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Der Landschaftsklassiker des Westens: Im Teutoburger Wald unterwegs von Detmold nach Bielefeld

33. Hermannslauf am letzten Sonntag im April

13.04.2004

Die Sache sieht an sich ganz einfach aus: Der Start befindet sich am Fuße des Hermanns-Denkmals im Lipperland nahe der Stadt Detmold in knapp 400 Meter Höhe, und das Ziel nach genau 30,6 km durch den Teutoburger Wald befindet sich auf der Promenade unmittelbar vor der Sparrenburg, dem Wahrzeichen der ostwestfälischen Metropole Bielefeld; auf rund 170 Meter Höhe. Wer jedoch daraus schließt, es handele sich um einen locker-leichten Berg-ab-Lauf, der muss schnell eines besseren belehrt werden … und sich auf allerhand “Höhen“ und “Tiefen“ gefasst machen, die jeden Läufer und jede Läuferin in mehrfacher Hinsicht unterwegs erwarten:

Da geht es schon im ersten Teilabschnitt nach dem Einlaufen schnell wieder hinauf zum Großen Ehberg, ein weiterer lang gezogener Anstieg kommt nach der Stapelager Schlucht am Truppenübungsplatz von Augustdorf dann mit dem Tönsberg vor der Bergstadt Oerlinghausen, wo neuerdings die City durchlaufen wird und der zweite Teil der Strecke längst begonnen hat: Das Schopketal und die Überquerung der Autobahnbrücke A 2 zwischen Dortmund und Hannover in Höhe Lämershagen mit dem berühmt-berüchtigten Treppenanstieg sind weitere markante Punkte, die Läuferherzen höher schlagen lassen, bevor mit dem Eisernen Anton und dem Ebberg die (wirklich!) letzten “Höhepunkte“ warten. Am Rande der von Bodelschwinghschen Anstalten Bethel kann man sich dann so langsam auch mental auf den Zieleinlauf einstimmen, wo zu beiden Seiten applaudierende Zuschauer die weitere Streckenführung markieren und eng führen. Hier kann dann nichts mehr schief gehen …

Die Idee zum Hermannslauf hatten einst sportbegeisterte Männer vom Bielefelder Ski-Club, die 1971 auf der Rückreise vom Wasa-Skilanglauf in Schweden den Plan skizzierten, einen Landschaftslauf entlang des Hermannsweges im Teutoburger Wald zu kreieren. Damals mit dabei war auch der Polizist Peter Gehrmann, ebenfalls langjähriger Bundestrainer im Orientierungslauf und Mitte der 1970er Jahre Initiator der sog. Deutschlandstaffel, sowie der Jurist Prof. Dr. Wolfgang Schlüter, der jetzige Schirmherr DES Hermannslaufes in der Nachfolge des vor ein paar Jahren verstorbenen ehemaligen DLV-Präsidenten und früheren Bielefelder Oberstadtdirektors Prof. Dr. Eberhard Munzert.

Veranstalter des Hermannslaufes seit 1989 ist der TSVE 1890 Bielefeld, einer der größten Breitensportvereine im Bielefelder Innenstadtbereich mit “Präses“ Günter Entgelmeier, Jürgen Schulz, Host Szuba und LA-Abteilungsleiter Rudi Ostermann an der Spitze eines vielköpfigen ehrenamtlichen Organisationsteams, das dem Lauf eine geradezu familiäre Atmosphäre verleiht. Die Teilnehmerzahlen beliefen sich anfangs auf einige wenige Hundert, 1979 wurde erstmals die Tausender-Grenze überschritten, danach pendelte man sich bei rund 3.000 ein, bevor kurz vor der Jahrtausendwende wie vielerorts ein dynamischer Wachstumsschub mit Verdoppelung einsetzte und damit den Kapazitäten – allein wegen der teilweise engen Wegführung – geradezu natürliche Grenzen gesetzt wurden.

Den Streckenrekord beim Hermannslauf hält seit 2002 Rene Witt von der LG Vogtland mit 1:43:09 Std., der auch im Jahr davor siegreich war. In diesem Jahr müssen Philipp Brouwer vom actice sportshop team (1:46:23 Std.) und Heike Mohn von der SV Brackwede (2:05:59 Std.) ihre Titel verteidigen – was in der Geschichte des Hermannslaufes nicht allzu häufig gelang, obwohl viele Siegerinnen und Sieger aus der Region kamen: Nur noch wenige erinnern sich vermutlich an den mittlerweile 75-jährigen Helmut Bode aus dem Bielefelder Stadtteil Oldentrup, der die ersten beiden “Hermänner“ 1972 und 1973 gewann, darüber hinaus 1975 und 1976 jeweils vierter wurde und heute die Läuferinnen und Läufer kurz vor km 22 in Lämershagen an der Strecke Beifall klatschend begrüßt.

Der Hermannslauf gilt als Landschaftsklassiker mit “krummer Distanz“. Manche nennen ihn gar den “Rennsteig des Westens“. Der Lauf wurde 2002 als Volkslauf des Jahres vom Westfälischen Fußball- und Leichtathletik-Verband ausgezeichnet und gehörte 2002 und 2003 jeweils zu den TOP TEN- Läufen in Deutschland, die nach einer Umfrage der in Berlin herausgegebenen Zeitschrift LAUFZEIT ermittelt wurden. So bleibt es nicht aus, dass der 33. Hermannslauf in diesem Jahr wieder mit 7.053 Teilnehmerinnen und Teilnehmern schon rund einen Monat vorher “ausverkauft“ war. Wer also unbedingt einmal dabei sein möchte, sollte sich bereits jetzt merken: Der nächste Hermannslauf kommt bestimmt … immer am letzten Sonntag im April um Punkt 11 Uhr!

Dr. Detlef Kuhlmann
Der Autor ist langjähriger Ressortleiter Kultur beim real,- BERLIN-MARATHON bzw. bei SCC-RUNNING. Er lebte von 1954 bis 1988 in Bielefeld, absolvierte den Hermannslauf 20-mal und erzielte dabei Zeiten zwischen 3:02:57 und 2:14:03 Std.

Weitere Einzelheiten unter:
http://www.hermannslauf.de/


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