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Lake Kawaguchi Marathon 2003

Japans größter Volks-Marathon um den den Lake Kawaguchi - etwa 2 Autostunden von Tokyo entfernt

07.12.2003

Seit 1990 pflegt der BERLIN-MARATHON eine Kooperation mit dem Lake Kawaguchi Nikkan Sports Marathon in Japan. In jedem Jahr kommen Delegationen aus Japan nach Berlin und umgekehrt zu den jeweiligen Läufen. Die Organisation des Laufes in Japan liegt in Händen von Nikkan Sports, eine der größten täglich erscheinenden Sportzeitungen Japans mit einer Milllionenauflage. Die Gastgeber in Japan lassen den ausländischen Delegationen eine große Gastfreundschaft angedeihen, beginnend und endend in Tokyo, mit dem Höhepunkt des Laufes um den idyllischen See - aber mit vielen offiziellen Empfängen.

Vom BERLIN-MARATHON sind seit 1990 ununterbrochen jeweils Delegationen entsandt worden, dabei ist der real,- BERLIN-MARATHON in Japan Legende, spätestens seit Naoko Takahashi in Berlin Weltrekord lief. Es gab Originalübertragung zur besten Sendezeit im Jahre 2001 und 2002, aber schon 1990 und 1991war der BERLIN-MARATHON ein TV-Knüller. In diesem Jahr flogen als Vertreter des real,- BERLIN-MARATHON John Kunkeler, Trainer vom SCC und Leiter der RBB-Laufbewegung im Tiergarten, sowie Ralf Preibisch zum Lake Kawaguchi Marathon am 30. November 2003. Lesen Sie im folgenden den Bericht von John.

Manche Sachen sind so schön, dass man sie am liebsten für sich behalten möchte. Nicht nur der immer noch andauernde Jetlag erinnert mich an einer Woche Kulturschock pur. Wahrscheinlich waren wir Europäer immer schon anders als Japaner.

Die überwältigende Gastfreundlichkeit, die Bescheidenheit und das grosse Interesse an anderen Kulturen. Alles Merkmale, die uns abhanden gekommen zu sein scheinen. Unfreundlichkeit, der Hang zum Meckern und Egoismus, alles Merkmale, die in Japan nicht zu existieren scheinen. Obwohl beim Marathon organisatorisch auch einiges nicht gut lief!

Welchen Stellenwert Berlin (der real,-BERLIN-MARATHON) in Japan mittlerweile hat, konnte man alleine daran schon sehen, dass die Organisatoren mir die Startnummer 1 und Ralf Preibisch (Bestzeit 2:17 St) die Nummer 2 gaben.

Bei allen Empfängen musste ich Ansprachen halten, wobei sehr aufmerksam zugehört wurde. Nur eine Bemerkung erstaunte die Japaner doch sehr und löste kurze Verwunderung aus. Nämlich, dass beide japanischen Landesrekorde für Marathon, bei den Herren sowie bei den Damen, in Berlin aufgestellt worden sind ! Das hatten sie sich noch nicht so vergegenwärtigt. Es stimmt aber !

Die Liveübertragung ab 17 Uhr (in Japan steht man 8 Stunden früher auf) wäre normalerweise ein Strassenfeger, wäre es nicht so, dass in Japan unglaublich viele Menschen leben.

Als wir auf der Rückfahrt zum Flughafen durch die Tokioter Innenstadt fuhren, sahen wir ein Menschenansammlung von etwa 400 Personen, die vor einer Fussgängerampel wartete. Als das Licht auf grün sprang, kam dies vom Bild her, den Start eines Volkslaufes gleich !

Trotz der enormen Verkehrsdichte hörte man kaum hupende Autos, man sah nirgendwo Graffitti. Die einzigen Polizisten, die wir gesehen haben, waren im Einsatz beim Marathon.

Es goss in Strömen! Schon seit Freitag war von dem Vulkanberg FUJIjama nichts zu sehen. Zusammen mit Delegationen aus Australien und USA und mit den reizenden Begleiterinnen sind wir den Berg am Vortag hochgefahren. Unglaublich !

Wie durch ein Wunder hörte es 5 Minuten nach dem Startschuss auf zu giessen, nach 10 Minuten regnete es nicht mal mehr. Während des Laufes verschwand die dicke Wolkendecke um den Fuji und ich vergass komplett die schon eine Stunde andauernde Anstrengung.

Ach ja, Ralf Preibisch lief die volle Distanz in 2:34 St und wurde Siebter. Ich war froh, dass es auch eine kürzere Variante über 27,2 km gab und war mit 1:53 St sehr zufrieden. Ralf musste zwei Mal um den See (Lake Kawaguchi), ich nur ein Mal.

Untröstlich waren die Organisatoren, als ich durch aufmerksame Helfer im Ziel (ich hatte eine Startnummer für die volle Distanz bekommen und galt für deren Begriffe als Aussteiger) daran gehindert wurde über die Matte ins Ziel zu laufen. Es war Ihnen nicht beizubringen, dass mir das egal war.

Bei der anschliessenden Siegerehrung musste ich mit Doug Bourne (Australien) wiederum eine kurze Ansprache halten und von der Strecke berichten.

Traditionell gewinnt der Sieger des Lake Kawaguchi-Marathon eine Teilnahme beim nächsten BERLIN-MARATHON. Seine international gesehen eher bescheidene Zeit von 2:19 St. dürfte ihn wenig gestört haben.

Er wird hier genauso ein Kulturschockerlebnis haben, wie wir es hatten. Ralf Preibisch und ich sind zutiefst dankbar, dass wir dies erleben durften. Gefreut hat mich ausserdem, dass alle japanischen Begleiter Ralf und mich für zwei Gleichaltrige hielten.

Dabei trennen uns 15 Jahre ! Tja, laufen hält offensichtlich jung !

John Kunkeler


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