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TROTZ SPORTBEGEISTERUNG BEWEGEN SICH HERANWACHSENDE ZU WENIG

EU-Studie belegt, dass immer mehr Kinder übergewichtig sind

05.01.2004

Trotz der vielfältigen positiven Auswirkungen auf die Entwicklung bewegen sich Kinder und Jugendliche immer weniger. Der passive Lebensstil sowie falsche Ernährung und gesteigerter Medienkonsum führen zu einer Verbreitung von Übergewicht bei Heranwachsenden.
EU-Studie belegt, dass immer mehr Kinder übergewichtig sind.

Forschungsstudie der EU im Rahmen des Europäischen Jahrs der Erziehung durch Sport 2004
Zu diesem Ergebnis kommen die Sportwissenschaftler Prof. Dr. Wolf-Dietrich Brettschneider von der Universität Paderborn und Prof. Dr. Roland Nau von der Universität Duisburg-Essen als Leiter einer europaweiten Forschungsstudie der EU im Rahmen des Europäischen Jahrs der Erziehung durch Sport 2004.

"Anstelle von Obst und Gemüse ernähren sich viele Kinder und Jugendliche heute vor allem von Fastfood und Süßgetränken"
Der Fakt, dass immer mehr Kinder und Jugendliche übergewichtig sind, ist längst bekannt. Zu den Ursachen zählen falsche Ernährung und ein steigender Medienkonsum. Anstelle von Obst und Gemüse ernähren sich viele Kinder und Jugendliche heute vor allem von Fastfood und Süßgetränken.

Passiver Lebensstil
Doch die vermehrte Energieaufnahme ist nicht die alleinige Ursache von Übergewicht. Hinzu kommt ein passiver Lebensstil, der sich immer mehr ausbreitet und mit dem die Energieaufnahme nicht kompensiert werden kann. Hier spielt der Medienkonsum eine wichtige Rolle, zu dem neben dem Fernsehen immer mehr die Computernutzung hinzukommt.
Inzwischen nutzen bereits 70 Prozent der Kinder den Computer intensiv in ihrer Freizeit, 1998 waren es nur 48 Prozent. In Bezug auf den Fernsehkonsum verbringt allein an den Wochenenden die Hälfte der europäischen Kinder und Jugendlichen mehr als 4 Stunden vor dem TV-Gerät.

Übergewicht, falsche Ernährung und Bewegungsarmut sind besonders bei sozial schwachen Familien anzutreffen.
Überraschend ist jedoch, dass Kinder und Jugendliche heute in ihrer Freizeit durchschnittlich nicht weniger sportlich aktiv sind als ihre Altersgenossen früherer Generationen.
In den Ländern mit einem gut ausgebauten Netz von Sportvereinen außerhalb der Schule ist die sportliche Betätigung der Kinder und Jugendlichen im Verein nach wie vor groß. Allerdings haben sich die Lebensumstände so verändert, dass immer weniger Kinder im Freien spielen, zu Fuß zur Schule gehen oder mit dem Rad fahren.

Die Bewegungs- und freien Spielzeiten der Kinder sind dadurch deutlich zurückgegangen. Eltern fahren ihre Kinder heute selbst über kürzere Strecken zur Schule, und auch zu den Sportstätten werden Kinder mit dem Auto gebracht. Das führt dazu, dass bei den meisten Kindern und Jugendlichen die "Sitzzeit" im Auto oder Bus in der Woche manchmal doppelt oder dreifach so hoch ist wie ihre Bewegungszeit. Auf diese Weise ist es selbst mit einer hohen Sportpartizipation kaum möglich, den Bewegungsmangel im Alltag zu kompensieren, resümieren die Wissenschaftler.
Einen weiteren negativen Faktor sieht Brettschneider in der europaweiten Tendenz, den Sportunterricht in der Schule immer mehr zu kürzen.

Auch das soziale Milieu hat einen großen Einfluss auf den Lebensstil der Kinder und Jugendlichen.
Die Sportwissenschaftler kommen in ihrer Studie zu dem Ergebnis, dass das soziale Milieu immer mehr zu einer Polarisierung zwischen Kindern mit aktivem und inaktivem Lebensstil führt. Übergewicht, falsche Ernährung und Bewegungsarmut sind besonders bei sozial schwachen Familien anzutreffen.

Sportlich aktive Kinder zeigen bessere Schulleistungen
Zugleich belegt die Studie auch die positiven Auswirkungen von Sport und Bewegung auf die Entwicklung der Kinder. Brettschneider betont, dass sportlich aktive Kinder bessere Schulleistungen zeigen, sozial integrierter, stressresistenter und ausgeglichener sind als inaktive Gleichaltrige.
Daher fordern die Professoren Brettschneider und Naul eine vernetzte Interventionsstrategie, die alle Lebensbereiche von Kindern und Jugendlichen einbeziehen, das heißt das Elternhaus, die Schule, Sport- und Jugendclubs sowie das Wohnumfeld. Neben einer kognitiven Aufklärung empfehlen die Wissenschaftler vor allem eine emotionale Ansprache der Kinder und Jugendlichen.
Auf politischer Ebene fordern Brettschneider und Naul eine angemessene Aufklärung im Bereich Ernährung und eine verstärkte Thematisierung des Problems Übergewicht im Fernsehen und Internet.

Quelle:
www.dsb.de


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