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Eindrucksvolles Comeback für Irina Mikitenko

Susanne Ritter überraschend Zweite vor Luminita Zaituc – Carsten Schütz souveräner Männersieger – Bietigheim mausert sich neben Trier zum Top-Event unter den deutschen Silvesterlauf-Veranstaltungen

01.01.2004

Bei nunmehr 23 Auflagen hat sich eine der über 100 deutschen Silvesterlaufveranstaltungen stetig und konsequent an die Spitze geschoben, die heuer einen Großteil der nationalen Elite wie auch die Läufer der Region in ihren Bann zieht: der Bietigheimer Silvesterlauf. Die 40 000 Einwohner zählende Stadt mit dem Doppelnamen “ Bietigheim-Bissingen, am Zusammenfluss von Enz und Mutter nahe der Mündung in den Neckar und 25 km von der Landeshauptstadt Stuttgart gelegen, ist lauftoll. Die keineswegs einfach zu laufende Doppelrunde von 10,710 Kilometern wird von über zehntausend Zuschauern gesäumt, die sich natürlich im historischen Altstadtkern stärker drängen wie in den Enzwiesen, die Hauptattraktivität spielt sich hingegen im Start- und Zielbereich an der Sporthalle am Viadukt ab, wo „action pur“ angesagt ist. Eine kleine Laufmesse, ein Bühnenprogramm und natürlich die der Jahreszeit angemessenen Glühweinstände sind schon eine Attraktion für die Laufinteressierten der Region.

Der beim Silvesterlauf federführende Förderkreis Leichtathletik mit Willi Steffl an der Spitze hat es mit dem nötigen finanziellen Background geschaffen, einen Silvesterlauf zu konzipieren, der sich klammheimlich neben Trier zum Topevent in Deutschland gemausert hat. „So stark wie in diesem Jahr war unsere Besetzung noch nie“ umriss dann auch Chef-Organisator Steffl stolz den Stellenwert der Veranstaltung in der 1200 Jahre alten württembergischen Kleinstadt Bietigheim. Irina Mikitenko gegen Luminita Zaituc, Susanne Ritter und Petra Wassiluk bei den Frauen, die Marathon-Bestenlisten-Führenden Carsten Schütz und Martin Beckmann gegen Hindernismeister Filmon Ghirmai und die aus Äthiopien stammenden in Deutschland lebenden Terefe Desaleng und Gamachu Roba – ein Feld vom Feinsten, das sich ein Veranstalter nur leisten kann, wenn die heimische Industrie bestens aufgestellt ist. Angeführt von der Nobelmarke Porsche fließt entsprechend auch viel Gewerbesteuer in die Stadtsäckel von Bietigheim-Bissingen, das als eine der wenigen deutschen Städte von sich sagen kann, es sei schuldenfrei – und sich zum Dank an den wichtigsten Arbeitgeber ein Feuerwehrauto Marke Porsche leisten kann....

Irina Mikitenko: „Gute Basis für die Olympiasaison!“

Auch wenn der Bietigheimer Silvesterlauf nur eine Momentaufnahme im Wintertraining für die vielen Spitzenläufer sein kann, es gab im weiten Rund der Enzauen viele zufriedene Gesichter und hoffnungsfrohe Gedanken an das in jeder Hinsicht ereignisreiche Jahr 2004. Allen voran Irina Mikitenko, die in einem eher verkorksten Jahr mit vielen Verletzungen sich mit einer eindrucksvollen Laufdemonstration zurück in die Szene melden konnte. „Ich habe in Flagstaff sehr gut trainiert“ bekannte die Olympiafünfte von Sydney frei heraus. „Und bin aktuell schmerzfrei“ fügte die Weltklasseläuferin aus dem hessischen Hassenroth bei Gelnhausen sichtlich erleichtert hinzu. Nach Wochen intensiven Trainings weiss die gebürtige Kasachin, wo sie an der Schwelle zur Olympiasaison steht. „Ich bin auf der profilierten Strecke glatte 32:00 Minuten durchgelaufen. Das ist doch nicht schlecht, wenn man derzeit 160 Wochenkilometer läuft?“ fragt sie zur Bestätigung in die Runde. „Mir fehlen zwar noch die Tempoläufe, aber die Basis ist eine sehr gute. Heute hätte ich schon noch schneller laufen können!“ Brauchte sie aber nicht, denn die gewiss hochkarätige Konkurrenz folgte mit merklich anwachsendem Rückstand. Mit 34:19 Minuten lief Irina zudem einen phantastischen Streckenrekord, den bislang Luminita Zaituc mit 36:05 gehalten hatte.

