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Kenias Läufer-Stars: Wenn die Konkurrenz nur noch schwarz sieht

03.04.2004

Nichts spricht dafür, dass am Sonntag die Erfolgsserien der Kenianer enden könnten. Wenn um 10.40 Uhr die 24. Auflage des Bewag BERLINER HALBMARATHON Unter den Linden gestartet wird, dann wäre alles andere als ein erneuter Sieg der Läufer aus Ostafrika eine große Überraschung. In den letzten sechs Jahren kam nur einmal ein Sieger des größten deutschen Halbmarathons nicht aus Kenia. Um 2001 zu gewinnen, musste der Spanier Fabián Roncero allerdings einen Europarekord aufstellen, der heute noch gilt (59:52 Minuten). Bei den Frauen ist Kenias Erfolgsserie nicht minder eindrucksvoll: Die letzten fünf Siegerinnen des Bewag BERLINER HALBMARATHON kamen alle aus Kenia.

Der Bewag BERLNERIN HALBMARATHON ist dabei keine Ausnahme. Die Veranstaltung spiegelt die Kräfteverhältnisse im internationalen Straßenlauf sehr realistisch wider. Kenia baut dabei seine Vormachtstellung immer weiter aus. Dies gilt vor allem für die Männer. Im Jahr 2002 wurden weltweit gut 1000 Marathon-Zeiten unter 2:20 Stunden gelaufen – rund ein Drittel davon erzielten die Kenianer alleine. 25 Läufer blieben 2003 unter der Marathon-Weltklassezeit von 2:08 Stunden, 15 von ihnen sind Kenianer. Im Halbmarathon erreichten im vergangenen Jahr 19 Läufer Zeiten von unter 61 Minuten. Nur vier kommen nicht aus Kenia. Zum Vergleich: die deutsche Jahresbestzeit im Halbmarathon stand 2003 bei 63:32 Minuten.

Doch woher kommt diese Überlegenheit der Läufer, die aus einem Entwicklungsland stammen und so gut wie allen Konkurrenten voraus sind? Es ist eine Kette von Gründen, die den Erfolg der Athleten erklären. Interessante Ansätze werden in dem englischen Dokumentarfilm „Race for Kenya“ dargestellt, in dem Insider zu Wort kommen. Die einfachen sozialen Verhältnisse und die Art und Weise, wie die Kinder im Hochland aufwachsen, spielen natürlich eine Rolle. Viele Läufer haben als Kinder unbewusst eine Grundlage gelegt für ihr späteres Leistungsvermögen. Kilometerlange Wege zur Schule werden zu Fuß zurückgelegt, oft im Lauftempo. Die dünne Höhenluft, die sich bei Ausdauerathleten leistungsfördernd bemerkbar machen kann, wenn sie in der Höhe trainieren, atmen kenianische Läufer ihr ganzes Leben ein. Denn die meisten von ihnen stammen aus dem Gebiet um Eldoret im Hochland.

Über eventuelle genetische Vorteile afrikanischer Athleten ist schon viel spekuliert worden. Ein schwedischer Wissenschaftler erklärt, dass auch dieser Faktor eine Rolle spielen kann. Er hat herausgefunden, dass kenianische Läufer über eine andere Muskelstruktur verfügen. Das soll zur Folge haben, dass ihre Muskulatur weniger schnell ermüdet. Dagegen geht man davon aus, dass Doping bei kenianischen Topläufern so gut wie keine Rolle spielt. Es gab allerdings auch schon positive Tests kenianischer Athleten.

Der wichtigste Faktor für den Erfolg ist nach wie vor hartes Training. Die Chance, sich durch Erfolge im Sport einen deutlich besseren Lebensstandard erarbeiten zu können, ist eine zusätzliche Motivation. Diese Punkte machen den großen Unterschied zwischen kenianischen und deutschen Läufern aus. So sieht es auch Tegla Loroupe, die beim BERLIN-MARATHON 1999 den Marathon-Weltrekord brach und in Kenia zu den populärsten Laufstars gehört. „In Deutschland haben die Sportler sehr gute Rahmenbedingungen. Sie haben alles was sie brauchen, um erfolgreich zu sein. Doch es gibt nur sehr wenige, die hart trainieren und Erfolg haben. Die meisten machen einfach zu wenig.“


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