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Eine Familienangelegenheit: Horst übergibt an Mark Milde

12.03.2004

Es war vor fast 40 Jahren im Grunewald, als der damals 26-jährige Horst Milde den ersten Berliner Volkslauf startete. Dass an jenem 8. November 1964 über 700 Läufer bei dem Crossrennen am Teufelsberg starteten, galt damals als eine Sensation. Denn Läufe für Jedermann hatte es vorher nicht gegeben. Es war nun wieder im Grunewald, aber in anderer Umgebung im Forsthaus Paulsborn, als Horst Milde am Donnerstagabend seinen Rücktritt als Race-Director der SCC-RUNNING Events GmbH bekannt gab. Zugleich gab er den Staffelstab innerhalb der Familie weiter, denn der neue Cheforganisator ist sein 30-jähriger Sohn Mark.

Horst Milde – bekannt als ,Der Mann, der Berlin das Laufen beibrachte’ – hat eine Erfolgsgeschichte geschrieben, die einmalig ist in Deutschland und auch international kaum zu übertreffen ist. Seit jenem ersten Crossrennen 1964 starteten Horst Milde und sein Organisationsteam genau 348 Lauf-Events, bei denen exakt 1.268.649 Anmeldungen registriert wurden. Längst ist aus dem rein ehrenamtlichen Organisationsstab ein professionelles Unternehmen geworden, das aber natürlich nach wie vor auf großen ehrenamtlichen Einsatz angewiesen ist. Horst Milde selbst hatte erst vor wenigen Jahren, nach der Aufgabe der familieneigenen Konditorei am Tempelhofer Damm, begonnen, die Leitung der über ein Dutzend jährlichen Laufveranstaltungen zu seinem Beruf zu machen. Bis Ende Januar war er auch Geschäftsführer von SCC-Running.

Die Entwicklung der letzten Jahre war enorm. 2003 zählte der Veranstalter die Rekordzahl von 123.778 Anmeldungen. Derartige Zahlen werden weltweit nur vom New York Road Runner’s Club, der unter anderem den legendären New-York-Marathon organisiert, noch übertroffen. Der Teilnehmerzuwachs in Berlin betrug in den letzten fünf Jahren rund 95 Prozent.

Vor allen Dingen ist es natürlich der BERLIN-MARATHON, den Horst Milde zu einem der hochkarätigsten und spektakulärsten internationalen Straßenrennen machte. Eckpunkte in der Entwicklung waren dabei der erste Lauf durch Ost und West am 30. September 1990, als drei Tage vor der deutschen Wiedervereinigung 25.000 Athleten durch das Brandenburger rannten, sowie neun Jahre zuvor der erste Lauf durch die City von West-Berlin. Zuvor hatte das Rennen sieben Mal am Grunewald stattgefunden. Doch mit dem ersten Laufboom in den 80er Jahren setzte sich Horst Milde mit seinem Ziel durch, in Berlin einen Stadtmarathon zu etablieren. „Die Straßen sind für die Autos da“, musste sich Horst Milde damals von der Polizei sagen lassen, als er den Streckenverlauf vorstellte. Doch mit Hilfe der US-amerikanischen Alliierten setzte er einen Kurs durch, der am Checkpoint Charlie vorbeiführte und auf dem Kurfürstendamm endete. So konnte sich der BERLIN-MARATHON zu einem der besten Werbeträger der Stadt entwickeln.

„Für mich war es wichtig, dass eine personelle Struktur bestehen bleibt, mit der es ohne weiteres möglich sein wird, den erfolgreichen Weg fortzusetzen. Mit meinem Sohn an der Spitze bin ich sehr optimistisch – es ist eine Traumlösung für mich“, erklärte Horst Milde, der in den neu formierten Aufsichtsrat wechseln wird. „Ich werde natürlich dem Team weiter beratend zur Seite stehen.“

Die Geschäftsführung bei SCC-RUNNING hat Rüdiger Otto übernommen. Der 64-Jährige war 25 Jahre lang in dieser Funktion beim Gerling-Konzern in Berlin tätig. Otto ist zudem Schatzmeister des SC Charlottenburg, dem Gesellschafter der SCC-RUNNING Events GmbH. Aufgrund des familiären Hintergrundes ist Mark Milde schon seit über zwei Jahrzehnten in die Organisation des BERLIN-MARATHON integriert. Als Kind half er in der Startnummernausgabe aus, seit einigen Jahren ist er mit großem Erfolg für die Verpflichtung der Topathleten zuständig. In den letzten sechs Jahren wurden in Berlin vier Marathon-Weltrekorde gelaufen. Außerdem war es Mark Milde, der die Rennen der Inline-Skater initialisierte. Das Organisationstalent liegt offensichtlich in der Familie – einen besseren Übergang hätte es in der Position des Race-Directors nicht geben können.


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