Das Duell um Rang zwei sicherte sich überraschend Susanne Ritter, der aufgrund einer Pollenallergie ihre Schwerpunkte auf die Wintersaison zwangsläufig verlegen muss – und auch noch unter dem bisherigen Kursrekord blieb. Und zwar dies gegen keine Geringere als ihre prominente Teamkollegin der LG Braunschweig, Luminita Zaituc, der Europameisterschaftszweiten von München und Frankfurt-Marathon-Siegerin 2003. „Das ist doch ein super Jahresausklang!“ freute sich die 25jährige Susanne Ritter im Ziel. Zwar hatte sie auf die deutsche Vorzeigeläuferin Irina Mikitenko einen beträchtlichen Rückstand, doch das wog angesichts ihres überraschenden Erfolges über „Lumi“ ungleich schwerer. „Mein Fokus ist auf die Cross-Weltmeisterschaften in Brüssel und auf den 24. Bewag BERLINER HALBMARATHON am 04.04.04 gerichtet – dann werde ich mich auf meine Examensarbeit konzentrieren und das Laufen folgt erst an zweiter Stelle!“

Doch auch Luminita Zaituc zeigte sich nicht unzufrieden. Schließlich musste sie nach ihrem Sieg beim Frankfurt-Marathon Ende Oktober erst eine regenerative Trainingspause einlegen, um für den Start in die Olympiasaison entsprechend gerüstet zu sein. „Das war heute mein erster Tempolauf seit meinem Wiedereinstieg ins Training – und dafür lief es doch schon sehr ordentlich. Ich bin gerade vier Sekunden langsamer als vor einem Jahr gelaufen, da war ich trainingsmäßig schon viel weiter.....!“

Den kompletten Braunschweiger Erfolg sicherte sich die Hindernis-Jahresbeste Birte Bultmann auf Rang vier. Stark aber auch die besten Läuferinnen der Region, schließlich schaffte mit Stephanie Maier die Freundin des Männer-Zweiten Martin Beckmann den fünften Platz vor der für den VfL Waiblingen startenden Christine Schleifer. Erst dahinter die Tschechin Jana Bauckmannova, die für den ortsansässigen Verein LG Neckar-Enz startet. Die zweifache Olympiateilnehmerin und Silvesterlauf-Siegerin 2001 Petra Wassiluk läuft nach ihrem offiziellen Rücktritt natürlich längst nicht mehr so stark wie früher und landete etwas anonym als Neunte im großen Verfolgerfeld.

Carsten Schütz: „Selten so euphorische Zuschauer gesehen!“

Ähnlich klar wie bei den Frauen dominierte auch der deutsche Marathon-Ranglistenerste Carsten Schütz das Renngeschehen bei den Männern. Nach einer Runde hatte sich der Wattenscheider von seinen hartnäckigen Verfolgern Martin Beckmann und Dominik Burkhardt schon lösen können, andere wie der Silvesterlaufsieger von 2000, Terefe Desaleng waren schon deutlich abgeschlagen. Mit 31:20 lief Carsten Schütz auch einen neuen Kursrekord, den bislang der Algerier Zouhair Querdi bei seinem Vorjahressieg in 31:32 fixiert hatte. „Ich habe selten so euphorische Zuschauer gesehen“, wunderte sich der Wattenscheider über die Begeisterung der Bietigheimer am Streckenrand. Aber auch über seine Form zum Jahreswechsel. „Ich bin aber auch von mir begeistert! Das hätte ich nun wirklich nicht erwartet!“

Sehr zur Freude der Zuschauer holte sich Martin Beckmann Rang zwei vor Dominik Burkhardt und Terefe Desaleng. Als „Gewächs der Region“ gab es natürlich viele persönliche Anfeuerungsrufe für den Leinfelder, der im Vorjahr überraschend deutscher Marathonmeister in Berlin werden konnte und als Hoffnungsträger der längsten olympischen Distanz gilt. „Ich bin natürlich super zufrieden. Angesichts des Starterfeldes hatte ich mich schon abgefunden, dass ich eventuell hier nur als Fünfter oder Sechster einlaufen würde. Aber ich bin hier volle ‚Kanne’ angelaufen und es hat sich gelohnt: Platz zwei ist natürlich meine absolute beste Platzierung!“

Wilfried Raatz
 
 
 
 

Ergebnisse: 23. Bietigheimer Silvesterlauf (10,71 km):
Männer: 1. Carsten Schütz (TV Wattenscheid) 31:20, 2. Martin Beckmann (LG Leinfelden-Echterdingen) 31:47, 3. Dominik Burkhardt 31:51, 4. Terefe Desaleng (beide LG Eintracht Frankfurt) 32:21, 5. André Green (LG Wedel-Pinneberg) 32:31, 6. John Schondelmayer (Sparda-Team Rechberghausen) 32:36, 7. Filmon Ghirmai (LAV Tübingen) 32:37, 8. Gamachu Roba (Eth/ ASC Darmstadt) 32:48, 9. Matthias Weippert (LAV Rostock) 32:58, 10. Holger Freudenberger (SG Walldorf Astoria) 33:26. Frauen: 1. Irina Mikitenko (LG Eintracht Frankfurt) 34:19, 2. Susanne Ritter 35:59, 3. Luminita Zaituc 36:09, 4. Birte Bultmann (alle LG Braunschweig) 37:14, 5. Stephanie Maier (LG Leinfelden-Echterdingen) 37:31, 6. Christine Schleifer (VfL Waiblingen) 38:03, 7. Jana Bauckmannova (Tschechien) 38:30, 8. Jeannine Hagedorn (TSV Bayer Leverkusen) 38:35, 9. Petra Wassiluk (LG Eintracht Frankfurt) 38:40, 10. Anja Schnabel (LAZ Salamander Kornwestheim) 39:04, 11. Jeannette Vrga (ASC Darmstadt) 39:10, 12. Katrin Knoke (TV Wattenscheid) 40:04.


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