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Herms vor Motchebon über 800 m bei den Deutschen Hallenmeisterschaften

Der neue Deutsche Hallen-Meister über 1500 m heißt Franek Haschke

23.02.2004

Am zweiten Tag der Deutschen Hallenmeisterschaften der Leichtathleten in Dortmund standen die Mittelstrecken auf dem Programm. Dabei verteidigte über 800 Meter René Herms seinen Titel. Herms übernahm frühzeitig die Initiative, gefolgt von Nico Motchebon, der sich überraschend stark präsentierte. Am Ende aber konnte der deutsche 800-m-Hallenrekordler Motchebon Herms nicht gefährden. Der für die LG Asics Pirna startende Herms lief 1:47,84 Minuten, Motchebon, der für LAZ Salamander Kornwestheim läuft, benötigte 1:48,54.

“Die Meisterschaft habe ich aus dem vollen Training heraus bestritten. Durch meine Zeit bei der Bundeswehr fehlen mir zurzeit die Grundlagen. Deswegen bin ich froh, dass die Hallensaison für mich jetzt vorbei ist. Denn sehr viel mehr Rennen auf diesem Niveau hätte ich nicht mehr bestreiten können“, erklärte René Herms. Pech hatte Nico Motchebon im Vorfeld der Titelkämpfe. “Ich war sehr gut in Form, dann habe ich mir leider einen Muskelfaserriss zugezogen“, erklärte der frühere Hallen-WM-Dritte über 800 m und Olympiavierte von 1996. Angesichts des Handicaps schlug sich Nico Motchebon achtbar.

Monika Gradzki zeigte über 800 m der Frauen ihre Ambitionen. Alleine allerdings konnte sie im Finale von Dortmund nicht zur Norm für die Hallen-Weltmeisterschaften von Budapest laufen. 2:02,00 Minuten waren gefragt, die Saisonbestleistung der Mittelstreckenläuferin des TV Wattenscheid war nur eine Hundertstelsekunde langsamer als dieser Richtwert. Beim Europacup in Leipzig war sie damit auf Platz fünf gerannt. Jetzt gewann sie zum ersten Mal einen Titel bei den Deutschen Meisterschaften. In Dortmund reichten dafür 2:05,51 Minuten.

Die ersten Zwischenzeiten dieses 800-m-Finales liefen in Richtung Norm. Etwas Unterstützung schien Monika Gradzki zunächst von ihrer Vereinskameradin Janina Goldfuß zu bekommen, die später das Rennen vorzeitig aufgab. Doch schon an der 200-m-Marke lag die Favoritin in Führung. Mit 29,19 Sekunden hatte sie eine flotte erste Runde hingelegt. Bei der Hälfte der Distanz lag sie knapp außerhalb des Norm-Fahrplans mit 1:01,31 Minuten. Doch es war absehbar, dass es mit der Richtzeit in diesem Rennen nichts werden kann. Schließlich hob sich Monika Gradzki offensichtlich auch noch etwas Kraft auf, um am Ende nicht überspurtet zu werden. 600 Meter passierte sie dann nach 1:34,73 Minuten. Und im Schlussspurt war sie auf den letzten 200 Metern souverän gegen Simone Beutelspacher (VfL Sindelfingen), die in 2:06,39 Minuten Zweite wurde. “Die Zeit war sehr bescheiden. Ich hätte selbst angreifen müssen, aber zurzeit fehlt mir ein bisschen die Schnelligkeit. Es ging eigentlich nur um den Titel“, erklärte Simone Beutelspacher später. Katrin Judith Trauth (SC Magdeburg) lief auf Rang drei in 2:07,74 Minuten.

“Das ist mein erster Titel, der fühlt sich gut an. Ich war zum ersten Mal auf einer Ehrenrunde, das ist toll“, schilderte die Siegerin später ihre Eindrücke. “Ich hoffe, ich kann diesen Erfolg wiederholen.“ Vielleicht kann Monika Gradzki im Sommer tatsächlich die deutsche 800-m-Szene beleben und zumindest die Lücke zwischen Claudia Gesell und dem Rest des Feldes weiter verkleinern.

Da die IAAF-Norm für die Hallen-WM in Budapest mit 2:04,00 Minuten Spielraum lässt, war damit zu rechnen, dass Monika Gradzki für die Telkämpfe nominiert wird. “Ich hoffe natürlich auf einen Start bei der Hallen-WM. Rüdiger Nickel hat mir gesagt, ich müsse aber noch ein bisschen zittern“, sagte die Wattenscheiderin.

Der neue Deutsche Hallen-Meister über 1500 m heißt Franek Haschke. Der Läufer der LG Asics Pirna, im Vorjahr noch geschlagen von Wolfram Müller, war im Spurt nicht zu schlagen und gewann in 3:50,02 Minuten. Der Anfang des Rennens war allerdings weniger souverän. Fast wäre Franek Haschke gestürzt. “Aber ich habe mich davon nicht verrückt machen lassen, weil ich wusste, dass ich stark bin“, erklärte er später und fügte hinzu: “Ich war mir sicher, dass die anderen auf den letzten 200 Metern keine Chance haben würden.“ Entsprechend war der Rennverlauf. Franek Haschke wartete ab. Die Führungsarbeit leistete fast durchweg Said Lakhal (VfL Sindelfingen), der am Ende auf Rang drei lief in 3:50,72 Minuten. In verhaltenem Tempo waren die 400 m nach 1:02,04 und die 800 m nach 2:05,64 Minuten gelaufen. Doch erst in der Schlussrunde kam dann der Angriff von Franek Haschke.

In provozierender Manier zog Franek Haschke 100 Meter vor Schluss an Said Lakhal vorbei und überzog dabei für manchen Geschmack die Grenzen der Fairness. Am Ende hätte es ihn fast noch selbst erwischt. Denn bei dem insgesamt langsamen Rennen kam Christian Knoblich (LAC Quelle Fürth) noch stark von hinten auf. Er schob sich auf der Zielgeraden fast noch an Haschke vorbei und wurde mit nur sechs Hundertstelsekunden Rückstand Zweiter.

Die Hallen-WM-Norm war kein Thema für Franek Haschke, dessen Saisonbestzeit von 3:45,77 Minuten deutlich über der Norm (3:40 Minuten) lag. “Mit dem Thema Olympische Spiele beschäftige ich mich erst mal noch nicht – jetzt kommt erst einmal Urlaub und dann beginnt das Training für Athen.“

Bei den Frauen sicherte sich Kathleen Friedrich souverän den Titel in 4:18,00 Minuten. Nicht gefordert von der Konkurrenz war es ein 1500-m-Finale auf sehr schwachem Niveau. Rang zwei ging an Juliane Becker (LAC Quelle Fürth/4:20,14), Dritte wurde Antje Möldner (SC Potsdam/4:20,43).


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