslassen“

07.12.2003

Bodo Tümmler (SCC Berlin), der deutsche Mittelstreckenstar der sechziger und siebziger Jahre vollendet am Montag, dem 8. Dezember sein 60. Lebensjahr. Der am 8.12.1943 in Thorn geborene Tümmler (1 erwachsene Tochter) verlebte seine Jugend in Berlin-Zehlendorf, nahe dem Grunewald, und begann seine Leichtathletik-Karriere bei Z 88, dem Talentbecken vieler guter Leichtathleten, bevor es ihn zum SCC Berlin zog.

Bodo Tümmler ist heute Studiendirektor für Sport und Biologie am Schadow-Gymnasium in Zehlendorf. Sein Trainer hieß Wolfgang Meller, der ihn Zeit seiner Karriere sportlich führte.


Tümmler beim ISTAF am 17.07.1965 Bob Schul (USA-19) vor Tümmler und Jim Grelle (USA-15)

Beim diesjährigen 40. Berliner Crosslauf am 9. November stand er an der Startlinie – und gab den Startschuss ab, am 8. November 1964 hatte er den 1. Cross der Asse am Teufelsberg gewonnen.

Bodo Tümmler kritisierte auch vorher in einer Pressekonferenz von SCC-RUNNING zu diesem Jubiläums-Cross die derzeitige Misere der deutschen Mittelstreckler und Läufer, die sich “zu Tode schonen“ weil sie die harte Trainings-Laufarbeit im Gelände und in der Natur scheuen. Tümmler war ein Siegläufer zu seiner Zeit, seine sportliche Vita und seinen Bestzeiten sind 30 Jahre später für viele Läufer heute noch unerreichbar.


Olympische Spiele in Mexiko 1968 Tümmler Dritter hinter Kipchoge Keino (KEN) und Jim Ryun (USA)

Von 1964–1972 gewann er 15 Deutsche Meisterschaften (7-mal 1500 m, 2-mal Waldlauf-Kurzstrecke, 3 Staffeln, 1-mal 1500 m Halle, 2-mal Junioren). 1965 und 1967 war er Studenten-Weltmeister über 1500 m, 1966 in Budapest Europameister über 1500 m und Bronzemedaillengewinner über 800 m, 1968 Olympiadritter über 1500m in Mexico City hinter Kipchoge Keino (KEN) und Jim Ryun (USA). Er erhielt 25 Berufungen in die deutsche Nationalmannschaft. Von seinen 19 1500m Rennen bei Länderkämpfen gewann er 13, darunter bei den Europacup-Endkämpfen 1965 und 1967.


Tümmler siegt sensationell über 1500m beim Länderkampf vor Michel Jazy (FRA)im Olympiastadion.

Seine Bestzeiten: 400 m 48,7 – 800 m: 1:46,3 – 1000 m: 2:16,5 – 1500 m: 3:36,5 – 1 Meile: 3:53,8 – 3000 m: 7:59,4 – 5000 m: 13:49,6.

Er stellte 4 Deutsche Rekorde über 1500 m (3:39,5 und 3:36,5) und 1 Meile (3:54,7 und 3:53,8) auf, einen Europarekord über 4 x 1 Meilestaffel 16:09,6 am 25.6.1969 in Berlin mit Walter Adams, Harald Norpoth und Jürgen May sowie einen Weltrekord über 4 x 880 Yards Staffel mit Harald Norpoth, Walter Adams und Franz-Josef Kemper in 7:14,6 am 13.06.1968 in Fulda.


Die Weltrekordstaffel der 4 x 880 Yards Staffel am 13.06.1968 in Fulda (7:14,6) mit Franz-Josef Kemper, Walter Adams, Harald Norpoth und Bodo Tümmler

Bodo Tümmler gewann mit Horst Milde, dem heutigen Race Director des real.- BERLIN-MARATHON, und Gerhard Kopp 1964 und 1965 die Deutsche Meisterschaft in der traditionsreichen und hart umkämpfen 3 x 1000 m Staffel. Zusammen mit Horst Milde und Peter Kubicki gab es 1966 einen legendären Endlauf über 3 x 1000 m und zweiten Platz hinter Norpoth, Schulte-Hillen und Kemper (Preußen-Münster 7:01,2) in 7.04,0. Beide Zeiten sind bis heute unerreicht. Tümmlers Karriere litt leider auch unter Verletzungen, die eine optimale Ausschöpfung seines großen Talentes verhinderte.

Durch die gemeinsame verlebte Mittelstreckenzeit beim SCC “zwangsverpflichtete“ Horst Milde Bodo Tümmler auch zum Leiter des Verpflegungspunktes bei km 35 am “Wilden Eber“. Tümmlers Spruch – auf einem Transparent quer über die Straße gespannt – “Ab hier die Sau rauslassen“ machte Geschichte in der internationalen Marathonwelt. Seit 1981 halfen hier über 20 Jahrgänge seiner Schüler vom Schadow-Gymnasium, heute sind es teilweise schon die Kinder der ehemaligen Schüler, die den Läufern und Läuferinnen aus aller Welt Getränke und Obst reichen – und Mut zusprechen. Beim diesjährigen 30. real,- BERLIN-MARATHON und seinen vielen Veränderungen zog Tümmler mit seinen “Schadowern“ weg vom Wilden Eber zum Hohenzollerndamm (km 30) – er “drohte“ schon an auch hier für die nächsten Jahre den Teilnehmern neue Motivationsschübe zu versetzen. Bodo Tümmler selbst lief 1973 erfolgreich einen Marathon in Berlin mit für ihn locker herausgelaufenen 2:34:73 – ohne daß er dafür ein spezielles Aufbautraining benötigte. Beim 30. real,- BERLIN-MARATHON in diesem Jahr “testete“ er – auch ohne grosses Vorbereitungstraining - sich mal wieder selber – aber schon am Sonnabend und “auf Rollen“ – 1:52:25 lief er beim Inline-Skatemarathon, das war der 122. Rang in der Altersklasse. Das Bewegungstalent Tümmler hatte wieder sportliches Neuland betreten.

Bodo – weiterhin alles Gute – mach was aus dem VP Hohenzollerndamm (km 30) - und alles wartet auf den nächsten Spruch!


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