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10 000 m-Challenge ohne Glanz

José Manuel Martinez und Fernanda Ribeiro gewinnen 8. European Challenge in Maribor – Erstmals deutsche Abstinenz

06.04.2004

Für nur wenige der europäischen Spitzenläufer gehört diesmal die längst etablierte European 10 000 m-Challenge in Maribor zum “Muss“ auf dem Weg nach Olympia. Ganz im Gegensatz zum Event der vergangenen Jahre fehlte heuer im Tabor Sport Park in der zweitgrößten Stadt Sloweniens der Stellenwert, den die stets in der frühen Saison platzierte 10 000 m-Challenge als Qualifikationslauf für Welt- oder Europameisterschaften seit ihrer Installation vor nunmehr acht Jahren besaß. Der Glanz der vergangenen Jahre mit Starts der europäischen Topathleten wie Paula Radcliffe, Dieter Baumann oder José Rios wirkt zweifellos nach, aber der Europäische Leichtathletik-Verband hat mit der Vergabe dieser inoffiziellen Europameisterschaft außerhalb der iberischen Halbinsel nicht unbedingt das Glück des Tüchtigen, denn nach Camaiore (2002) und Athen (2003) ist mit dem vornehmlich im alpinen Skisport bekannten Maribor der vorläufige sportliche Tiefpunkt erreicht. Alleine Mihaela Botezan, Fernanda Ribeiro und José Manuel Martinez aus der ersten Garde des alten Kontinents unterstrichen durch ihre Präsenz die Sonderstellung, wenngleich die Siegerzeiten mit 32:01,0 der kenianischen Französin Margaret Maury und 28:11,1 des 10 000 m-Europameisters Martinez nahezu alle Wünsche offen ließen.

Ähnlich wie im italienischen Camaiore vor zwei Jahren, als Dieter Baumann und José Rios ein furioses Finale hinlegten, trennten zwar auch in Maribor mit José Manuel Martinez und dessen spanischen Landsmann Carlos Castillejo zwei Läufer nur einen Schritt, nur waren die Endresultate seinerzeit in der Toskana fast eine halbe Minute schneller. Mit 28:11,1 und 28:11,3 Minuten gab es zudem die schwächsten Resultate der letzten Jahre überhaupt. Auch Kamiel Maase, Dritter der Challenge 2001 in Barakaldo, lag mit 28:20,3 deutlich über seiner Bestmarke – und damit auch den Olympiaanforderungen über der 25-Runden-Distanz. Für den 10 000 m-Europameister José Manuel Martinez wird nach seinem nicht sonderlich erfolgreichen Abstecher auf die Marathondistanz in Tokio mit 2:13:14 die Zeit gewiss etwas knapp, währenddessen José Rios inzwischen auch nach seinem Marathonsieg im japanischen Otsu mit 2:07:42 eine weitere Option hat. Auch Vorjahressieger Ismail Sghyr zog einen Marathonstart in Paris der 10 000 m-Challenge vor. Aber auch die komplette portugiesische Elite fehlte diesmal, die zusammen mit den spanischen Langstrecklern gerade diesen Wettkampf mit starken Leistungen nachhaltig befruchteten.

Zwar waren mit Mihaela Botezan die Challenge-Siegerin von Camaiore und der inzwischen allerdings in die Jahre gekommene frühere Olympiasiegerin Fernanda Ribeiro als “Titelverteidigerin“ zwei prominente Läuferinnen am Start in Maribor, doch sie konnten weder den nötigen Druck für eine Endzeit unter 32:00 Minuten erzeugen noch Margaret Maury bei ihrer letztlich souveränen Vorstellung gefährden. Die seit zwei Jahren durch ihre Heirat für Frankreich startberechtigte Margaret Kerubo setzte sich deutlich in sogar Hausrekord von 32:01,0 Minuten gegen Mihaela Botezan (32:15,4) und Fernanda Ribeiro (32:23,1) durch, dagegen hatte die im Vorjahr noch so stark auftrumpfende Cross-Europameisterin Helena Javornik bei ihrem Heimspiel mit 32:31,4 keine Chance.

Deutsche Läufer fehlten diesmal gänzlich, obgleich gerade in der Vergangenheit insbesondere Dieter Baumann oder Irina Mikitenko mit einem Start bei der Challenge den rechten Einstieg in die Saison schaffen konnten und gerade die Bedeutung dieses Frühjahrskriteriums hervorzuheben wussten. Gerade für die sogenannte zweite Reihe hätte sich hier eine ideale Wettkampfgelegenheit angeboten. Stattdessen gehen die zugegeben wenigen deutschen Läufer mit Perspektiven wie auch schon zwei Wochen zuvor bei der Cross-Weltmeisterschaft in Brüssel einer internationalen Standortbestimmung aus dem Wege und trainieren “im stillen Kämmerlein“ auf ein oftmals nicht näher definiertes (realistisches) Ziel hin. Verständlich hingegen, dass Sabrina Mockenhaupt nach zwei Negativerlebnissen bei Challenge-Auflagen diesmal ein Höhentrainingslager in Flagstaff dem Start vorzog. Sie wird zusammen mit Irina Mikitenko, mit der sie übrigens derzeit im US-Laufeldorado trainiert, die Olympianorm über die 25-Runden-Distanz bei den deutschen Meisterschaften in Borna am 20. Mai in Angriff nehmen.

Wilfried Raatz


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