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Benita Johnson: „Die Afrikanerinnen sind zu schlagen“

Die Misere der deutschen Läufer wurde bei der Cross-WM einmal mehr offensichtlich

23.03.2004

Benita Johnson gab ein gutes Beispiel. In Abwesenheit von Paula Radcliffe zeigte die Australierin, dass nicht nur die britische Marathon-Weltrekordlerin in der Lage ist, als weiße Athletin mit den besten Afrikanerinnen mitzuhalten. Benita Johnson sorgte für die größte Überraschung bei den Cross-Weltmeisterschaften am vergangenen Wochenende und für einen Schock bei den favorisierten Läuferinnen aus Kenia und Äthiopien. Denn die 27-Jährige gewann Gold auf der 8-km-Langstrecke. Zum ersten Mal überhaupt hat Australien eine Medaille bei einer Cross-WM gewonnen.

In der Historie dieser Titelkämpfe, die 1973 begann, gab es auch deutsche Erfolge. Doch diese liegen inzwischen schon rund ein Vierteljahrhundert zurück. 1980 gewann Hans-Jürgen Orthmann Silber, drei Jahre zuvor war Detlef Uhlemann auf Rang drei gelaufen. Das war freilich zu einer Zeit, als die Afrikaner noch keine große Rolle spielten bei diesen Titelkämpfen. In anderer Funktion war Uhlemann am vergangenen Wochenende wieder im Einsatz bei einer Cross-WM: als Trainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Viel zu tun hatte er in Brüssel allerdings nicht. Denn das deutsche Team bestand aus einer einzigen Athletin: Susanne Ritter (LG Braunschweig). Die 25-Jährige, die am 4. April beim Bewag BERLINER HALBMARATHON starten wird, schlug sich außerordentlich achtbar in dem hochkarätig besetzten 8-km-Rennen und lief auf Rang 23. Doch dieser Lichtblick kann an der Situation nicht viel ändern. Es sein kein gutes Gefühl gewesen, in Brüssel als einzige deutsche Starterin zu laufen, erklärte Susanne Ritter. „Es hängt dann alles an einem alleine. Man kann sich auch nicht gegenseitig motivieren“, sagte die Braunschweigerin.

Dass Deutschland mit lediglich einer einzigen Läuferin ins Nachbarland zur Crosslauf-Weltmeisterschaft gefahren ist, spiegelt die Situation so wider wie sie ist. Während die großen deutschen Straßenläufe, allen voran der real,- BERLIN-MARATHON, seit Jahren boomen, entwickelt sich die Spitze in die entgegengesetzte Richtung. Die besten deutsche Läufer entfernen sich mehr und mehr von der Weltspitze. Bei den Männern wurde dies schon während der Ära Dieter Baumann offensichtlich. Bei den Frauen, die in den 90er Jahren mit Uta Pippig und Katrin Dörre-Heinig international außergewöhnlich erfolgreiche Marathonläuferinnen hatten, geht es inzwischen in die selbe Richtung. Die beiden Medaillen im EM-Marathon von München 2002, wo die Braunschweigerin Luminita Zaituc Zweite und die Leverkusenerin Sonja Oberem Dritte wurde, haben keinerlei positive Impulse gebracht.

Doch wie erklärt sich dieser Neidergang? Zu wenig Bereitschaft zu hartem und umfangreichem Training wird deutschen, aber auch anderen europäischen Läufern immer wieder vorgehalten. Und daran ist sicherlich etwas dran. Hinzu kommen offensichtlich auch falsche Prioritäten. Eine Woche vor der Cross-WM fanden die Deutschen Halbmarathonmeisterschaften statt. Dadurch kam für eine ganze Reihe der zurzeit stärksten deutschen Läufer von vornherein ein Start bei der Cross-WM nur eine Woche später nicht in Frage. Dabei wäre der internationale Vergleich in Brüssel viel wertvoller, allerdings auch härter gewesen. Susanne Ritter entschied sich für die Cross-WM. „Einen solchen Start kann ich nur empfehlen. Das härtet ab und bringt internationale Erfahrung.“ Die 25-Jährige geht auch am 4. April der internationalen Konkurrenz nicht aus dem Weg, wenn sie beim Bewag BERLINER HALBMARATHON startet, um sich dort für die Halbmarathon-WM zu qualifizieren.

Isabelle Baumann, die frühere Bundestrainerin und Ehefrau von Dieter Baumann, hat vor zehn Jahren versucht, die Fehlentwicklung zu korrigieren. Mit Hilfe der Erfolge ihres Mannes machte sie sich stark für das Crosslaufen. Doch ihr Einsatz ist verpufft. In Deutschland wird nicht erkannt, was in anderen europäischen Ländern wie Spanien oder Großbritannien erfolgreich praktiziert wird: Hartes Crosslauf-Training in der Wintersaison bringt die nötige Grundlage für Erfolge auf den Langstrecken im Sommer. Wenn man dann noch hört, dass es Manager gibt, die ihre deutschen Athleten nur zu Straßenläufen schicken, wenn vorher mit den Veranstaltern abgesprochen wird, dass eventuell konkurrierende Afrikaner nicht gewinnen dürfen, wundert man sich über gar nichts mehr.

Wahrscheinlich haben die meisten deutschen Läufer, Trainer und Funktionäre längst den Glauben daran verloren, dass es möglich sein kann, international mitzuhalten. So gesehen war der Lauf der Susanne Ritter in Brüssel einiges wert. Noch mehr aber der von Benita Johnson, die im vergangenen Jahr bereits Dritte bei der Halbmarathon-WM war. „Die Afrikanerinnen trainieren sehr hart. Und sie haben sich jeden ihrer vielen Erfolge verdient“, sagt die Australierin. „Aber wir sind auch in der Lage mitzuhalten und sie sogar zu schlagen. Wenn wir genauso hart trainieren, dann haben wir eine Chance.“


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