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Die Jugend läuft den “Alten“ den Rang ab

22jähriger Gamachu Roba gewinnt den 25. Frankfurter Silvesterlauf

28.12.2003

Der Sieger wäre schon einer, der die am Boden liegende deutsche Laufszene beleben könnte. Doch der 22jährige Gamachu Roba ist äthiopischer Asylbewerber und lebt im “Duldungsstatus“ auf deutschem Boden. Genauer gesagt in Goddelau vor den Toren Darmstadts.

Und für den südhessischen Renommierclub ASC Darmstadt läuft, betreut von Wilfried Raatz, der für so viele Erfolge der Darmstädter in der Vergangenheit verantwortlich zeichnete. Gamachu Roba, der im Oktober sein Marathon-Debüt mit dem Sieg beim Medien-Marathon in München mit 2:19:25 Stunden überaus erfolgreich abschloss, ist entschlossen, einen eigenen Weg trotz erschwerten Asylantendaseins zu gehen – und trainiert “für eine gute Zukunft“, wie er immer wieder sagt. Ob diese jedoch in Deutschland liegen dürfte, das hängt von den Behörden im Hessischen ab. Ein erster Asylantrag wurde bereits abschlägig beschieden, derzeit lebt Gamachu Roba im “Duldungsstadium“. Dennoch hat er Hoffnung, dass sich alles zum Guten wenden wird. Sportlich läuft es derzeit bestens, denn der Äthiopier läuft von Erfolg zu Erfolg. Beim vorgezogenen Silvesterlauf im Frankfurter Stadtwald gab es zum Jahresausklang zudem noch mit 30:54 Minuten eine neue 10 km-Bestzeit. “Die Zeit ist nicht gut“, rückte Gamachu Roba seine Erwartungen an Wettkämpfe wie diesen im Schatten der Baugrube Waldstadion ins rechte Licht. “Ich wäre gerne unter 30 Minuten gelaufen“. Das dies im Alleingang bei Gegenwind und verschlammten Wegen kaum machbar war, das lässt der 22jährige kaum gelten. Der herzliche Applaus bei der Siegerehrung mag jedoch ein kleines Trostpflaster sein für den talentierten Burschen.

Aber Gamachu Roba ist nicht der einzige, der das Jubiläumsrennen des rührigen Laufclubs Spiridon Frankfurt prägte, der an diesem diesigen Sonntagmittag zum 25. Mal zum Jahreswechsel nach Frankfurt einlud. Die Jugend war eindeutig auf dem Vormarsch und lief den “alten“, sprich etablierten Läufern, den Rang ab. Eineinhalb Minuten nach Gamachu Roba lief mit dem 24jährigen Sport-Informatikstudenten Markus Kessler ein weiterer junger Mann ins Ziel auf der Trainingsbahn des Waldstadiongeländes, gefolgt von dessen Baunataler Teamkollegen Markus Jahn, der mit Jahrgang 1985 noch ein weiteres Jahr der Jugendklasse angehört und als 5000 m-Siebter der Titelkämpfen in Fulda schon zur nationalen Spitze zu zählen ist. Noch jünger ist der Vierte des Gesamteinlaufes, denn der aus Marburg stammende Tobias Fischer ist erst 16 und zeigte nach einem Bänderriss und sechsmonatiger Wettkampfpause mit 33:48 einen Klasseeinstieg in das Wettkampfgeschehen. Hinter dem 22jährigen Raphael Schmitt folgte mit Triathlonstar Lothar Leder auf Rang sechs erst der schnellste der etablierten Läufer unter den knapp 2000 Startern. Der Darmstädter hatte allerdings vier Tage nach seiner Rückkehr von einem Trainingscamp in Florida noch “dicke Beine“, wie er im Ziel ziemlich enttäuscht verriet. Ironman-Champion Leder blieb mit 33:58 gerade einmal noch unter der 34-Minuten-Marke auf der gewiss nicht sonderlich schnellen Strecke. Im Schlepp von Lothar Leder übrigens auch der ehemalige Radprofi Kai Hundertmark, der wie viele aus der Region die Saison sportlich ausklingen lassen wollte – und mit 37:13 und Rang 49 eine glänzende Figur machte.

Ohne Überraschungen hingegen verlief das Frauenrennen. Die in Neu-Isenburg lebende gebürtige Jugoslawin Veronika Ulrich dominierte vom Start weg das gewiss nicht schwache Spitzenfeld und kam mit 35:04 zum klaren Sieg vor der derzeit noch für den Schweriner SC laufenden Heidelberger Biologie-Studentin Andreina Byrd. Die 25jährige musste aus dem Auto heraus zum Start spurten, da sie sich schlichtweg in Frankfurt verfahren hatte. Die Frankfurter Szene hingegen kennt die zweifache Olympiastarterin Petra Wassiluk bestens, schließlich ist die 34jährige Langstrecklerin nach Abschluss ihrer Karriere im Organisationsteam des Eurocity Marathon hauptberuflich tätig. Mit 36:39 Minuten war ihr dritter Rang wenig gefährdet, denn die 18jährige Offenbacherin Martina Maul lag schon über eine Minute zurück auf Position vier. Im Gegensatz zu den Männern war bei den Frauen Routine und vornehmlich Trainingsalter gefragt, so dass unter die “top ten“ nur noch die nunmehr 20jährige Vorjahressiegerin Alina Schulte ins Ziel einlaufen konnte.

25. Mainova-Silvesterlauf Frankfurt (28.12.):

Ergebnisse: Männer: 1. Gamachu Roba (ASC Darmstadt) 30:54, 2. Markus Kessler 32:24, 3. Markus Jahn (beide LG Baunatal) 33:10 (1. mJA), 4. Tobias Fischer (SF Blau-Gelb Marburg) 33:48 (1. mJB), 5. Raphael Schmitt (TV Trebur) 33:53, 6. Lothar Leder (TuS Griesheim) 33:58. Frauen: 1. Veronika Ulrich (LG Neu-Isenburg) 35:04, 2. Andreina Byrd (Schweriner SC) 35:20, 3. Petra Wassiluk (LG Eintracht Frankfurt) 36:39, 4. Martina Maul (Offenbacher LC) 38:01, 5. Josefa Matheis (TSG Eisenberg) 38:20, 6. Iris Reuter (SSC Hanau-Rodenbach) 38:34.

Wilfried Raatz


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